BISCHOFSSYNODE

ZWEITE SONDERVERSAMMLUNG FÜR EUROPA

 


 

Jesus Christus,

der lebt in seiner Kirche,

Quelle der Hoffnung für Europa

 

INSTRUMENTUM LABORIS

 

Vatikanstadt

1999

 


 

© Copyright 1999 - Generalsekretariat der Bischofssynode und Libreria Editrice Vaticana.

Dieser Text darf nur den Bischofskonferenzen oder mit ihrer Genehmigung gedrukt oder verbeitet und unter der Bedinung, daß der Inhalt in keinster Weise verändert wird und daß zwei Kopien dem Generalsekretariat der Bischofssynode zugestellt werden, 00120 Vaticanstadt.

 


 

Einführung

Die Zweite Sonderversammlung für Europa, die kurz vor Beginn des Jahres 2000 vom 1. bis 23. Oktober 1999 stattfindet, ist die letzte in der Reihe der kontinentalen Synoden und gleichsam der Höhepunkt der Vorbereitungsphase. In dieser gab es bedeutsame Momente, wie zum Beispiel die Beratung über das zu wählende Synodenthema, dessen Formulierung dann vom Heiligen Vater genehmigt wurde, sowie die Veröffentlichung der Lineamenta(16. März 1998) mit dem Fragenanhang, die den Interessenten und vor allem den europäischen Bischofskonferenzen zugesandt wurden. Mit der Veröffentlichung des vorliegenden "Arbeitspapiers" oder Instrumentum laboris, das die auf das erste Dokument eingegangenen Antworten berücksichtigt, endet nun die Vorbereitung der Synode.

Die Ankündigung der Feier der Zweiten Sonderversammlung für Europa weckte in jeder Hinsicht unter den Teilkirchen des Kontinents wie auch in der gesamten Kirche großes Interesse. Das ist aus den vielen Antworten und Stellungnahmen zu den Lineamenta zu ersehen, die im Generalsekretariat eingegangen sind. Viele Teilkirchen nutzten die Vorbereitungsphase und das Lineamenta-Dokument zum gemeinsamen Beten und vertieften Nachdenken über verschiedene Punkte des Synodenthemas, wodurch sie die Reichhaltigkeit des Instrumentum laborissicherstellten.

Während der 5. Vorsynodalen Ratsversammlung, die vom 16. bis 18. März 1999 in Rom stattfand, legte der Vorsynodale Rat an Hand des ganzen dem Generalsekretariat aus der Vorbereitungsphase zugeleiteten Materials und mit Hilfe europäischer Fachkräfte den endgültigen Entwurf dieses Arbeitspapiers vor. Die Ratsmitglieder prüften bei dieser Tagung den ersten Textentwurf, der auf Grund der Antworten zusammengestellt und gemäß den Themenkreisen gegliedert war, die sich aus den von den Lineamentagestellten Fragen ergeben hatten. Die Stellungnahmen der Mitglieder des Vorsynodalen Rates wurden dann bei dieser Tagung in den endgültigen Text eingearbeitet, der dem Heiligen Vater zur Approbation vorgelegt wurde.

Bei der Abfassung des Textes, der die Antworten und Stellungnahmen inhaltlich wiedergeben sollte, wurden drei Aspekte besonders beachtet, die in gewisser Form im endgültigen Text zu finden sind: 1. die gemeinsamen Gesichtspunkte, 2. die gegensätzlichen Aspekte und 3. die möglichen Versehen in den Antworten. Darüber hinaus ist der Hinweis angebracht, daß das Arbeitspapier nicht nur die obengenannten Themen, sondern auch solche Punkte behandelt, die den Antworten entsprechend weiter geprüft und entwickelt werden sollten. In diesen Fällen werden sie, obwohl sie im vorliegenden Text nicht ausführlich behandelt werden, dennoch erwähnt, so daß sie in den synodalen Debatten auf die Tagesordnung zu setzen sind.

Das in vier Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch) vorliegende Instrumentum laboris gliedert sich entsprechend der logischen Entfaltung des Synodenthemas: "Jesus Christus, der lebt in seiner Kirche, Quelle der Hoffnung für Europa."

Dementsprechend setzt sich das Arbeitspapier aus einer Einleitung und drei Hauptteilen zusammen, deren Titel sich auf die Hauptbegriffe des Themas beziehen. Diese drei Teile sind jeweils in Untertitel geteilt, die damit zusammenhängende Punkte behandeln. Das Arbeitspapier schließt mit einer kurzen Zusammenfassung.

Die Einleitung beschreibt den gegenwärtigen Kontext, in dem die Synode stattfindet, und vergleicht ihn mit dem der vorgehenden Synode.

Im ersten Teil - Europa auf dem Weg ins dritte Jahrtausend - findet sich ausreichendes Material für die notwendige Unterscheidung der "Zeichen der Zeit". Es werden die in Europa in den vergangenen zehn Jahren stattgefundenen Veränderungen sowie die Möglichkeiten und Gründe zur Hoffnung, aber auch die Enttäuschungen, Gefahren und Besorgnisse beschrieben, die diese Wandlungen mit sich bringen. Des weiteren werden einige besonders schwierige Probleme beleuchtet, die aus der derzeitigen Lage Europas erwachsen. Gefragt wird nach den kulturellen Ursachen, die den genannten wahrnehmbaren Neuheiten und Phänomenen zugrundeliegen, und es wird darauf hingewiesen, wie wichtig und entscheidend die anthropologische Frage und noch mehr die "Glaubensfrage" ist.

Der zweite Teil, Jesus Christus lebt in seiner Kirche, beschreibt die notwendigen Voraussetzungen und Hilfen für die Wahrhaftigkeit und Lebenskraft des Glaubens. Es ist der grundlegende Teil, der hervorheben will, daß man die Hoffnung nur wiedererwecken und wiederfinden kann, wenn man sich auf den Glauben an den Auferstandenen stützt, wenn man das in jedem Menschen lebendige Verlangen nach Jesus erkennt; wenn man an ihn als den einzigen Erlöser glaubt und die Gewißheit hat, daß Jesus Christus und die Kirche eins sind, weil man die Kirche in ihrer innersten Wirklichkeit als "Geheimnis" und "Gemeinschaft" sieht.

Im dritten Teil, Jesus Christus, Hoffnung für Europa, wird darauf hingewiesen, daß die Sendung der Kirche und der Jünger aus der Begegnung mit Christus erwächst. Es werden die Vorbedingungen für die Kirche - will sie dem heutigen Europa Hoffnung vermitteln - aufgezählt mit dem Hinweis, jede wahrhaftig und mutig zu prüfen. Damit will man sagen, daß es notwendig ist, daß die Kirche die Gegenwart und das Handeln Christi und seines Geistes zu erkennen und anzunehmen vermag, daß sie wirkliche, ständige, ihm gleichgestaltete Transparenz Christi, wahrer Ort der Gemeinschaft ist. Der dreifachen Sendung der Kirche, "martyria", "leitourgia" und "diakonia", folgend, werden die Möglichkeiten zur Debatte gestellt und gegebenfalls neu angestoßen, wie die Kirche in Europa heute das "Evangelium der Hoffnung" durch die Verkündigung, den Gottesdienst und den Dienst am Nächsten verbreiten kann. In diesem Rahmen werden in bezug auf die Verkündigung und das Zeugnis die Themenkreise der Neuevangelisierung, der Ökumene und des Dialogs mit dem Judentum und den anderen Religionen sowie der Sekten behandelt. Im Hinblick auf den Gottesdienst wird eine Gewissensprüfung über die Gegenwart des Herrn in der Liturgie und der heutigen konkreten liturgischen Praxis angeregt. Für den Dienst am Nächsten liegt der Schwerpunkt auf dem Zeugnis der Liebe, auf dem Bemühen, Gemeinschaft und Solidarität aufzubauen, auf einigen pastoralen Bereichen, die im derzeitigen Kontext scheinbar einen besonderen Einsatz erfordern, und auf der Verpflichtung und den Einsatz für den Aufbau eines neuen Europas.

Im Text wird an die europäischen Märtyrer dieses Jahrhunderts erinnert und auf die Bedeutung dieses Gedächtnisses hingewiesen, das in Europa neue Hoffnung wecken soll. Außerdem wird die Verbindung von Synode und Jubiläum des Jahres 2000 hervorgehoben.

Das vorliegende Instrumentum laboris will den Synodenverlauf und die unmittelbare Vorbereitung der Teilnehmer erleichtern und deshalb die Kernprobleme der Kirche in Europa herausstellen. Auf diese Weise will es entsprechende Orientierungen geben für die Aufgabe der Unterscheidung, die den Hirten aufgetragen ist auf Grund ihres Charismas und ihrer Verpflichtung, über den Zeitstrom zu wachen, dessen Zeichen zu erforschen, das zu erfassen, was der Geist den Kirchen sagt, und die zukünftigen Schritte zu bestimmen. Es soll also auch ein Ansporn zur heilsamen "Gewissensprüfung" sein. Aber es will vor allem einige Leitlinien als wesentliche Hoffnungsträger für das Europa von heute zur Debatte stellen und zur Überprüfung vorlegen. Sie bestehen in der Erneuerung und Bekräftigung des Glaubens an Jesus, der in seiner Kirche lebt; an Jesus, der als einziger den Menschen, den Völkern und Nationen sichere Hoffnung zu geben vermag; sowie in der Klärung der Bedingungen und Weisen, die es der Kirche ermöglichen, ihrem Auftrag gemäß das "Evangelium der Hoffnung" durch die Verkündigung, den Gottesdienst und den Dienst am Nächsten zu verbreiten.

Die im Instrumentum laboris enthaltenen Informationen sind eine Zusammenfassung der beim Generalsekretariat eingegangenen Antworten und werden nun den europäischen Bischöfen, die an der Sonderversammlung teilnehmen, für ihre persönliche Vorbereitung zurückgegeben, damit sie einzelne Punkte für ihre Wortmeldung in der Synode auswählen können. Der Heilige Vater hat die Veröffentlichung dieses Dokuments gern genehmigt, deshalb ist es wünschenswert, daß die Bischöfe in Europa es auch in ihren Teilkirchen für weitere Anstöße und für die Teilnahme aller Gläubigen am Synodenverlauf nutzen mögen.

Seiner Natur nach ist das Instrumentum laboris ein Arbeitspapier. Es darf keineswegs als Vorwegnahme der Beschlüsse der Synodenversammlung gesehen werden, wenn auch der Konsens, der sich in gewissen Punkten aus den Antworten ergibt, zweifellos in den Ergebnissen der Synode niederschlagen wird.

Es ist meine feste Hoffnung, daß Maria, die mit den Jüngern im Abendmahlssaal anwesend war, diese letzten Vorbereitungen leiten und den Synodenteilnehmern in den Beratungen beistehen wird. So möge diese Versammlung viele Menschen zu Christus führen, der in seiner Kirche lebt als Quelle der Hoffnung für Europa, und dem Werk der Evangelisierung des europäischen Kontinents frischen Antrieb geben, während die Kirche sich anschickt, die Schwelle des dritten Jahrtausends zu überschreiten.

Jan P. Kardinal SCHOTTE, c.i.c.m.

Generalsekretär


Einleitung

Zwei Synoden für Europa

1. Im Jahr 1991, als die erste Sonderversammlung der Bischofs-synode für Europa durchgeführt wurde, stand Europa noch ganz unter dem Zeichen der Wiedervereinigung. Für viele Völker Europas war die große Stunde der Befreiung angebrochen, gleichsam des Heraus-kommens aus den Katakomben und einer Art "Durchzugs durch das Rote Meer".

Groß war die Hoffnung. Wie Johannes Paul II. betonte, "scheint ein gemeinsames Empfinden heute die große Menschheitsfamilie zu beherrschen. Alle fragen sich, was für eine Zukunft [...] in Frieden und Solidarität aufzubauen ist. Mauern sind gefallen. Grenzen haben sich geöffnet. Ein irdischer Messiasglaube ist zusammengebrochen, und in der Welt steigt der Durst nach einer neuen Gerechtigkeit auf. Eine große Hoffnung hat sich erhoben, Hoffnung auf Freiheit, auf Verantwortung, auf Solidarität und geistige Werte. In dieser bevorzugten Stunde, in der wir leben, rufen alle nach einer vollmenschlichen Zivilisation. Diese ungeheure Hoffnung der Menschheit darf nicht enttäuscht werden".(1) Der Augenblick ist "günstig, um die Steine der gestürzten Mauer aufzulesen und zusammen das gemeinsame Haus zu bauen".(2)

Gleichzeitig war es dringend notwendig, sich zu fragen, was die wiedererlangte Freiheit bedeutete. Die grundlegende Frage betraf - wie aus dem Synodenthema "Ut testes simus Christi qui nos liberavit" hervorgeht - den wahren Begriff von Freiheit. Denn die Kirche ist wie alle christlichen Kirchen gesandt, diese Freiheit zu bezeugen, zu verkünden und aufzubauen in dem vollen Bewußtsein, daß diese Freiheit keine andere Freiheit als die sein kann, die Christus uns erlangt hat, und daß folglich die angemessene Antwort der Kirche nur eine "Neuevangelisierung" sein kann.

Die Synode, entstanden aus der Erkenntnis, daß Europa eine besonders schwierige geschichtliche Periode durchlebte, bedeutete zugleich eine Quelle der Gnade und Neuheit sowie einen Anruf Gottes und erwies sich als eine besonders günstige Gelegenheit für ein Treffen der Bischöfe sowie für die Erfahrung der Katholizität der Kirche. Aufgabe der Synode war, gründlich über die historische Tragweite der Stunde, die Europa und die Kirche erlebten, nachzudenken und die Zeichen der Zeit zu erforschen sowie entsprechende Weisungen zu entnehmen für den Weg, der im Hinblick auf die Evangelisierung des dritten Jahrtausends durch den gegenseitigen Austausch der Gaben einzuschlagen ist.

Es zeigte sich ganz klar, wie der Weg verlaufen sollte. Es ging darum, "den europäischen Menschen die befreiende Botschaft des Evangeliums erneut anzubieten".(3) Es gab also für die Kirche keine andere Aufgabe als die "Neuevangelisierung". Denn nur Jesus Christus ist der wahre Befreier des Menschen. Nur er kann die Situation der Befreiung Europas in die rechte Bahn lenken.

2. Heute, acht Jahre danach, befindet sich Europa hingegen in einer Lage, in der - so könnte man sagen - die Einheit bedroht ist. "Ist es nicht so - sagte der Papst -, daß nach dem Fall der sichtbaren Mauer eine andere, unsichtbare Mauer zum Vorschein kam, die unseren Kontinent noch immer teilt - die Mauer, die durch die Herzen der Menschen geht? Es handelt sich um eine Mauer, die gebaut ist auf Angst und Aggressivität, auf dem Mangel an Verständnis für die Menschen anderer Herkunft, anderer Hautfarbe oder anderer Glaubensüberzeugungen. Es ist die Mauer des politischen und wirtschaftlichen Egoismus, des schwindenden Gespürs für den Wert des menschlichen Lebens und für die Würde eines jeden Menschen. Sogar die Erfolge, die in jüngster Zeit im wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Bereich zweifellos zu verzeichnen sind, können die Existenz dieser Mauer nicht verbergen. Sie wirft ihren langen Schatten auf ganz Europa. Das Ziel einer wahren Einheit Europas liegt noch in weiter Ferne".(4)

Viele Menschen glaubten, die außerodentlichen Ereignisse von 1989 führten zu einem radikalen Wandel der Geschichte und Europa bliebe in Zukunft von solchen Dramen und Teilungen verschont; diese haben aber auch in diesen Jahren europäische Länder und Völker getroffen. An der Schwelle des dritten Jahrtausends ist unser Erdteil zwar noch sehr reich an deutlichen Glaubenszeugnissen im Rahmen eines zweifellos freieren und einmütigeren Zusammenlebens. Er spürt aber die ganze Abnützung, die durch die ältere und jüngere Geschichte im tiefsten Inneren seiner Völker entstanden ist, was oft zu Enttäuschungen führt. Deshalb ist die Gefahr sehr groß, daß die Hoffnung immer mehr schwindet. Die Aufgabe von heute ist es, die verlorene Hoffnung nicht nur vorübergehend an der Oberfläche, sondern tiefgreifend, überzeugend und auf Dauer wiederzuerwecken.

Die Aufgabe besteht wiederum in der Rückkehr zum Evangelium. In der Überzeugung, daß es in Europa "keine Einheit geben (wird), solange diese nicht auf der Einheit des Geistes beruht. Dieses tiefste Fundament der Einheit wurde vom Christentum nach Europa gebracht; es wurde im Laufe der Jahrhunderte von seinem Evangelium, seinem Menschenbild und seinem Beitrag zur Entwicklung der Geschichte der Völker und Nationen gefestigt".(5) Wenn das die Vergangenheit gelehrt hat, dann gilt auch für heute, daß "sich die Mauer, die sich heute in den Herzen erhebt, die Mauer, die Europa teilt, nicht abzutragen ist ohne die Rückkehr zum Evangelium".(6)

3. In diesen Kontext ist die zweite Sonderversammlung der Bischofssynode für Europa einzuordnen. Von Johannes Paul II. in Berlin angekündigt, gehört sie zu den Synoden der einzelnen Erdteile, die in Vorbereitung auf das Große Jubiläum des Jahres 2000 stattfinden.(7) Sie wird an das Ergebnis der vorhergehenden Synode anknüpfen und es weiterentwickeln. Sie wird eine Bestandsaufnahme der jüngsten Jahre machen, alles sorgsam prüfen und sich weiterhin um einen gegenseitigen Austausch der Gaben bemühen. Dadurch legt sie die grundlegenden Zielsetzungen fest: die Lage der Kirche in Europa im Blick auf das Jubiläum zu analysieren, Beiträge und Weisungen anzubieten, damit die gewaltigen geistlichen Kraftreserven dieses Erdteils in allen Breiten wirkliche Entfaltung finden, und eine neue Verkündigung des Evangeliums zu fördern, so daß die Voraussetzungen für eine wahre religiöse, soziale und wirtschaftliche Wiedergeburt geschaffen werden.(8)

Die Synode will vor allem bekennen, daß "Jesus Christus in seiner Kirche lebt und die Quelle der Hoffnung für Europa ist". Sie will diese "Hoffnung gegen alle Hoffnung" verkünden. Sie will es durch eine aufmerksame und gewissenhafte Lektüre der heutigen Zeit tun, um in ihr die "Zeichen" und die "Samen" der Hoffnung zu entdecken, die keinesfalls fehlen. Sie will es vor allem tun, indem sie die Hoffnung einer glaubenden Kirche erneuert.

Das ist die wahre "göttliche Hoffnung". Sie besteht nicht im Optimismus dessen, der meint, er werde es schon schaffen und das erreichen, was er sich vorgenommen hatte. Sie besteht auch nicht im einfachen Vertrauen auf die gute Sache Europas, die durchaus positiven und anregenden Einfluß ausüben mag. Sie ist die Hoffnung, die auch mit dem Risiko des Mißerfolgs und der Anstrengung rechnet. Aber weit mehr ist sie eine Hoffnung, die in Gott gründet. Sie ist die wahre göttliche Tugend, die die "Herrschaft" und liebevolle und siegreiche Gegenwart Christi anerkennt. Sie ist die Hoffnung Abrahams und des Apostels Paulus, die auch vor den Städten im Niedergang nicht aufgegeben haben. Sie ist die Hoffnung dessen, der "entgegen aller Hoffnung weiter hofft" in der Gewißheit, daß Gott treu ist und seine Verheißungen erfüllt und daß er in Jesus und mit der Kraft des Geistes den Menschen, die Gesellschaft und die Welt nicht verläßt, sondern sich zum Gefährten und Licht auf dem Weg, zur Kraft und Stütze bei der Arbeit macht.

4. Textgrundlage ist die Begegnung der zwei Jünger mit dem Auferstandenen auf dem Weg nach Emmaus (Lk 24, 13-35), die als "Sinnbild" für die heutige europäische Situation genommen wird. Denn wie die beiden Jünger scheinen auch viele Menschen in Europa im Gegensatz zur Euphorie, die während der ersten Sonderversammlung der Synode herrschte, entmutigt und niedergeschlagen, denn ihre Erwartungen wurden nicht erfüllt, und sie blicken verunsichert und ohne Hoffnung in die Zukunft. Wie für die Jünger am Abend des Ostertages kann in diesen Menschen nur die Begegnung mit dem Auferstandenen, der in seiner Kirche lebt, "das Herz entbrennen lassen", so daß sie "noch in derselben Stunde aufbrechen" und dorthin zurückkehren, wo sich die europäische Geschichte im Leben des Einzelnen entfaltet. So tragen sie dazu bei, in ganz Europa ein Zusammenleben nach dem Maß des Menschen, ohne Ausnahme und Schranken, voll Aufnahmebereitschaft, Solidarität und Frieden zu fördern.

Durch diesen Dienst können die Christen und die Kirchen mithelfen, ein neues Europa der geistigen Werte aufzubauen, das fähig ist, über die eigenen Grenzen und Interessen hinweg der ganzen Welt einen neuen Beitrag an Zivilisation, Weisheit und Frieden anzubieten.


Erster Teil

Europa auf dem Weg ins dritte Jahrtausend

Unterscheidung der "Zeichen der Zeit"

5. Zwei von den Jüngern waren "auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte" (Lk 24, 13-14). Selbst mit einbezogen in den geschichtlichen Ablauf, konnten sie nicht unbeteiligt bleiben, sondern schauten auf das, was in ihrer Umgebung geschah, und versuchten sich zurechtzufinden. Ja, sie "redeten und tauschten ihre Gedanken aus" (vgl. V. 17). Aber ihr Weg war von Trauer gekennzeichnet, "sie blieben traurig stehen" (V. 21), und noch mehr vom Verlust des Glaubens. Da "kam Jesus hinzu und ging mit ihnen. Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, so daß sie ihn nicht erkannten" V.15-16). Augustinus kommentiert: "Sie sagen: Wir aber hatten gehofft, daß er der sei, der Israel erlösen werde. Ihr Jünger, ihr hattet gehofft, das heißt, daß ihr jetzt nicht mehr hofft. Schaut, Christus lebt, aber eure Hoffnung ist tot. Ja, Christus lebt wirklich. Aber dieser lebendige Christus findet die Herzen der Jünger tot [...] Sie hatten den Glauben und die Hoffnung verloren. Obwohl sie mit einem Lebenden gingen, waren sie tot. Als Tote gingen sie, begleitet vom Leben. Mit ihnen ging das Leben, aber in ihren Herzen war das Leben noch nicht erwacht".(9)

Die beiden Jünger sind also ein Sinnbild für viele unserer Zeitgenossen im Europa von heute, das von der Hoffnung auf den Herrn geprägt wurde und das der Herr nicht verlassen hat. Viele Europäer scheinen verstört, verwirrt, verunsichert und fast ohne Hoffnung zu sein. Nicht wenige Christen befinden sich in diesem Seelenzustand und scheinen den Glauben verloren zu haben oder beschränken sich darauf, eine gewisse Praxis beizubehalten oder eine bestimmte oberflächliche Frömmigkeitsform auszuüben.

Die Zeichen der Zeit unterscheiden

6. Ihrer prophetischen Sendung getreu wollen die Bischöfe mit ihren Kirchen auf der Synode sich prüfen, um die Zeichen der Zeit zu erforschen und im Licht des Evangeliums zu beurteilen.(10) Es geht darum, "über all das zu sprechen, was sich in Europa ereignet hat", und - im Unterschied zu den Jüngern von Emmaus - sich von der Gegenwart und vom Wort des Herrn prüfen und erleuchten zu lassen in dem Bewußtsein, daß der Herr mit ihnen, mit ihren Kirchen und mit Europa auf dem Weg ist.

So war es schon bei der ersten Sonderversammlung der Bischofssynode für Europa, die Johannes Paul II. einberufen hatte, um eingehend über die Tragweite der historischen Stunde nachzudenken, die für Europa und für die Kirche durch die Ereignisse von 1989 angebrochen war. Zugleich sollten die Zeichen der Zeit erforscht werden und Wegweisungen gefunden werden,(11) indem man zu verstehen suchte, was der Geist Christi der Kirche durch die Erfahrungen der Vergangenheit sagen und welchen Weg er ihr für die Zukunft weisen wollte.(12)

Die Aufgabe der Unterscheidung endet jedoch nicht mit der Synode, sondern ist den Hirten im Leben der Kirche ständig aufgetragen und wird noch dringlicher angesichts des im Laufe der Geschichte sich wandelnden und immer neuen Weltbildes. Wie Johannes Paul II. hervorhob, ist es also wieder "notwendig, daß die Christen es verstehen, diese vom kairos unserer Stunde gebotenen Möglichkeiten aufzugreifen und zu zeigen, daß sie auf der Höhe der pastoralen Aufgabe stehen, die sich aus der konkreten geschichtlichen Situation ergeben".(13)

Deshalb fühlt sich die Synode gedrängt, die konkreten geschichtlichen Ereignisse der vergangenen Jahre in Europa und die sich gegenwärtig abzeichnenden Tendenzen mit großer Aufmerksamkeit zu beobachten. Es ist eine Aufmerksamkeit, verbunden mit der Unterscheidung und der kritischen Beurteilung, die die positiven und negativen bzw. problematischen Aspekte beleuchtet und Wege weist, damit Europa seine Identität nicht aufgibt, seine Verpflichtungen nicht vernachlässigt und so die Hoffnung wieder aufleben läßt. Es geht also darum, wie Johannes Paul II. betont und lehrt, voll Liebe und Sympathie auf Europa zu schauen: mit einer Haltung, die dem eigen ist, der alles Positive und Förderliche, das ihm begegnet, anzuerkennen, hochzuschätzen und zu nutzen weiß, der aber auch nicht die Augen verschließt vor dem, was dem Evangelium nicht entspricht, und es anprangert, wobei er nicht müde wird, weitere Ziele aufzuzeigen und anzupeilen.

Die "res novae" im Europa des letzten Jahrzehnts

7. Obwohl seit 1989 zehn Jahre vergangen sind und jene Ereignisse für viele Menschen weit zurückliegen, sind ihre Auswirkungen auf das Leben Europas und seine Kirchen noch deutlich spürbar.

Zweifellos haben nach diesen Ereignissen bedeutsame Veränderungen im Leben der Kirchen stattgefunden.

Wie bereits in der Synode vor acht Jahren betont wurde, zeigt die Kirche in Ost- und in Westeuropa "eine neue Lebenskraft, besonders in der biblischen und liturgischen Erneuerung, in der aktiven Teilnahme der Gläubigen am Pfarrleben, in den neuen Formen des Gemeinschaftslebens sowie in der Wiederentdeckung des Gebets und des kontemplativen Lebens und in den vielfältigen Formen des hochherzigen Dienstes an den Armen und Ausgegrenzten".(14) Bedeutsam ist auch die Präsenz kleiner Kommunitäten und neuer kirchlicher Gruppen und Bewegungen, insgesamt Lebensformen, die die Frische und Lebenskraft des Glaubens wecken und fördern und die kirchliche Gemeinschaft beleben sowie "dem Leben der Kirche eine unerwartete und manchmal sogar überraschende Neuheit verliehen"(15) haben. Unterschiedliche Menschen wurden von Charismen, die der Heilige Geist bewirkt hatte, gepackt und zu "neuen Wegen des missionarischen Einsatzes im Dienst am Evangelium angetrieben, während sie ständig die Wahrheiten des Glaubens verkündeten, den lebendigen Fluß der Tradition annahmen und in jedem einzelnen das brennende Verlangen nach Heiligkeit weckten".(16)

Die neue Freiheit und die Verkündigung der Menschenrechte in den Ländern hinter dem ehemaligen Eisernen Vorhang ermöglichten den jahrzehntelang "in Ketten" lebenden Kirchen eine neue Handlungsfreiheit. Trotz der Mühen und Schwierigkeiten, die der Wiederaufbau einer von der Diktatur und einem irrigen Lebenssystem besonders im inneren Wachstum gestörten Welt mit sich bringt, war das Zeugnis dieser Kirchen sehr bedeutsam. Gleiches gilt für die verheißungsvollen Programme, die die Kirchen erstellt hatten, um dem Wunsch entsprechend auf allen Ebenen das lange Zeit unterdrückte und ausgegrenzte religiöse und kulturelle Erbe "sicherzustellen" und durch die konziliare und nachkonziliare Lehre zu bereichern.

Zur gleichen Zeit haben vor allem typisch westeuropäische negative Phänomene wie der praktische Materialismus, das Konsumverhalten, der Hedonismus und der kulturelle und religiöse Relativismus auf die osteuropäischen Völker Einfluß genommen und die Arbeit der Ortskirchen erschwert. Es fehlte nicht an Haltungen des Mißtrauens seitens einiger Kirchen des Ostens gegenüber den westlichen Kirchen aus Furcht, mit ihnen nicht Schritt halten und den Dialog nicht "auf gleicher Ebene" führen zu können und den oft mit heroischen Opfern erkämpften Einfluß zu verlieren. Manchmal war es für Ordensleute aus Westeuropa, die zu den Kirchen des Ostens gesandt wurden, nicht leicht, die Situation vor Ort zu verstehen und mit den Vertretern der Ortskirche zusammenzuarbeiten. Der Übergang von einem unterdrückten Christentum zu einem ein Freiheit gelebten Christentum brachte die Schwächen mancher Positionen zutage, was negative Auswirkungen auf die Anzahl geistlicher Berufe hatte, vor allem in Ländern, die zuvor sehr viele Berufungen hatten.

8. Große und bedeutsame Veränderungen gab es auch im kulturellen, sozialen und politischen Bereich.

Zu berücksichtigen ist vor allem, daß in den letzten zehn Jahren eine Entwicklung im Gang ist, die manchmal einer Neugründung des Staates und des gesamten Zusammenlebens ähnelt, so daß man in jedem Fall von einem noch unvollendeten Übergang auf politischer und institutioneller Ebene spricht, d.h. von einem Vorgang, der leider die Form schwerer blutiger Konflikte angenommen hat. Es ist ein Übergang, der in vielen Ländern mit der Suche nach Wegen zur korrekten Ausübung der Freiheit und der Demokratie nach jahrzehntelanger kommunistischer Herrschaft verbunden ist. In anderen Ländern wird dieser durch die Krise und den Zusammenbruch des kommunistischen Blocks hervorgerufene Übergang im Wandel der politischen Ordnung deutlich. Weitere Folgen sind die fortschreitende Zerbröckelung des Katholizismus durch unterschiedliche Parteinahmen, die die Kirchen zwingen, neue Formen der Beziehung und Präsenz zu suchen. Der Übergang wird auch durch das Auftreten neuer Personen, Völker und Nationalitäten auf der Bühne Europas und der Welt deutlich, mit allem, was das in Bezug auf eine rechte Intepretation der Völker- und Nationenrechte bedeutet.

Der Fall des Eisernen Vorhangs hat nach Jahrzehnten erstmals eine direkte Kontaktnahme mit den mittel- und osteuropäischen Ländern ermöglicht. Es hat sich eine Wanderungsbewegung aus Osteuropa und zusätzlich auch aus dem Süden und aus den verschiedenen afrikanischen und asiatischen Ländern entwickelt. Die Armen und Obdachlosen kommen aus vielen Ländern hinter dem ehemaligen Eisernen Vorhang sowie aus Afrika und Asien in die westeuropäischen Städte, und nicht selten handelt es sich um illegale Einwanderungen. Diese Wanderungsbewegung bringt in Europa vielfältige soziale und kulturelle Probleme mit sich, die aufmerksam zu unterscheiden sind und verantwortlich bewältigt werden müssen. So entsteht von Jahr zu Jahr eine immer pluralistischere Situation in Bezug auf die ethnischen, kulturellen, religiösen und sozialen Bedingungen. Und das alles stellt eine Herausforderung dar für die Kirchen, die sie - nicht ohne Schwierigkeiten - zu bewältigen suchen, indem sie neue Formen der Aufnahme, der Solidarität schaffen und einen interreligiösen und interkulturellen Dialog in Gang bringen.

Man darf auch das allgemein verbreitete Phänomen der Globalisierung nicht außer Acht lassen, das die europäischen Völker und Staaten erfaßt und miteinbezogen hat.

In den jüngsten Jahren hat sich der europäische Einigungs- und Integrationsprozeß zwischen den Mitgliedstaaten der Union sogar bis zur Herausgabe der gemeinsamen Geldwährung beschleunigt. Die Beteiligung an diesem Entwicklungsprozeß ermöglichte vielleicht erstmals einem Großteil der europäischen Völker, die wachsende Bedeutung der europäischen Institution für das nationale Leben konkret zu ermessen, weil sie über eine rethorische und distanzierte Sicht des europäischen Horizonts hinausging. In diesem Kontext entfalteten sich feste Formen der Beziehungen, des Dialogs und der Konsultation zwischen den europäischen Institutionen und der katholischen Kirche (durch die Bischöfliche Kommission bei der Europäischen Gemeinschaft) und zwischen den katholischen Kirchen ganz Europas (durch den Rat der Europäischen Bischofskonferenzen), Formen, die für die Beteiligung der Kirche am Aufbau des neuen Europas grundlegend sind.

Es ist unschwer festzustellen, daß auch der gegenwärtige historische Zeitpunkt in Europa deutlich macht, daß es sich noch an einem Kreuzpunkt befindet, wo der Aufbau, die Vereinigung und die Evangelisierung Europas ebenso grundlegende Aufgaben sind. Und zugleich zeigt sich deutlich, daß die derzeitige europäische Geschichte - wie der Heilige Vater mehrmals betont hat - von tiefgreifenden Veränderungen und vielen Problemen gekennzeichnet ist, aber gleichfalls unerwartete Möglichkeiten in Bezug auf die Evangelisierung, das Zusammenleben und die Zusammenarbeit mit sich bringt.(17) Mit anderen Worten, es sind Umstände, die Grund zu Hoffnung und Sorge geben, und diese verantwortlich zu unterscheiden und zu beurteilen, ist Aufgabe der Synode.

Möglichkeiten und Gründe zur Hoffnung

9. In der gegenwärtigen europäischen Geschichtsperiode gibt es nicht wenig Grund zur Hoffnung, obwohl meist begründete Besorgnisse oder Enttäuschungen zu überwiegen scheinen. Es geht vor allem darum, diese "Samenkörner und Zeichen der Hoffnung" zu entdecken und zu erschließen.

Im allgemeinen ist leicht festzustellen, daß die veränderten sozialen und politischen Umstände einer wachsenden Zahl von Europäern eine bessere Lebensqualität ermöglichen, den freien Verkehr und Kontakt der Personen untereinander sowie ein gegenseitiges Kennenlernen der Völker des Ostens und des Westens erleichtern, ihren kulturellen Austausch fördern, gemeinsame religiöse Erfahrungen vor allem unter der Jugend begünstigen und gemeinsame Initiativen entfalten, um Europa als das gemeinsame Haus aufbauen zu helfen.

Im engeren kirchlichen Bereich bietet der oben beschriebene Horizont zweifellos neue und ausgedehnte Möglichkeiten gemeinschaftlicher Beziehungen, der Solidarität und des Teilens unter allen Kirchen Europas und auf allen höheren Führungebenen, wenn auch die Kommunikation nicht immer ausgewogen erscheinen mag und das wiedererlangte "Atmen mit zwei Lungen", um ein Lieblingswort Johannes Pauls II. zu zitieren, noch auf Schwierigkeiten und Verzögerungen stößt.

In manchen Kirchen des Ostens stellt man einen bedeutsamen Aufschwung der katechetischen, liturgischen, caritativen und kulturellen Aktivität fest. Neue Bereiche öffnen sich der Evangelisierung der Kirche, und die Möglichkeit zur Nutzung der sozialen Kommunikationsmittel für den Missionsauftrag wachsen. In einigen Ländern bietet sich die Gelegenheit für eine Neuevangelisierung vor allem im Bereich der christlichen Bildung und in dem der Priester- und Ordensberufe, die zuvor auch mit bürokratischen Mitteln behindert worden waren. Durch die wiedererlangte Freiheit konnten die Angehörigen der Ordensinstitute wieder in Gemeinschaft leben und Pastoralprogramme teilen, während sie allmählich und nicht ohne Schwierigkeiten und Leiden die frühere Situation überwanden. Zu den positiven Ergebnissen zählt in einigen Nationen eine Zunahme der geistlichen Berufe, die Grund zur Hoffnung bietet. In einigen Ländern des Ostens, wo das litrugische Leben stark behindert worden war, wurde der Gottesdienstbesuch wiederaufgenommen und allgemein die liturgische Praxis in vielfältiger Form eingeführt. Auch geistliche Bewegungen sind dabei, sich auszubreiten - wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten. Nicht zuletzt zeigt sich unter den Jugendlichen ein Verlangen nach authentischer Spiritualität.

In den westlichen Kirchen sind Aufnahmezentren und Gelegenheiten der Begegnung entstanden, wo ehemalige Anhänger verschiedenster Ideologien zusammentreffen. In zunehmendem Maß entstehen auch Aufnahmezentren für die wachsende Zahl der Einwanderer. In manchen großen westlichen Ländern ist eine Entfaltung des Katechumenats und die Rückkehr von lange der Kirche fernstehenden Christen zum Glauben zu verzeichnen. Manche westliche Kirchen, die den tiefgreifenden Wandel als Beobachter von außen erlebt haben, konnten die Wirklichkeit der "communio" mit den Schwesterkirchen wachsen sehen. Sie lernten Leben und Kultur von bisher fremden oder sogar feindlichen Völkern kennen. Durch den Fall der Mauern erhielten die kirchlichen Hochschulen Westeuropas einen starken Zustrom von Priesteramtskandidaten, Priestern, Ordensleuten und Laien aus den ehemaligen kommunistischen Ländern und förderten gleichzeitig die Entsendung der eigenen Hochschullehrer und Fachexperten zu den Kirchen des Ostens als Dozenten und Berater.

10. Im kulturellen und sozialen Bereich fehlt es nicht an Möglichkeiten und Zeichen der Hoffnung, die es zu erkennen und zu erschließen gilt.

In und hinter diesem auf politischer und institutioneller Ebene stattfindenden Wandlungsprozeß kann man leicht ethische Gründe und Ansprüche erkennen, die nicht unterschätzt werden dürfen, auch wenn sie oft einer tiefgehenden Reinigung bedürfen. Es sind Ansprüche, die auf eine tiefes Verlangen nach politischer Freiheit und noch tiefer auf die Möglichkeit zurückgehen, eine pluralistische Gesellschaft aufzubauen, in der die Rechte aller, auch der Minderheiten, tatsächlich geschützt werden, sowie auf den Wunsch nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit, der gleichfalls als potentieller positiver Entwicklungs- und Verantwortungsfaktor zu berücksichtigen ist.

Die Anwesenheit verschiedener Völker, Kulturen und Religionen kann sich als günstige Gelegenheit und beinahe als Plicht erweisen - will man nicht in einer Situation ständigen Konflikts und der Ausgrenzung der Schwächsten leben -, eine kulturelle Einheit anzustreben, die heute nicht mehr "ausschließlich christlich", sondern "im Dialog und in der Zusammenarbeit pluralistisch" denkbar ist, bei dem die Christen eine unabdingbare Aufgabe haben. Sie sollen die Gelegenheit nutzen, das "Zusammenleben der Kulturen" zu verwirklichen, das jede Versuchung zur Auseinandersetzung in einen Wettlauf wechselseitigen Dienstes und der Aufnahme umwandelt, in eine Synthese nach dem Maß des Menschen und der Bürger, das heißt in eine größere Wirklichkeit, in der alle Nationen und Kulturen Platz finden.

Auch das Phänomen der Globalisierung mit all seinen Zwiespältigkeiten und Gefahren bringt günstige Möglichkeiten mit sich: Es bedeutet sicher zunehmende Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit sowie Produktionssteigerung und kann zugleich den Interdependenz- und Einigungsprozeß unter den Völkern als wahren Dienst an der ganzen Menschheitsfamilie vorantreiben.

Beim Aufbau Europas hat auch die Währungsunion ihren Platz und ihre Bedeutung und bietet eine große Chance. Sie erfordert nicht nur eine Überprüfung der Zweckmäßigkeit und der Ausdehnung der Souveränität der einzelnen Staaten, sondern kann die Solidaritä Europas und seine wirtschaftliche Entwicklung in globaler Sicht besser stabilisieren und sicherstellen. Sie kann ein mächtiges Instrument zum freien Wechsel und Austausch werden und einen Qualitätssprung für das Zusammenleben in Europa darstellen. Sie kann, wenn auch nur Schritt für Schritt, zu konkreten Fortschritten führen, die für die Zielsetzung von dringenden und grundlegenden Werten notwendig sind.

Enttäuschungen, Gefahren und Besorgnisse

11. Die Lektüre der in Europa in den vergangenen zehn Jahren stattgefundenen Veränderungen darf nicht zu einfältigem Optimismus veranlassen. Sie soll vielmehr vom Realismus gekennzeichnet sein, der vor der Unsicherheit und Brüchigkeit der gegenwärtigen Situation in Europa nicht die Augen verschließt. Denn es mangelt nicht an neuen gefährlichen Illusionen und Enttäuschungen, auf die Johannes Paul II. von vornherein hinwies.(18) Unverkennbar bestehen große Gefahren und Besorgnisse. Gerade diese Mischung von Enttäuschungen, Besorgnissen und Gefahren zeigt ein Europa, das scheinbar jede Hoffnung verloren hat.

Das Klima der Enttäuschung wird - so scheint es - vor allem von der verbreiteten Meinung genährt, der Aufbau eines gemeinsamen europäischen Hauses, das auf den Werten des Evangeliums gründet, habe sich trotz aller Anstrengungen und Versuche und entgegen der von den Kirchen zu Anfang der neunziger Jahre ausgesprochenen Erwartung als ein sehr schwer erreichbares Ziel erwiesen. Der Plan, die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Bündnisse neuzuordnen, abgesehen von einer Bezugnahme auf die christlichen Werte, hat sich als ein Kampf um die Macht und nur teilweise zum Wohl der Bevölkerung der einzelnen Länder entpuppt.

Im allgemeinen hat man erkannt, daß der Kommunismus nicht der einzige Feind ist. An die Stelle der kulturellen Herrschaft des Marxismus ist die Herrschaft eines undifferenzierten und tendenziös skeptischen oder nihilistischen Pluralismus getreten. Er ist im heutigen Leben der Gesellschaft weit verzweigt und führt zu einer stark eingeschränkten Anthropologie, ja nicht selten zum Verzicht auf jede Möglichkeit von Sinngebung.

Insbesondere in den Ländern Osteuropas wurden so manche Erwartungen enttäuscht. Man hat die Auswirkungen des Kommunismus und die durch ihn hervorgerufene anthropologische und ethische Leere nicht genügend berücksichtigt. Man hegte die törichte Illusion, daß mit dem Zusammenbruch des Kommunismus alles automatisch an die rechte Stelle gerückt würde. Manche dachten, die Demokratie bringe automatisch Reichtum und Wohlstand, und mit der Freiheit erlangten alle Konsumenten die Güter des Westens und alle fänden einen sicheren Arbeitsplatz, was zu einem Wirtschaftswachstum führen sollte. Hingegen gerieten Tausende Familien in eine Armutskrise. Auf politischer Ebene wird die Enttäuschung dadurch verstärkt, daß nicht wenige Menschen, die den früheren führenden kommunistischen Kräften angehörten, wieder Machtpositionen erlangt haben, und daß an die Stelle von Freiheit und Frieden gewallttätige Nationalismen getreten sind. Es fehlt auch nicht an Enttäuschungen, die auf die Abkapselung und das Desinteresse Westeuropas angesichts der Dramen einiger ehemaliger kommunistischer Länder zurückzuführen sind, die sich weniger bereit und offen gezeigt haben, die Verschiedenheit und die Rechte der einzelnen Völker und einiger Minderheiten, die auf dem Weg zur Selbstbestimmung sind, zu achten und zu schützen.

12. Offensichtlich gibt es auch heute Gefahren für Europa, und sie werden von mehreren Seiten aufgezeigt.

Auf sozialer Ebene zum Beispiel kann das bereits genannte Phänomen der Globalisierung, weil es oft ausschließlich oder überwiegend vom kommerziellen Denken und zum Vorteil der Mächtigen gesteuert wird, Vorbote weiterer Ungleichheiten, Ungerechtigkeiten und Ausgrenzungen sein. Es kann zum Anstieg der Arbeitslosigkeit führen, den Sozialstaat in Gefahr bringen und die Tendenz zur Ungleichheit zwischen den einzelnen Ländern und innerhalb der industrialisierten Länder begünstigen. Die Globalisierung kann Fragen aufwerfen hinsichtlich des Begriffs der "tragbaren Entwicklung", neue Formen der sozialen Ausgrenzung, der Instabilität und Unsicherheit bewirken, die harmonische Beziehung zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in Frage stellen, die Macht der nationalen Autorität in wirtschaftlichen Angelegenheiten verringern und eine Art ungezügelter "Hyperkonkurrenz" usw. mit sich bringen.

Auch die Einführung der gemeinsamen europäischen Währung birgt gewisse Gefahren, weil sie die Hegemonie der Finanz und das Übergewicht der wirtschaftlichen und kommerziellen Aspekte begünstigt. Sie kann dazu beitragen, in Europa neue vorwiegend gegen den Osten gerichtete Mauern aufzubauen, um die stabileren Wirtschaftssysteme zu schützen und sich gegen den Einwandererstrom zu verteidigen. Denn zweifellos besteht immer noch die Gefahr einer neuen Teilung Europas in zwei Hälften: auf der einen Seite die Länder mit stabiler Währung, auf der anderen Seite diejenigen mit nichtkonvertierbarem Geld. Auf der einen Seite ein verhältnismäßig stabiles Wirtschaftssystem, auf der anderen ein schwächliches Wirtschaftssystem mit entsprechenden Auswirkungen auf das Zusammenleben und die Sicherheit.

13. Im kulturellen Bereich "breiten sich eine Mentalität und Verhaltensweisen aus, die ausschließlich die Befriedigung der eigenen spontanen Wünsche und der wirtschaftlichen Interessen gelten lassen durch eine irrige Verabsolutierung der Freiheit des Einzelnen und durch den Verzicht auf jede Begegnung mit einer Wahrheit und mit Werten, die über den persönlichen Horizont oder den der Gruppen hinausgehen. Obwohl der aufgezwungene Marxismus zusammengebrochen ist, sind der praktische Atheismus und der Materialismus in ganz Europa weit verbreitet. Ohne daß sie aufgezwungen und nicht einmal ausdrücklich genannt werden, leiten sie dazu an, zu denken und zu leben, 'als ob Gott nicht existierte'".(19)

In dieser Hinsicht ist in den westlichen Ländern durch den Zusammenbruch der Ideologien und Utopien eine wachsende Gleichgültigkeit zu verzeichnen, und eine Art pragmatischer Materialismus scheint zu dominieren. Zugleich scheint das Konsumverhalten durch die damit verbundene Säkularisierung auch ganz Osteuropa erfaßt zu haben. Ja, es ist sogar festzustellen, daß sich in manchen Ländern Osteuropas die ungezügelte Verbreitung des Kapitalismus in seinen strengsten Formen auf Mafia-Mechanismen stützt, die das gesamte öffentliche Leben bedrohen. In manchen osteuropäischen Ländern begegnet man gegenüber den aus westlichen Ländern stammenden Meinungen und Mentalitäten einerseits einer Haltung unkritischer Annahme, anderseits einer ebenso unkritischen Ablehnung mit der Gefahr schwerer Auseinandersetzungen und Polarisierungen innerhalb der Gesellschaften.

Ebenso gibt es im Innern der Kirche die Tendenz, alles in Frage zu stellen, so als müsse in ihr in Bezug auf Fragen der Ethik und Glaubenslehre gleichfalls das demokratische Mehrheitsprinzip gelten.

In diesem Gesamtbild wird die Gefahr immer spürbarer, daß durch die Verabsolutierung und einseitige Bekräftigung einiger Werte und gültiger Prinzipien zum Nachteil anderer die europäische Zivilisation in Frage gestellt wird. Wird zum Beispiel die Freiheit verabsolutiert und aus ihrem Bezug zu anderen Werten wie der Solidarität herausgerissen, kann sie zum Zerfall unseres Gesellschaftssystems führen. Eine als absoluter Wert beanspruchte Freiheit läuft Gefahr, die Gesellschaft zu zerstören, die sie hat aufbauen helfen.

14. Im rein religiösen und kirchlichen Bereich besteht weiterhin die in der vergangenen Synode für Europa beschriebene Situation. Denn heute wie damals "gibt es die Suche nach religiösem Erleben, wenn auch in einer Vielfalt von nicht immer kohärenten Formen, die oft weit fort vom wahren christlichen Glauben führen. Vor allem junge Menschen suchen ihr Glück in vielen Symbolen, Bildern und auch leeren Dingen und neigen leicht zu neuen Formen von Religiosität und Sekten unterschiedlicher Herkunft".(20) Zu den unsichersten Faktoren gehört nach Meinung vieler die wachsende religiöse Nachfrage, weil sie von einer Flucht in den Spiritualismus und vor allem vom religiösen und esoterischen Synkretismus begleitet wird, was zum Aufblühen von Sekten und Gruppenbildungen führt, die nur eine wirre Beziehung zum "Heiligen" haben. Diese neuen Angebote schöpfen ihre Kraft nicht so sehr aus einer wesentlichen Lebensneuheit, sondern aus dem Anschluß an ein ichbezogenes Lebenssystem, das den übersteigerten Individualismus mit der Suche nach Schutz und Belohnung bietenden Gruppen maskiert.

Europa droht die Gefahr einer fortschreitenden und tiefgreifenden Entchristlichung und eines Rückfalls ins Heidentum. In manchen Ländern ist die Zahl der Nichtgetauften äußerst hoch. Oft sind die Grundelemente des Christentums nicht mehr bekannt. In manchen Fällen steht man vor einem radikalen Schwund von Katechese und christlicher Bildung. Das alles führt auch zu einer tiefen Krise der europäischen kulturellen Identität, so daß man schon von einer Art "Apostasie Europas" spricht.

Das starke Absinken der Anzahl der Priester- und Ordensberufe in einigen Ländern bringt die Gefahr einer unklaren oder mangelhaften und unangemessenen Sicht der Kirche mit sich. So heißt es z.B., die Präsenz des geweihten Amtes sei nicht wichtig und nicht unbedingt notwendig und könne - nach einem rein zweckmäßigen Verständnis von kirchlicher Gemeinschaft - durch die Präsenz von Personen ersetzt werden, die die erforderliche Qualifikation auf einem bestimmten Bildungsweg erworben haben.

Hingewiesen wird auch auf die Gefahr, daß die Initiativen der westeuropäischen Kirchen zugunsten der osteuropäischen unbewußt und tatsächlich dazu neigen, sie "zu verwestlichen", anstatt ihnen dem Evangelium entsprechend zu dienen und ihre kulturellen und religiösen Reichtümer zu erschließen.

15. Das alles trägt dazu bei, in manchen Kirchen berechtigte Besorgnisse hervorzurufen.

Die erste, ernste Besorgnis ist mit der Tatsache verbunden, daß Europa immer mehr ein Ort wird, der eine Neuevangelisierung und neue missionarische Anstrengung braucht. Und das auf Grund der tiefgehenden, radikalen Veränderungen seiner vielfältigen kulturellen und religiösen Tradition, ohne deshalb das zu verkennen, was die Anwesenheit der einzelnen Kirchen und christlichen Gemeinschaften in den verschiedenen Gebieten getan haben und weiterhin tun. In manchen Fällen geht es darum, das Evangelium Christi denen zu verkünden, die es noch nicht kennen. Anderswo ist das ganze christliche Netz der christlichen Gemeinschaften neu zu knüpfen. In den osteuropäischen Landern, wo man den negativen Folgen des kommunistischen Atheismus begegnet, ist eine Art "Erstevangelisierung" notwendig, weil viele, obwohl sie in Ländern leben, die die Botschaft und das auch heroische Zeugnis des Evangeliums bereits kennengelernt hatten, Jesus, unseren Herrn, noch keineswegs kennen. In den westlichen Ländern, die von raschen Entwicklungen und den Herausforderungen der Säkularisierung, Globalisierung und Urbanisierung erfaßt sind, ist es dringend notwendig, eine "Neuevangelisierung" in Gang zu bringen, die eine neue Inkulturation des Evangeliums bewirkt. Im einen und im anderen Fall wächst die Notwendigkeit, innerhalb der einzelnen Kirchen und zwischen den verschiedenen Kirchen und christlichen Gemeinschaften mit Hilfe einer intensiven und achtungsvollen ökumenischen Zusammenarbeit alle verfügbaren Kräfte zu vereinen und die Anstrengungen auf einige primäre Schwerpunkte zu konzentrieren. Dabei bedient man sich der vorhandenen wiederhergestellten und neuen Wirkungs- und Bildungsmöglichkeiten und der sozialen Kommunikationsmittel, um eine korrekte öffentliche Meinung zu bilden. In diesem Bemühen wird auch die Notwendigkeit deutlich, den Dialog und die Zusammenarbeit, die sich im übrigen schon verbessert haben, zwischen den Bischöfen und den Instituten des geweihten Lebens zu verstärken.

In der jetzigen religösen und moralischen Lage Europas tritt eine andere wesentliche Besorgnis zutage, auf die die Synode ihr Augenmerk lenken sollte. Sie betrifft vor allem den Westen und bezieht sich auf die Tatsache, daß die Pastoralmöglichkeit verschwunden ist, die auf einen "verbreiteten Zustand des allgemein geteilten Christentums" gestützt war, so daß jetzt das Hineinwachsen in einen persönlichen und reifen Glauben zu fördern ist. Das geschieht durch eine Pastoral, die den augenscheinlichen Grad der Instabilität, Unsicherheit und Differenzierung in der kirchlichen Zugehörigkeit vieler Getaufter wie auch den großen Priestermangel berücksichtigen muß. In dieser Situation spürt mancher die Gefahr, weiterhin eine Pastoral anzuwenden, die nicht mehr typisch für ein vorherrschendes Christentum und noch weniger psychologisch fähig ist, eine verringerte Hochschätzung oder soziale Anerkennung zu akzeptieren, aber trotzdem versucht, die Strukturen und den Einfluß der Kirche um jeden Preis zu sichern. Letzteres führt auch zu Kompromissen, die es vielen Menschen erlauben, in einer oberflächlichen kirchlichen Zugehörigkeit auf Kosten klarer und radikaler Entscheidungen zu leben. Die Lage der Kirchen in Osteuropa scheint in dieser Hinsicht verschieden zu sein, weil sie auf Grund der vergangenen jahrzehntelangen Schwierigkeiten daran gewöhnt sind, in der Gesellschaft keine Anerkennung zu finden und folglich eine ernsthaftere Konzentration auf die Grundwerte des Glaubens vorziehen.

Unter den besorgniserregenden Faktoren wird auch die Beziehung zu den Massenmedien herausgestellt, weil man erkannt hat, daß die Kirche oftmals diese modernen Mittel noch nicht ausreichend zu nutzen versteht und weil anderseits die Medien oft ein negatives Bild der Religion und vor allem der Kirche vermitteln, das manchmal sogar von offener Feindschaft geprägt ist.

Kritische Untersuchung einiger Fragen und Probleme

16. In dieser Gesamtübersicht sind einige besondere Aspekte eingehender und genauer zu betrachten.

Nicht zu verkennen ist vor allem eine wachsende Kluft zwischen Fortschritt und geistigen Werten, die zum Teil in allen europäischen Ländern in der gleichen Form, teilweise aber in West- und Osteuropa unterschiedlich zutage tritt.

Dieses Phänomen ist oft mehr an die Lebensart als an philosophische oder ideelle Beweggründe gebunden. Denn für viele Menschen sind die Lebensbedingungen schwierig und komplex, so daß die Alltagssorgen überwiegen und keinen Raum für die Aufnahme anderer Werte lassen. Unzählige Menschen leiden unter Arbeitslosigkeit, unter vielfach schwierigen und gescheiterten Familiensituationen und unter sozialen Umständen, die mit unzähligen Formen von Ausgrenzung und Ungerechtigkeit verbunden sind, so daß für die geistigen Werte kein Interesse oder höchstens Gleichgültigkeit übrig bleibt.

Auf der anderen Seite ist nicht alles immer so klar und deutlich ausgerichtet. In den europäischen Gesellschaften zeigen sich in ungleichem Maß gemischte Situationen. Einerseits spürt man die Tendenz, sich in die eigene kleine Welt einzukapseln, um die eigene "privacy" und den eigenen gesellschaftlichen und kulturellen "Status" zu schützen. Anderseits zeigt man sich offen für den andern, vor allem für den Armen und Ausgegrenzten. Einerseits bietet die viele Freizeit die Möglichkeit, Wertangebote wie zum Beispiel Sport, Tourismus und Kontakt mit der Natur zu pflegen. Auf der anderen Seite verwandeln sich diese positiven Möglichkeiten für viele Menschen in kleine oder große Idole und in eine Art kollektiver Besessenheit, von der die Persönlichkeit des einzelnen gleichsam verschlungen wird.

Im Westen zeigt sich die Kluft zwischen Fortschritt und geistigen Werten vor allem in einer Mentalität, die dazu neigt, die bequemste und praktischste Lösung und augenblickliche Befriedigung zu suchen mit der Folge, daß der Sinn für Selbsthingabe und Aszese verloren geht, das Leben verflacht wird und das Gute, Wahre und Schöne nur dann wichtig zu nehmen ist, wenn es unmittelbar von Nutzen sein kann.

Außerdem hat der soziale und kulturelle Fortschritt einige Werte, die verschiedene menschliche Lebensaspekte berühren, neu beleuchtet. Die Frauen sind sich ihrer Rolle stärker bewußt und fordern energischer in allen Lebensbereichen die gleichen Rechte und Möglichkeiten wie die Männer. In vielen Familien ist die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern gut. Die jungen Generationen scheinen die Werte der Familie sehr hoch zu schätzen.

Abschließend kann man vielleicht sagen, daß der Verlust der religiösen Werte scheinbar Schritt hält mit dem Wachstum des Fortschritts. Der materielle Fortschritt allein befriedigt aber die tiefste Sehnsucht des Menschen nicht, und so nimmt die Suche nach manchmal auch vagen und unklar definierten religiösen Werten in West- und Osteuropa unterschiedlich, aber ständig zu.

17. Die Solidarität als Wert scheint oft gefährdet im heutigen Europa. Zu erkennen sind in ganz Europa Haltungen und Verhaltensweisen des Einzelnen und der Gemeinschaft, die oft von kapitalistisch und konsumistisch geprägten Systemen inspiriert und genährt werden und Abkapselung und Egoismus bedeuten.

Obwohl in der Gesellschaft nur geringe Solidarität zu herrschen scheint, fehlt es dennoch nicht an Tendenzen und Initiativen, die von Männern und Frauen ausgehen und gefördert werden, die sich der Schäden solcher ideologischen Anschauungen bewußt sind. Ziel dieser Initiativen ist es, ein neues Bewußtsein für die Notwendigkeit zu wecken, auf persönlicher, familiärer und nationaler Ebene Lebensmodelle zu erstellen und anzuwenden, die die Sparsamkeit im Blick haben und durch die voraussichtlichen großen Einsparungen solche Völker unterstützen wollen, die unter dem Überlebensminimum oder jedenfalls hilfsbedürftig sind. Tatsächlich nimmt die Solidarität gegenüber den Armen vor Ort und den Völkern des Ostens und der südlichen Hemisphäre in vielen Kirchen vor allem Westeuropas einen viel größeren Platz ein, als man sich allgemein vorstellt. Hilfsaktionen, die regelmäßig von vielen kirchlichen Vertretern zu bestimmten Zwecken veranstaltet werden, finden großen Anklang. Die Initiativen der Partnerschaft zwischen europäischen christlichen Gemeinden und Ländern der sogenannten "dritten Welt" werden immer zahlreicher. Nicht zu vergessen ist, was die Ordensleute durch ihre Hilfswerke in den Kirchen und unter den Völkern, wo sie dem Evangelium dienen, durch die Bildung und Hinführung der jungen Generationen zu den menschlichen und christlichen Werten einer konkreten und takräftigen Solidarität leisten.

18. Unterschiedlich und vielfältig sind die Überlegungen über die Religionsfreiheit und Toleranz. Wenn man in gewisser Hinsicht sagen kann, daß in weiten Teilen Europas wahre Religionsfreiheit herrscht und daß sie kaum behindert wird, ist anderseits nicht zu leugnen, daß noch manche Formen von Intoleranz andauern oder hervorgerufen werden.

In einigen Bereichen herrscht, wenn auch unter formeller Achtung der Religionsfreiheit, immer noch eine gewisse Intoleranz, wenn Katholiken als einzelne oder als Gruppe öffentlich ihre Glaubensüberzeugungen und ihre Einstellungen ausdrücken wollen. Ein Zeichen, daß die Kirche manchmal nur "toleriert" wird, solange sie sich auf die Privatsphäre beschränkt .

In manchen Nationen ist jahrzehntelang eine gewisse fundamentalistische Intoleranz mit Konflikten einhergegangen, wenn sie sie nicht sogar genährt hat. Seit einiger Zeit verliert diese Intoleranz allmählich an Boden und gibt auch der gegenseitigen Annahme der unterschiedlichen Traditionen und Überzeugungen Raum.

Nach vielen Jahren des aufgezwungenen Atheismus treten in einigen Kirchen Osteuropas manchmal ein unfreundliches Klima und strenge Haltungen gegenüber anderen Konfessionen oder Denkweisen zutage. Daraus folgt, daß gewisse Gruppen der Katholiken um jeden Preis der ganzen Gesellschaft die eigene Denk- und Lebensweise aufdrängen wollen und offensichtlich Schwierigkeiten haben, die in der ökumenischen Bewegung, im interreligiösen Dialog und in einem korrekten demokratischen System enthaltenen Werte wahrzunehmen.

Noch nicht ganz verschwunden, aber doch seltener sind feindliche und intolerante Handlungen gegenüber Katholiken in einigen Gebieten mit orthodoxer Mehrheit. Auch Anzeichen von Antisemitismus gibt es in einigen Teilen Europas. Was die Beziehung zu den Muslimen betrifft, ist zu beobachten, daß sie zwar die religiöse Toleranz für sich einfordern, hingegen in den islamischen Ländern keineswegs die gleiche Toleranz gegenüber den Katholiken oder den Anhängern anderer Religionen garantiert wird.

Nicht zu vergessen ist, daß die allgemeine Atmosphäre der Toleranz in fast allen westlichen Gesellschaften eine schwere Herausforderung für die Kirche bedeutet. In einer Gesellschaft, in der die Toleranz als wesentlicher, vorherrschender und unverzichtbarer Wert gilt, meint so mancher, jede Form von Monotheismus und folglich auch der christliche Monotheismus seien die Wurzel aller Intoleranz und daß man - wenn die notwendige Toleranz bewahrt werden soll - zu einer Art unterschiedslosen verschwommenen Zusammenlebens religiöser Bekenntnisse und am Ende auch möglicher Gottheiten zurückkehren solle. Man fragt sich also: Wie kann die Kirche ihrem Evangelisierungsauftrag gerecht werden, ohne intolerante Verkünderin zu sein, und, genauer genommen, wie kann und wie soll man das Evangelium verkündigen, wenn man alle Andersgläubigen anerkennen und annehmen, aber gleichzeitig vermeiden soll, daß "Toleranz" in "Gleichgültigkeit" oder "Relativismus" umschlägt?

19. Hält man sich die Wirklichkeit des Staates gegenüber den vermittelnden Instanzen und selbst der Kirche vor Augen, ist zu berücksichtigen, daß die Staatsmacht in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Ländern überhand genommen hat, was eine Verringerung oder Auflösung der vermittelnden Instanzen zur Folge hatte. Das hat die Einzelpersonen und viele kleine Institutionen gegenüber der Staatspolitik sehr verwundbar gemacht. Dieser Zustand scheint besonders in den osteuropäischen Ländern zu herrschen, wo Jahrzehnte des Kommunismus diese Institutionen ausgelöscht und das zivile und soziale Leben ausgehöhlt haben. Aber festzuhalten ist auch, daß Jahrzehnte des Kapitalismus in den westeuropäischen Ländern ähnliche Auswirkungen hatten. In solchen Situationen ist die Kirche aufgerufen, die vermittelnden Instanzen zu unterstützen und ihr Entstehen zu fördern.

In einigen westeuropäischen Ländern, in denen die Kirche volle Religionsfreiheit genießt und vielfältige Kultur-, Bildungs- und soziale Hilfseinrichtungen unterhält, die nicht selten die mangelnden Dienstleistungen des Staates ersetzen, soll scheinbar die Kirche die "Säkularisierung" des Staates und damit seine Autonomie noch mehr anerkennen und achten. Aber zugleich steht die Kirche vor der Aufgabe, ihre Rechte einzufordern, zum Beispiel in Bezug auf die Schulgleichheit und die staatliche Finanzierung der nichtstaatlichen Schulen, auf den Schutz des Lebens, auf die Option für die "Ärmsten" und auf die tatsächliche Religionsfreiheit.

In gewissen osteuropäischen Ländern besteht eine enge Verbindung zwischen Religion und Staat. Dadurch entstehen manchmal ablehnende Haltungen der Verwaltungsbehörden gegenüber der katholischen Kirche, die im Vergleich zu anderen religiösen Bekenntnissen sogar noch gesetzlich diskriminiert wird.

Es fehlt auch nicht an Formen der Instrumentalisierung der Religion und der Kirche zu politischen und nationalistischen Zwecken, vor allem in manchen Ländern Osteuropas.

Haltung der Kirchen und Suche nach den kulturellen Wurzeln

20. Bisher wurden die in Europa heute anzutreffenden Wesensmerkmale beschrieben, demgegenüber scheinen die Reaktionen und Haltungen der christlichen Gemeinschaften sehr unterschiedlich und vielfältig zu sein.

Den immer weiter verbreiteten Pluralismus von Glaube und Kultur betrachten manche Europäer, die in einer Art christlicher Monokultur geformt sind, voll Mißtrauen, weil sie nicht vorbereitet sind, ihn zu verstehen, ihn anzunehmen und ihn mit Offenheit und im kritischen Dialog anzuwenden. Manche kirchlichen Bereiche zeigen sich bereit, den Pluralismus anzunehmen, aber mehr in der Theorie als in der Praxis, mehr außerhalb der Kirche als in ihr. Davon zeugen eindeutig die auftretenden Schwierigkeiten und die daraus folgende Unfähigkeit, entsprechenden Raum zu schaffen, in dem die Katholiken anderer Traditionen oder die Einwanderer anderer Religionen ihre kulturellen, geistigen und religiösen Werte auch in den europäischen Kirchen ausdrücken können. Aber es gibt auch kirchliche Gemeinschaften, Ordenshäuser, Gruppen und Bewegungen, die diesem Pluralismus positiv gegenüberstehen. Es genügt, auf die kulturellen, caritativen, vereinsmäßigen und ökumenischen Initiativen der Diözesen oder nationalen und regionalen Bischofskonferenzen hinzuweisen.

Angesichts der verschiedenen Formen von Gleichgültigkeit, Relativismus und Agnostizismus, betonte man, sei es notwendig, das wahre in Jesus offenbar gewordene Antlitz Gottes wiederzuentdecken, entschieden die Wahrheit zu bekräftigen, die eigene Identität mit Überzeugung zu leben und die Gemeinschaft auch in der Ökumene zu verwirklichen. Mit besonderer Aufmerksamkeit für ethische Fragen und in Anbetracht dessen, daß oftmals die Würde der als Bild und Gleichnis Gottes geschaffenen menschlichen Person geleugnet oder verletzt wird, wird die Notwendigkeit und Dringlichkeit hervorgehoben, eine rechte und ganzheitliche anthropologische Sicht als unerläßliche Grundlage anzubieten, um ein Zusammenleben in Achtung des Lebens und der Rechte aller und des Einzelnen zu ermöglichen. Es fehlt nicht an Denkströmungen, die diesem ethischen Relativismus kritisch gegenüberstehen und sich bemühen, an christlichen Werten orientierte sittliche Haltungen und Verhaltensweisen zu fördern; diese werden auch von einer weltlichen Kultur geteilt, die sich von ihren Dogmen befreit hat, Dogmen, die durch die tragischen Geschehnisse der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts zu Fall gebracht wurden.

21. Es genügt jedoch nicht, mehr oder weniger eingehend oder mit größerem oder geringerem Nachdruck die einzelnen Wesenszüge des Europa von heute zu beschreiben. Ebensowenig genügt es, unterschiedlich auf diesen Umstand zu reagieren. Notwendig ist vielmehr, einer aufmerksamen Unterscheidung und Beurteilung Raum zu geben, die in erster Linie die Ursachen erfaßt, indem sie nach den tiefen Beweggründen fragt, die den verschiedenen beobachteten Phänomenen zugrunde liegen. Und das ist die Aufgabe, die die Synode und die Kirchen zu bewältigen haben, wenn sie ihrer pastoralen Verpflichtung nachkommen wollen.

Was insbesondere das verbreitete Phänomen der religiösen Gleichgültigkeit betrifft, werden von vielen vor allem Gründe angegeben, die im weiten Gewebe der Gesellschaft anzutreffen sind. Man bezieht sich hauptsächlich auf folgende Aspekte: das Entstehen eines Denkens, das als zu schwach befunden werden muß, und damit ist verbunden, daß die "Sinnfrage" weniger gestellt wird; die immer weiter verbreitete "individualistische Ausrichtung", die soziale Systeme im Blick hat, die das Privatinteresse ihrer Glieder, aber kein gemeinsames Ideal und Gemeinwohl fördern soll; das ständig zunehmende Streben nach Autonomie, das in dem wachsenden Wunsch nach subjektiver Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung besteht, mit dem in gewissem Sinn auch eine größere persönliche Verantwortlichkeit und Beteiligung verbunden ist; das komplexe Phänomen der Säkularisierung, verbunden mit verschiedenen Tendenzen zu sozialer und kultureller Differenzierung (die die Anwesenheit mehrerer Religionen und Glaubensbekenntnise auf dem gleichen Territorium erlaubt), die Tendenz zur Privatisierung der Religion, zur "Entheiligung" so vieler Orte, in denen früher die Religion manchmal dominierenden Einfluß ausübte; die Tendenz zur Rationalisierung, verstanden als Entwicklung, die jede Entscheidung und jede Handlung programmieren und kontrollieren soll.

Untersucht man eingehender die Gründe, die im kirchlichen Bereich über die bereits beschriebenen hinaus vorhanden sind, meint man im allgemeinen, die religiöse Gleichgültigkeit erwachse aus besonderen Schwierigkeiten und Problemen, die da sind: ungeordnete Nutzung der Güter und geringes Interesse für die verschiedenen Armutsformen; Gleichgültigkeit des Klerus angesichts der Zweifel und Dramen so vieler Menschen in Schwierigkeiten; geringe Glaubwürdigkeit vieler "Männer der Kirche"; Mangel an katholischen Bildungsstätten für Laien; auf nationaler und gesamteuropäischer Ebene mangelhafte Organisation der katholischen Presse und anderer Agenturen, die christliche Kulturprojekte erstellen und verbreiten.

22. Es ist nicht schwer, aus diesen verschiedenen beschriebenen Phänomenen, das heißt aus den Faktoren, die die derzeitige Lage Europas bestimmen und erklären, einen wachsenden Bruch zwischen privatem Gewissen und öffentlichen Werten zu erkennen. Aber man muß betonten, daß dieser Bruch eine logische Folge bestimmter Haltungen und Kulturrichtungen ist. Wenn das demokratische Leben mit Werteneutralität verbunden wird, kann jede Entscheidung als private Option des Handelnden betrachtet werden, abgesehen von den mit ihr verknüpften Auswirkungen für die Gesellschaft. In dieser Situation kann sich die Kluft zwischen Werten des Einzelnen und sozialem Leben nur vergrößern mit dem Ergebnis, daß die Gesellschaft immer unfähiger wird, die vielen von weiten Teilen erhobenen Ansprüche in Bezug auf den Sinn des Lebens zu erfülen.

In diesem kulturellen Klima gedeihen und verbreiten sich Atheismus, Agnostizismus und religiöse Gleichgültigkeit. Auch das eigene religiöse Bekenntnis gerät in Gefahr, immer mehr eine private Entscheidung zu werden. So breitet sich ein Konsumverhalten gegenüber der religiösen Praxis aus. Die ethisch-religiöse Wahl bildet nicht mehr den grundlegenden Bezugspunkt für alle weiteren Optionen, sondern ist eine von vielen, die dazu beitragen, die Persönlichkeit des Einzelnen zu bestimmen.

Die Ursache davon ist ein falsches Verständnis von Freiheit, die als Selbstbestimmung des Einzelnen begriffen und gelebt und nicht auf transzendente und feststehende Werte hingeordnet wird. Daraus erwachsen Mentalitäten und Haltungen, die von vielen Seiten als ethischer Relativismus, individualistischer Subjektivismus und nihilistischer Hedonismus eingestuft werden. Deshalb wird das Problem der Ausübung der Freiheit in der Beziehung zwischen Wahrheit, persönlichem Gewissen und ziviler Gesetzgebung immer drängender. Denn die Freiheit gründet auf der konstitutiven Würde der menschlichen Person als Ausdruck der Tatsache, daß jeder Mensch Kind Gottes ist. Ausübung der Freiheit impliziert Verantwortlichkeit des Menschen und schließt die Fragen der Wahrheit mit ein, die ihr Fundament ist, und des Gemeinwohls, das das Ziel der sozialen Ausübung der Freiheit ist.

Insgesamt ist festzustellen, daß am Ende dieses Jahrhunderts tiefgreifende und entscheidende Veränderungen zu erkennen sind, die einen sich erschöpfenden Antrieb der Modernität anzeigen. Aber der Ausgang dieses Entwicklungsprozesses ist nicht klar. Gegensätzliche und widersprüchliche Tendenzen treten zutage, die eine aufmerksame und eingehende Lektüre erfordern. Anderseits kann das Überwinden der Modernität nur mit Komplexität und Unsicherheit einhergehen.Wenn aus gewissen Gründen die Sendung der Kirche in diesem Kontext schwieriger und weniger an traditionelle Sicherheiten gebunden erscheint, bietet anderseits der Wandel in den europäischen Ländern der Kirche neue Entwicklungsmöglichkeiten für eine wirksame und tiefgreifende Evangelisierung.

Die zentrale Rolle der "Glaubensfrage"

23. Außer Zweifel steht - wie der Papst sagte (21) -, daß durch die Ereignisse von 1989 in Europa eine große Hoffnung auf Freiheit, auf Verantwortlichkeit, auf Solidarität und Spiritualität geweckt wurde. Aber diese große Hoffnung will heute erneuert und gefestigt werden, denn in den vergangenen Jahren sind neue Gefahren aufgetaucht, die den heutigen Europäern keineswegs Grund zur Hoffnung geben. "Nach dem Zusammenbruch der ideologischen Konstruktion des Marxismus-Leninismus ist in den ehemals kommunistischen Ländern nicht nur ein Orientierungsverlust zu beobachten, sondern auch eine weit verbreitete Anhänglichkeit an individualistische und egoistische Ordnungen, wie sie im Westen praktiziert wurden und werden. Solche Ordnungen können dem Menschen letztlich keinen Sinn des Lebens vermitteln und keine Hoffnung geben. Allenfalls können sie ihn momentan mit dem zufriedenstellen, was er als individuelle Erfüllung begreift. In einer Welt, in der nichts mehr wirklich wichtig ist, in der man tun kann, was man will, besteht die Gefahr, daß Prinzipien, Wahrheiten und Werte, die in Jahrhunderten mühsam erworben wurden, auf die Müllhalde eines übertriebenen Liberalismus gekippt werden".(22)

Es ist auch nicht schwer festzustellen - wie bereits gesagt -, daß in dem erwähnten und beschriebenen Kontext eine Grundfrage immer wiederkehrt, die den Begriff der menschlichen Person und ihrer Freiheit betrifft. In gewisser Weise wird der personalistische Humanismus in Frage gestellt, der die europäische Geschichte und Erfahrung geprägt hat.

Daher in dieser historischen Stunde Europas die große Bedeutung der "ethischen Frage".

Aber zugleich wurzelt diese Frage in der "religiösen Frage", wie man feststellen kann, wenn man die beiden entgegengesetzten Freiheitsbegriffe erwägt, die in Europa heute geläufig sind. Der eine gründet auf dem Gehorsam gegenüber Gott und wird als "Quelle der wahren Freiheit" betrachtet, "der Freiheit, die niemals willkürlich und ohne Ziel und Zweck ist, sondern Freiheit für das Wahre und Gute", und der andere Freiheitsbegriff, der "die Unterordnung der Kreatur unter Gott oder eine transzendente Ordnung der Wahrheit und des Guten ausschließt und den Menschen allein als Prinzip und Zweck aller Dinge betrachtet".(23)

24. Daraus folgt letztlich die Zentralität und Tragweite der "Frage des Gaubens" an Jesus. Das bekräftigte auch Johannes Paul II. während seiner ersten Reise nach Slowenien, als er darauf hinwies, daß in Europa "sich einerseits die von den Ideologien zurückgelassene Leere bemerkbar macht und andererseits ein bedeutsames Wiedererwachen der Erinnerung an die eigenen Wurzeln und an die Reichtümer vergangener Zeiten sich seinen Weg bahnt. Dies ist die Stunde der Wahrheit für Europa. Die Mauern sind zusammengebrochen, die Eisernen Vorhänge existieren nicht mehr; aber die Herausforderung im Hinblick auf den Sinn des Lebens und den Wert der Freiheit stellt sich im Innersten von Verstand und von Gewissen deutlicher denn je. Und wie könnte man übersehen, daß das Fragen nach Gott im Mittelpunkt dieses Problems steht? Entweder versteht sich der Mensch als Geschöpf Gottes, von dem er die Freiheit erhält, die ihm riesige Möglichkeiten eröffnet, aber auch sehr genaue Pflichten auferlegt, oder er erhebt sich selbst zum absoluten Wesen, mit einer Freiheit ausgestattet, die vollkommen gesetzlos ist und sich deshalb jeder Art von Trieb hingibt und sich in Hedonismus und Narzißmus verschließt." Und der Papst sagte abschließend: "Das gegenwärtige Klima der Angst und Mutlosigkeit, was den Sinn des Lebens anbelangt, und die offensichtliche Verwirrung der europäischen Kultur fordern uns auf, die Beziehungen zwischen Christentum und Kultur, zwischen Glaube und Vernunft neu zu sehen. Ein neuer Dialog zwischen Kultur und Christentum wird sowohl der einen als auch dem anderen dienen, und den größten Nutzen wird der Mensch daraus ziehen, der sich nach einem Leben in größerer Wahrheit und Fülle sehnt".(24)

Nicht vergessen darf man, betont der Papst, daß "die Begegnung des Glaubens mit den verschiedenen Kulturen ein Erfordernis der Suche nach Wahrheit ist. Sie 'hat tatsächlich eine neue Wirklichkeit ins Leben gerufen. Wenn die Kulturen tief im Humanen verwurzelt sind, tragen sie das Zeugnis der typischen Öffnung des Menschen für das Universale und für die Transzendenz in sich" (Enzyklika Fides et ratio, 70). Auf diese Weise werden die Menschen eine Hilfe und eine Stütze bei der Suche nach der Wahrheit finden und durch das Geschenk der Gnade dem begegnen, der ihr Schöpfer und Erlöser ist".(25)

Abschließend darf man in gewisser Weise das auf Europa beziehen, was Johannes Paul II. über Italien gesagt hat: Europa, "das ein herausragendes und in gewissem Sinn einmaliges Glaubenserbe besitzt, wird seit langem und auch ganz besonders heute von Kulturströmungen geschüttelt, die das Fundament dieses christlichen Erbes in Gefahr bringen: den Glauben an die Menschwerdung und an die Erlösung, die Besonderheit des Christentums, die Gewißheit, daß Gott durch seinen Sohn Jesus Christus aus Liebe gekommen ist, um den Menschen zu suchen (vgl. Tertio millennio adveniente, 6-7). Anstelle dieser Gewißheiten ist in vielen Menschen ein unbestimmtes für das Leben wenig verpflichtendes religiöses Gefühl oder verschiedene Formen von Agnostizismus und praktischem Atheismus getreten, die alle in einer persönlichen und sozialen Lebensführung münden, 'etsi Deus non daretur', als ob Gott nicht existierte".(26)

Daraus ergibt sich für die Synode und die europäischen Kirchen die Notwendigkeit und Dringlichkeit, nach der Wahrhaftigkeit und Lebenskraft des christlichen Glaubens der europäischen Gläubigen zu fragen und ihnen zu helfen, diesen Glauben wiederzufinden und zu leben. Das alles in der Überzeugung, daß die Wahrhaftigkeit des Glaubens die persönliche Begegnung und Gemeinschaft mit Jesus Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes, und die Annahme der gesamten Wahrheit des Evangeliums erfordert. Ihre Lebenskraft geht auf einen Glauben zurück, der zum Urteils- und Entscheidungskriterium wird, indem er eine Mentalität und sittliche Lebensweise erweckt und stützt, die dem Wort und Gesetz Gottes entsprechen.


Zweiter Teil

Jesus Christus lebt in seiner Kirche

als Stütze der Wahrhaftigkeit und Lebenskraft des Glaubens

25. Nachdem die beiden Jünger von Emmaus Jesus die Gründe ihrer Traurigkeit und ihrer enttäuschten Hoffnung dargelegt hatten, "sagte er zu ihnen: Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. Mußte nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen? Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht" (Lk 24, 25-27). Jesus selbst verkündet also den Jüngern seine Auferstehung und führt sie zum Glauben. Auf die Propheten zurückgreifend, die ihm vorausgegangen waren, erklärt er den Plan der herrlichen und geheimnisvollen Liebe Gottes: Leiden und Tod widersprechen der Erlösungstat des Messias nicht, sondern sind der von Gott gewählte Weg, um den Menschen seine "Herrlichkeit", das heißt seine Liebe, die erlöst und rettet, mitzuteilen. Und auf Grund dieser Botschaft - die die ganze Geschichte des ersten Bundes durchzieht und ihre endgültige und unumkehrbare Besiegelung darin findet, daß sie den Herrn am Brotbrechen erkennen - brennt ihr Herz, und sie schöpfen neue Hoffnung.

Die Erzählung über die Begegnung auf dem Weg nach Emmaus erweist sich für uns als eine lange Katechese mit dem Ziel, die Jünger zum Glauben an die Auferstehung des gestorbenen Jesus Christus zu führen. Als getreuer Widerschein der Lehre der Urkirche bleibt dieser Text auch für die Kirche von heute und für ihre Pastoralarbeit beispielhaft. Diese besteht in einem geduldigen, beständigen, zähen und mutigen Zeugnisgeben und Verkündigen, das den Glauben an den vom Tod auferstandenen Jesus Christus als Quelle und Stütze der festen und dauerhaften Hoffnung weckt und wachsen läßt. Wie der Apostel Paulus schreibt, "wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen" (1 Kor 15, 19).

Der Glaube an den Auferstandenen, der die Herrlichkeit Gottes offenbart

26. Auch die Kirche ist gesandt, in der Geschichte Christus, den Auferstandenen, zu verkündigen. Wie in Europa gestern, heute und für alle Zeiten und allerorts ist die Kirche nicht gesandt, sich selbst, sondern Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, zu verkündigen.

Das tut sie seit ihren Anfängen, wie aus der ersten Predigt des Petrus am Pfingsttag zu ersehen ist: "Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wißt - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt; denn es war unmöglich, daß er vom Tod festgehalten wurde [...] Mit Gewißheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Messias gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt" (Apg 2, 22-24.36). Mit diesen Worten von Petrus verkündet die Kirche der Anfänge wie die Kirche aller Zeiten mit Sicherheit, daß Jesus Christus lebt, in unserer Zeit wirkt und das Leben umwandelt.

Das tut sie zu allen Zeiten, denn "die Auferstehung Christi ist die Wahrheit, in der unser Glauben an Christus gipfelt; die christliche Urgemeinde glaubt und lebt sie als zentrale Wahrheit, die Überlieferung gibt sie als grundlegend weiter, die Dokumente des Neuen Testamentes weisen sie nach; zugleich mit dem Kreuz wird sie als wesentlicher Teil des Pascha-Mysteriums verkündet. 'Christus ist von den Toten auferstanden. Durch seinen Tod hat er den Tod besiegt, den Toten das Leben gegeben' (Byzantinische Liturgie, Troparion von Ostern)".(27)

Das war auch die klare Absicht des II. Vatikanischen Konzils, und die Synode will sie sich zu eigen machen: "Christus, unseren Anfang, Christus, unseren Weg und unseren Führer! Christus, unsere Hoffnung und unser Ende"(28) er Kirche zu verkündigen und der Welt bekanntzumachen.

Nicht zu vergessen ist, daß im gestorbenen und auferandenen Christus die Herrlichkeit Gottes in Fülle offenbar geworden ist. Jesus ist die Hoffnung des Menschen, Europas und der Welt, denn er ist der einzige und universale Weg, der zum Vater führt (vgl. Joh 14, 6-7), dem Fundament und endgültigen Lebensziel jedes Menschen und jeder Wirklichkeit, und zwischen ihm und dem Vater besteht eine erhabene gegenseitige Immanenz (vgl. Joh 14, 10), er und der Vater sind eins (vgl. Joh 10, 30) , er ist Gott.

27. Und gerade durch diesen Glauben und die Begegnung mit dem Auferstandenen kann die Kirche, können die Menschen von heute wie die Jünger von Emmaus auf die Geschichte zurückgreifen, die Schriften lesen und schon im Teil des Alten Bundes die Zeichen, die Gestalten, die Spuren der Gegenwart Christi entdecken, eine vorweggenommene Darstellung dessen, was im Gekreuzigten und Auferstandenen volle Wirklichkeit werden sollte.

Das tat auch Petrus am Pfingsttag, als er mit dem Hinweis auf die Ereignisse aus dem Leben Christi, die dazu geführt hatten, ihn als Messias und Herrn zu bekennen, das Zeugnis der Schriften hervorhob, weil er in ihnen einen genau auf Jesus ausgerichteten Plan erkannt hatte (vgl. Apg 2, 17-21.25-28.34-35). Das tat Paulus, als er im Rückblick auf die Geschichte Israels und besonders auf das Ereignis des Wassers, das bei Massa und Meriba aus dem Felsen herauskam (vgl. Ex 17, 1-7; Num 20, 1-11), bekräftigte: "alle tranken den gleichen gottgeschenkten Trank; denn sie tranken aus dem lebensspendenden Felsen, der mit ihnen zog. Und dieser Fels war Christus" (1 Kor 10, 4).

So können und sollen auch wir die Schriftseiten wieder lesen und in ihnen Zeichen, Ereignisse und Worte finden, die die "Gestalt" Christi und seiner Gegenwart sind. Auf diese Weise werden wir auch die Zeiten der Schwierigkeiten, der Ermüdung und Prüfungen überstehen, ohne die Hoffnung zu verlieren, denn wir haben die Gewißheit, daß der Herr auch heute gegenwärtig ist und sein Volk in allen Ereignissen der Geschichte führt - wie er damals beim Auszug aus Ägypten die Israeliten in der Wüste nicht allein gelassen hat, sondern "vor ihnen her(zog), bei Tag in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen, bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten. So konnten sie Tag und Nacht unterwegs sein (Ex 13, 21). Ebenso können wir auch mit dem Propheten Zefanja sprechen: "Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich, und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! [...] Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu fürchten [...] Fürchte dich nicht, Zion! Laß die Hände nicht sinken! Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, er erneuert seine Liebe zu dir, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag" (3, 14-18), denn wir wissen, daß diese Bekräftigungen in Christus, dem Auferstandenen, ihre endgültige Vollendung gefunden haben.

Durch diesen Glauben an den auferstandenen Herrn und die Begegnung mit ihm, der lebt und gegenwärtig ist, dürfen und sollen wir mit neuen Augen auf die Geschichte der Menschen und der Welt schauen - und damit auch auf die vergangenen und jetzigen Ereignisse in Europa. So entdecken wir in den Ereignissen und Personen einen Bezug auf Christus und darauf, daß er der "Gott mit uns" ist.

Das Verlangen nach Jesus Christus

28. Geführt und erleuchtet durch die neuen Augen des Glaubens, die uns in Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, die zentrale Mitte der Geschichte und das Herz der Welt erkennen lassen, fällt es uns nicht schwer festzustellen, daß der Prozeß der Säkularisierung oder besser gesagt der Entchristlichung in unserem Europa, der manchmal ganz dramatisch zu einer Art verbreitetem Neuheidentum führt, noch nicht beendet ist, obwohl eine neue starke Nachfrage nach Spiritualität und Religiosität sich auszubreiten scheint. Denn diese kann nicht sofort als christlich bezeichnet werden, schon wegen ihrer Wurzel im Eklektizismus oder Relativismus, der es sehr erschwert, in Jesus Christus den einzigen Erlöser zu erkennen. Es ist eine Nachfrage, die zum guten Teil mit dieser sozialen und kulturellen Entwicklung verbunden ist und wohl auch eine Reaktion auf diese darstellt.

Aber wir dürfen nicht verkennen, daß "die Suche nach religiösem Erleben, wenn auch in einer Vielfalt von nicht immer kohärenten Formen, die oft weit fort vom wahren christlichen Glauben führen, ganz Europa heute vor die Herausforderung stellt, sich neu für Gott zu entscheiden".(29)

Wir leben also nicht in einer Zeit, in der es einfach das Alte zu bewahren gilt, sondern in einer Zeit, in der von neuem und vor allem Jesus Christus verkündigt werden soll, der lebt in seiner Kirche und der die einzige wahre unversiegbare Quelle der Hoffnung ist.

In diese Richtung zielten die Schlußerklärungen der ersten Sonderversammlung der Bischofssynode für Europa. Denn aus ihr ging das klare Bewußtsein hervor, daß sich die Kirche nicht darauf beschränken kann, einfache und allgemeine Trägerin von Zivilisation zu sein, auch wenn es sich um eine ursprüngliche humane Zivilisation handelt. Aufgabe der Kirche ist vielmehr, das Evangelium in seiner Gesamtheit und gemäß seiner genauen Inhalte zu verkündigen und dem Menschen von heute zu helfen, gemäß den Regeln der Seligpreisungen in einer personalen Beziehung und Gemeinschaft mit Jesus Christus zu leben. In diesem Sinn wurde bekräftigt, daß "Europa heute nicht einfach auf sein vergangenes christliches Erbe zurückgreifen darf. Es muß in die Lage versetzt werden, seine Zukunft in der Begegnung mit der Person und der Botschaft Jesu Christi neu zu bestimmen".(30) Es handelte und handelt sich also darum, die Begegnung des europäischen Menschen mit der lebendigen Person Jesu zu begünstigen, eine Begegnung, die Gefolgschaft ermöglicht, sie hervorruft und unterstützt. Deshalb die Notwendigkeit, den Kernpunkt des Evangeliums zu betonen und somit einen lebendigen Gott zu verkündigen, der mit uns ist und sich uns in einer Erfahrung von Gemeinschaft mitteilt, die bereits begonnen hat und die den Ausblick und die sichere Hoffnung auf das ewige Leben schenkt in der Überzeugung, daß, "wenn die Kirche diesen Gott verkündigt, sie nicht von einem unbekannten Gott spricht, sondern von dem Gott, der uns so sehr geliebt hat, daß sein Sohn für uns Fleisch geworden ist. Es ist der Gott, der sich uns naht, der sich uns mitteilt, der einer von uns wird, der wahre "Immanuel" (vgl. Mt 1, 23)".(31) Daraus ergibt sich auch die Notwendigkeit, alle aus dem Evangelium zu ziehenden Folgerungen zu verkündigen, besonders die, die den Menschen, sein Dasein, seine Wahrheit betreffen, in dem Bewußtsein, daß "die Sache Gottes in keiner Weise der Sache des Menschen entgegengestellt ist. Es sind vielmehr die rein irdischen Verheißungen, die - wie es die jüngste Geschichte lehrt - die Menschen am Ende in die totalitäre Knechtschaft stürzen".(32)

Jetzt, acht Jahre später, geht es darum, den zurückgelegten Weg zu prüfen und ihn mit noch größerer Entschlossenheit und Bestimmtheit weiterzugehen. Wegweiser sind uns die Worte Johannes Pauls II.: "Wenn es in Europa zu einer neuen Begegnung mit dem Evangelium Jesu Christi kommen soll, ist zuallererst ein geistiger Aufbruch, eine neue Entschiedenheit und Freudigkeit des Glaubens unter Christen nötig. Nur so können sie 'Zeugnis von unserer Hoffnung geben'; nur so wird der Glaube wieder schöpferische geistige und kulturelle Kraft werden".(33)

Zu diesem Zweck will die Synode vor allem den wahren Glauben an Jesus Christus, unsern Herrn, den Auferstandenen, den einzigen Erlöser, der lebt und gegenwärtig ist in seiner Kirche, erneut vorstellen. An der Schwelle zum dritten Jahrtausend - und in den Fußstapfen des II. Vatikanischen Konzils, das der Heilige Vater als ein Ereignis bezeichnete, "durch das die Kirche die unmittelbarere Vorbereitung auf das Jubiläum des Jahres 2000 in Gang gesetzt hat"(34) will die Synode den Kirchen in Europa zu einer neuen, vollen Aufmersamkeit verhelfen für "die vielfältige und einmalige, feste und anregende, geheimnisvolle und klare, bedrängende und beseligende Beziehung zwischen uns und Jesus, zwischen dieser heiligen und lebendigen Kirche, die wir sind, und Christus, von dem wir kommen, für den wir leben und zu dem wir unterwegs sind".(35) Die Synode möchte also wie schon das Konzil Jesus Christus, unsern Herrn, bekennen und lobpreisen, "das menschgewordene Wort, den Gottessohn und den Menschensohn, den Erlöser der Welt, das heißt die Hoffnung der Menschheit, und ihren höchsten Lehrer, den Hirten, das Brot des Lebens, unseren Hohenpriester und unser Opfer, den einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen, den Erlöser der Welt, den König der ewigen Herrlichkeit, der kommen wird".(36)

Jesus Christus, der Auferstandene, einziger Erlöser

29. Es geht darum, mit Nachdruck und Überzeugung zu bekräftigen, daß Christus für uns notwendig ist. Er ist notwendig für unser Heil und auch für die volle Verwirklichung der menschlichen Werte.

Die Kirchen Europas sind heute aufgefordert, im festen und überzeugten Glauben mit Paul VI. zu wiederholen, daß "Christus für uns notwendig ist, ohne ihn geht es nicht. Ohne ihn kann man nicht leben".(37) "Christus ist unser Erlöser. Christus ist unser höchster Wohltäter. Christus ist unser Befreier. Christus ist für uns notwendig, damit wir in der zeitlichen Ordnung würdige und wahre Menschen und in der übernatürlichen Ordnung erlöste und erhöhte Menschen sein können".(38)

Wie Johannes Paul II. gegenüber den Europäern betont hat, will die Synode verkünden, daß Jesus Christus Herr der Geschichte ist, Inhalt und Wesenskern der Heilsbotschaft, der Weg, die Wahrheit und das Leben (vgl. Joh 14, 6), die einzige gültige Hoffnung für alle Generationen, der Ausgangspunkt der Neuevangelisierung. Er ist unser Ostern. In ihm, durch sein Kreuz und seine Auferstehung, hat Gott mit dem Menschen einen neuen und ewigen Bund für alle Zeiten geschlossen. Er ist das Geheimnis der Lebenskraft Europas. Jesus Christus ist, heute und in Ewigkeit, Quelle der Hoffnung, denn in ihm haben sich die göttlichen Verheißungen voll verwirklicht. Er offenbart uns ohne Furcht vor Widerruf, daß unser Gott ein treuer Gott ist, der seine Verheißungen erfüllt und verwirklicht.

Jesus Christus ist vor allem derjenige, der den Menschen von jeder Knechtschaft befreit. Er ist der einzige, der die ununterdrückbare menschliche Sehnsucht nach Freiheit vollständig stillen kann. Er ist die einzige endgültige Antwort auf alle Fragen nach dem Sinn des Lebens und auf die verborgensten Rätsel, die auch heute viele suchende Menschen in Europa bedrängen, denn nur in ihm findet die tiefste Sehnsucht des Menschen eine volle, angemessene Antwort. Wie Johannes Paul II. kürzlich bekräftigte, will die Synode Christus als den verkündigen, "der dem Menschen den Menschen in seiner Fülle als Kind Gottes, in seiner unveräußerlichen personalen Würde, in seiner Verstandesfähigkeit, die Wahrheit zu erkennen, und in seiner Willenskraft, das Gute zu tun, kundmacht".(39) Das stimmt überdies voll mit dem west- und osteuropäischen Humanismus überein, obwohl "im Lauf der Zeit, insbesondere der sogenannten modernen Zeit, Christus als Urheber des europäischen Geistes, als Urheber dieser Freiheit, die in ihm ihre erlösende Wurzel hat, in Klammern gesetzt wurde [...] und eine andere europäische Mentalität sich zu formen begann, eine Mentalität, die man kurz mit dem Satz bezeichnen kann: 'Denken wir so, leben wir so, als ob Gott nicht existierte'".(40)

30. Es gibt dann noch einen anderen Aspekt, den die Synode im Zusammenhang mit dem derzeitigen immer spürbareren religiösen Pluralismus in Europa bekennen will: Die Einzigartigkeit und Universalität Christi, des Erlösers, und damit die absolute Unvergleichlichkeit des Christentums mit anderen Religionen. Entsprechend der Konzilslehre und des jüngeren Lehramtes(41) geht es darum, den eigenen Glauben zu erneuern und zu verkündigen, daß Jesus der einzige und eingesetzte Mittler des Heils für die gesamte Menschheit ist. Nur in ihm finden die Menschheit, die Geschichte und der Kosmos ihre endgültige positive Sinngebung und volle Verwirklichung. Er birgt in seinem Ereignis und in seiner Person die Gründe der absoluten Heilsendgültigkeit. "In keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen" (Apg 4, 12). Von dieser klaren Bekräftigung des Petrus erleuchtet, fühlen wir uns mit Johannes Paul II. an der Schwelle des Großen Jubiläums des Jahres 2000 gedrängt, "die Wahrheit über Christus als einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen und einzigen Erlöser der Welt (zu) erläutern und (zu) vertiefen", indem wir ihn "klar von den Stiftern anderer großer Religionen unterscheide(n), in denen auch Wahrheitselemente zu finden sind, welche die Kirche mit aufrichtiger Achtung betrachtet".(42)

Jesus Christus ist in der Kirche gegenwärtig

31. Auch in den schwierigsten Situationen, wenn die Hoffnung schwindet und der Glaube wankt, ist Jesus gegenwärtig: Er verläßt seine Kirche nicht, sondern wird ihr Wegbegleiter. Er ist wie der Weggefährte, der auf dem Weg der Kirche durch die Zeit seine geliebte Braut nie verläßt, sondern ihr zuvorkommt und sie begleitet mit einer Zärtlichkeit, die die absolute Unentgeltlichkeit seiner Liebe bezeugt.

Das lehrt uns erneut die Begegnung mit den beiden Jüngern von Emmaus: "Jesus (kam) hinzu und ging mit ihnen. Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, so daß sie ihn nicht erkannten" (Lk 24, 15-16). Auch unerkannt ist Jesus gegenwärtig, kreuzt ihren Weg, ist ihr fürsorglicher Weggefährte und Führer. Augustinus schreibt darüber: "Er ging mit ihnen wie ein Weggefährte, ja, er war es, der sie anführte. Sie sahen ihn, aber sie konnten ihn nicht erkennen. Sie waren - wie wir gehört haben - wie mit Blindheit geschlagen und konnten ihn nicht erkennen. Sie waren wie mit Blindheit geschlagen, nicht weil sie ihn nicht sahen, sondern weil sie ihn nicht erkannten".(43)

Das hat der Glaube der Kirche immer bekannt und bekennt es weiterhin. Denn Jesus, zum Himmel aufgestiegen und verherrlicht, bleibt bei seiner Kirche auf Erden: "Als seine sichtbare Gegenwart den Jüngern genommen wurde, ließ Jesus sie nicht als Waisen zurück. Er versprach, bei ihnen zu bleiben bis zum Ende der Zeiten, und sandte ihnen seinen Geist. In gewissem Sinne wurde die Gemeinschaft mit Jesus dadurch noch vertieft: 'Indem er nämlich seinen Geist mitteilte, hat er seine Brüder, die er aus allen Völkern zusammenrief, in geheimnisvoller Weise gleichsam zu seinem Leib gemacht'(Lumen gentium, 7)".(44) Jesus handelt weiterhin durch das mächtige Eingreifen des Heiligen Geistes, der das ständige und treue "Gedächtnis" dessen ist, was Jesus gesagt und getan hat (vgl. Joh 14, 26), und der Tag für Tag im Kommen ist, um Jesus Christus in der Kirche und in den Jüngern nachzubilden und sie so zum lebendigen Leib Christi zu formen.

32. Unterschiedlich und vielfältig sind - wie das Konzil lehrt - die Weisen der Gegenwart unseres Herrn Jesus: "Christus (ist) seiner Kirche immerdar gegenwärtig, besonders in den liturgischen Handlungen. Gegenwärtig ist er im Opfer der Messe sowohl in der Person dessen, der den priesterlichen Dienst vollzieht [...] wie vor allem unter den eucharistischen Gestalten. Gegenwärtig ist er mit seiner Kraft in den Sakramenten [...] Gegenwärtig ist er in seinem Wort, da er selbst spricht, wenn die heiligen Schriften in der Kirche gelesen werden. Gegenwärtig ist er schließlich, wenn die Kirche betet und singt, er, der versprochen hat: 'Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen' (Mt 18, 20)".(45) Er ist auch "gegenwärtig in seiner Kirche, die die Werke der Barmherzigkeit übt, nicht nur, weil wir, wenn wir etwas für einen seiner geringsten Brüder tun, es für Christus tun (vgl. Mt 25, 40), sondern auch weil Christus selbst diese Werke durch seine Kirche tut, indem er den Menschen immer mit göttlicher Liebe zu Hilfe kommt. Er ist seiner pilgernden Kirche gegenwärtig, die sich nach dem Hafen des ewigen Lebens sehnt, weil er durch den Glauben in unseren Herzen wohnt (vgl. Eph 3, 17) und in sie die Liebe durch das Wirken des Heiligen Geistes, der uns gegeben ist, eingießt".(46) Er ist gegenwärtig "in den Armen, den Kranken, den Gefangenen (vgl. Mt 25, 31-46), in seinen Sakramenten, deren Urheber er ist".(47) Eine andere besondere Gegenwart des Herrn ist auch in einzelnen Personen wahrzunehmen, die in besonders enger Gemeinschaft mit ihm leben. "Im Leben derer, die, zwar Schicksalsgenossen unserer Menschlichkeit, dennoch vollkommener dem Bilde Christi gleichgestaltet werden (vgl. 2 Kor 3, 18), zeigt Gott den Menschen in lebendiger Weise seine Gegenwart und sein Antlitz. In ihnen redet er selbst zu uns, gibt er uns ein Zeichen seines Reiches".(48) Auf derselben Linie ist Jesus in den Familien, in den Gruppen, in den Bewegungen und in den Pfarrgemeinden gegenwärtig, überall dort, wo ein Mensch die Liebe lebt und das neue Gebot der Liebe verwirklicht (vgl. Joh 15, 1-17). Seine Gegenwart manifestiert sich in der Konkretheit einer christlichen Gemeinschaft, die in der Liebe lebt, eines Herzens und einer Seele ist und sich die Haltungen der apostolischen Kirche zu eigen macht (vgl. Apg 2, 42-48; 4, 32-35).

Jesus Christus ist in der Kirche, seinem Leib, so sehr gegenwärtig, daß das Wirken der Kirche Teilhabe an der Sendung Jesu ist. Alles, was die Kirche "hat" und "ist", ist Frucht der schenkenden Liebe Christi. Sie "erwächst" nicht nur aus der Liebe und dem Geschenk Christi, der sie geliebt und sich für sie hingegeben hat (vgl. Eph 5, 25), sondern "ist" die in der Geschichte sichtbar und wirksam gewordene Liebe und Hingabe. Wie Christus das "Sakrament" der Liebe des Vaters ist, so ist die Kirche das "Sakrament" der Liebe Christi. darum existiert sie. Darum ist sie von Christus in die Welt gesandt. Daraus folgt, daß die Kirche, obwohl in verschiedenen Formen und mit Schwächen und Unvollkommenheiten behaftet, den Herrn repräsentiert, an seiner Heilssendung teilhat und von der Kraft seines Geistes beseelt und gestützt wird. Ambrosius schreibt, daß "die Kirche nicht im eigenen Licht, sondern im Glanz Christi erstrahlt".(49) Sie ist sein lebendiges Sakrament.

"Gewißsind wir uns sehr wohl unserer Grenzen bewußt, aber ebenso mächtig ist unsere Gewißheit über seine Gegenwart und sein ständiges Heilswirken".(50) Das ist das Glaubensbekenntnis, das die Synode rückhaltlos verkündigen will. Aber es ist auch ein Beweggrund zur Gewissensprüfung, die die Synode in unseren Kirchen begünstigen will.

Die Kirche als "Geheimnis" und "Gemeinschaft"

33. Die Verkündigung der Gegenwart Jesu in seiner Kirche führt dazu, die Kirche in ihren Dimensionen von "Geheimnis" und "Gemeinschaft" zu betrachten.

Vom "Geheimnis" der Kirche sprechen heißt, ihre sakramentale Natur zu bekräftigen, bzw. ihre Verwurzelung im Geheimnis Christi, auf dem sie gründet, hervorzuheben. Sie ist Geschenk Gottes, manifestiert in Jesus Christus und mitgeteilt durch den Heiligen Geist, der ihr zuvorkommt und sie belebt. Das durch das Wort verkündete und in den Sakramenten verwirklichte Ostergeheimnis Christi ist die Quelle ihrer Existenz und Sendung. "Als Sakrament ist die Kirche Werkzeug Christi. Die Kirche ist in den Händen Christi 'Werkzeug der Erlösung aller' (Lumen gentium, 9), 'allumfassendes Sakrament des Heiles' (Lumen gentium,48), durch das Christus die 'Liebe Gottes zum Menschen zugleich offenbart und verwirklicht' (Gaudium et spes, 45,1). Sie ist 'das sichtbare Projekt der Liebe Gottes zur Menschheit' (Paul VI., Ansprache vom 22. Juni 1973). Diese Liebe will, 'daß das ganze Menschengeschlecht ein einziges Volk Gottes bilde, in den einen Leib Christi zusammenwachse und zu dem einen Tempel des Heiligen Geistes aufgebaut werde' (Ad gentes, 7)".(51)

Von der Kirche als "Gemeinschaft" sprechen heißt vor allem, zu bekräftigen, daß die Kirche nicht nur "um Christus" versammelt, sondern "in ihm", in seinem Leib geeint ist.(52) Christus und die Kirche bilden somit den 'ganzen Christus' [...] Die Kirche ist der Leib, dessen Haupt Christus ist. Sie lebt aus ihm, in ihm und für ihn; er lebt mit ihr und in ihr".(53) Mit dieser Gewißheit dürfen und sollen wir ein Wort der hl. Jeanne d'Arc an ihre Richter wiederholen: "Von Jesus und der Kirche denke ich, daß alles eins ist und daß man daraus kein Problem machen soll." Zusammengefaßt heißt das Bezugnahme auf die "communio", die auf der Gemeinschaft mit Gott im Heiligen Geist durch Jesus Christus gründet und in der kirchlichen Gemeinschaft Wirklichkeit geworden ist, welche wiederum auf die Gemeinschaft der ganzen Menschheit ausgerichtet ist.

34. Angesichts dieser wenn auch zwischen Ost- und Westeuropa verschieden akzentuierten Ausblicke erscheint die Auffassung, die man heute in Europa von der Kirche als "Geheimnis" hat, sehr unterschiedlich und spiegelt das bunte Bild des heutigen Christentums wider.

Auch wenn sie im allgemeinen eine Minderheit ausmachen, begreifen diejenigen, deren Leben deutlich auf Gemeinschaft ausgerichtet ist und die auf verschiedene Weise die Last des kirchlichen Lebens in Form von Mitarbeit und Mitverantwortung tragen, die Kirche als Geheimnis, Gemeinschaft und Sendung, wie sie - ausgehend von einigen in den Dokumenten des II. Vatikanischen Konzils wiedergegebenen Ansätzen - in den Synodenversammlungen und päpstlichen Weisungen noch deutlicher beschrieben worden ist. Dazu gehören viele Gemeinschaften des geweihten Lebens, die verschiedenen in der Seelsorge wirkenden Männer und Frauen sowie die Mitglieder der kirchlichen Vereinigungen und Bewegungen.

Ein Großteil der Menschen, auch der Christen teilt hingegen die heute in der öffentlichen auch kirchlichen Meinung vorherrschende Sicht der Kirche, wonach sie allgemein als hierarchisch gegliederte Institution gesehen wird, die sich durch ihre Lehraussagen besonders im moralischen Bereich den Bestrebungen derer widersetzt, die für sich und für die anderen weite Freiheitsräume beanspruchen und sich nicht von oben sagen lassen, was sie tun und wie sie sich verhalten sollen. In vielen Fällen wird dann die Kirche als Institution und kulturelle, caritative und humanitäre Einrichtung und damit als eine Art Angebot vielfältiger "Dienstleistungen" verstanden, die als solche auch hochzuschätzen und zu nutzen sind. Zu den Beweggründen dieser Mentalität scheinen zu zählen: die von den Medien verbreitete Darstellung der Kirche; die schwere Erblast der individualistischen Philosophie der vergangenen Jahrhunderte; ein geringe Betonung des mystischen Wesenszuges der Kirche in Predigt und Lehre; seitens der kirchlichen Vertreter eine Praxis, die oft nicht auf Gemeinschaft ausgerichtet und nicht genügend auf gegenseitigem Respekt und offenem Hören der Meinungen anderer gründet. Diese verbreitete Mentalität scheint besonders mit dem besorgniserregenden Verlust der Sicht der Kirche als sakramentale Wirklichkeit zusammenzuhängen und hat auf viele Bereiche negative Auswirkungen. So ist die Verringerung der Priesterweihen in vielen europäischen Ländern auf diese veränderte Kirchensicht zurückzuführen, die das Priesteramt nicht mehr als einen sakramentalen Lebensstand, sondern nur als eine möglicherweise austauschbare Rolle des strukturellen Aufbaus der Kirche versteht. Damit verbunden ist ein verringertes Bewußtsein der Gegenwart Jesu Christi mit seinem Geist im Leben der Kirche. Von daher die Notwendigkeit, das Verständnis von Kirche als Geheimnis, Gemeinschaft und Sendung durch die Verkändigung des Evangeliums, durch Katechese und Seelsorge zu vermitteln und zu vertiefen.

Außerdem gibt es kleine Gruppen nostalgischer Katholiken, die auf verschiedenen Ebenen in den Ortskirchen Spannungen hervorrufen können.

Betrachtet man die Kirche als "Gemeinschaft", werden unter den konkreten Ausdrucksformen dieser Wirklichkeit normalerweise aufgezählt: der Gottesdienst, das Gebet, die Schriftlesung, das sakramentale Leben und die Wallfahrten. Hervorzuheben ist hier die immer größere Rolle, die einige Gemeinschaften und Gruppen mit christlicher Spiritualität spielen, abgesehen von der Bedeutung der Pfarrgemeinde als ursprünglichen "Raum gelebter Gemeinschaft".


Dritter Teil

Jesus Christus Hoffnung für Europa

Für eine Kirche, die das "Evangelium der Hoffnung"

durch die Verkündigung, den Gottesdienst

und den Dienst am Nächsten verbreitet

Aus der Begegnung mit Jesus geht die Sendung hervor

35. Nachdem die beiden Jünger den auferstandenen und lebendigen Christus erkannt hatten, konnten sie meinen, ihr Weg sei in Emmaus zu Ende und Jesus bleibe bei ihnen. Aber gerade als "ihnen die Augen aufgingen und sie ihn erkannten, sahen sie ihn nicht mehr" (vgl. Lk 24, 31). Weder das tröstliche Verständnis der Schrift noch die freudige Erfahrung der Eucharistie waren das Ziel ihres Weges. Es war Jerusalem, die Stadt Gottes, der Ort des wahren menschlichen Zusammenlebens, die ideale Stadt, das Symbol jedes menschlich-geschichtlichen Ereignisses und der endgültig von der Herrlichkeit Gottes erfüllten Stadt (vgl. Offb 21, 10). Das heißt, daß das Erkennen Jesu als Auferstandenen, der in seiner Kirche lebt und gegenwärtig ist, notwendigerweise "Sendung" wird, die in der konkreten Geschichte bis zur endgültigen Vollendung in der Wiederkunft des Herrn gelebt wird.

Deshalb "brachen sie noch in derselben Stunde auf und kehrten nach Jerusalem zurück, und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt" (Lk 24, 33). Hier spielt man auf eine wesentliche Dimension der Sendung an: Sie kann nur in Gemeinschaft und um das Wort und die Eucharistie und um die Apostel und ihre Nachfolger versammelt gelebt werden. Ja, wir können sagen, daß die Sendung ein Anspruch ist, der der Gemeinschaft innewohnt, der Gemeinschaft mit Jesus, aus der die Gemeinschaft der Christen untereinander erwächst: "Communio und Sendung sind zutiefst miteinander verbunden, sie durchdringen und bedingen einander, so daß die communio zugleich Quelle und Frucht der Sendung ist: die communio ist missionarisch und die Sendung gilt der communio".(54)

In Jerusalem angekommen, hörten die beiden Jünger die Nachricht: "Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen" (Lk 24, 34), und "da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach" (Lk 24, 35). Wir werden also auf den Kerninhalt der gesamten Sendung der Kirche, der Verkündigung, des Gottesdienstes und des Dienstes am Nächsten, hingewiesen: Die Botschaft, daß der auferstandene und lebendige Christus der einzige Erlöser aller Menschen ist, muß heute und für alle Zeiten in den einzelnen Kirchen, unter den verschiedenen Kirchen und allerorts in der Welt verkündigt werden. Das will die Synode anregen und bewirken in der Überzeugung, daß wir das, was wir unentgeltlich von Gott durch die lebendige Tradition unserer Väter im Laufe der Evangelisierung ganz Europas empfangen und was wir durch das Hören des Wortes und die Feier der Sakramente aufgenommen haben, unsererseits dem Europäer von heute und allen, zu denen der Herr uns sendet, unentgeltlich anbieten müssen. Die Freude, die der Auferstandene uns spüren läßt, indem er uns die Schriften erklärt und das Brot für uns bricht, drängt uns und alle unsere Kirchen, "von Emmaus aufzubrechen", um den anderen Menschen diesen Lebensvollsinn zu vermitteln, der uns geschenkt wurde und nach dem sie sich in ihrem Innersten sehnen, auch wenn sie gleichgültig sind oder ihn scheinbar ablehnen.

36. Das ist die dringende Aufgabe, vor die die Kirchen Europas gestellt sind. Auch für sie wie für alle Kirchen in der Welt gelten die verantwortungsschweren Worte Johannes Pauls II.: "Indem sie sich an der Pädagogik der Menschwerdung inspiriert, ist die christliche Gemeinschaft aufgerufen, mit Christus an der Seite des Menschen von heute zu gehen, ihn in der schwierigen Wahrheitssuche zu stützen und ihn die Gegenwart des Erlösers irgendwie dort deutlich zu machen, wo er sein tägliches Leben lebt, das mit unsicheren Zukunftaussichten, mit Ungerechtigkeit, Orientierungslosigkeit und manchmal Verzweiflung verbunden ist. Im Vertrauen auf die Gegenwart des Herrn, werden die Christen durch Hören, durch den Dialog, den Dienst am Wort und den Sakramenten ihre Zeitgenossen von der Mutlosigkeit zum freudigen Zeugnis für den auferstandenen Christus führen können".(55)

Angesichts dieser Ausblicke, die die missionarische Dimension des Geheimnisses der Kirche betreffen, ist in unseren Kirchen eine gewisse Trägheit festzustellen. Der Sendungsauftrag ist gemäß einer Pastoral der "Bewahrung" oft zum Lebensalltag und zur kirchlichen Praxis zusammengeschrumpft. Man hat große Mühe, "aus sich herauszugehen" und eine verstärkte und erneuerte Pastoral in Gang zu bringen (eine Mühe, die zumindest in einigen kirchlichen Gemeinschaften der ehemals kommunistischen Länder scheinbar auf das Klima zurückzuführen ist, das durch Angst, Mißtrauen, Abhängigkeit und mangelnde Kreativität jahrzehntelang vom damals herrschenden Regime auferlegt wurde). Selbst die "Mission ad gentes", die zwar auf Grund der oft heroischen Präsenz der ersten Missionare der eigenen Kirchen hochgeschätzt wird, hat Schwierigkeiten durch den Räckgang der Berufungen, der zum Teil darauf zurückzuführen ist, daß die Kirchen in ihren Bedürfnissen verhaftet sind.

Aber weit davon entfernt, zu entmutigen und zu hemmen, wird dieser Zustand ein weiterer Ansporn, zu einer Sendung zu befähigen, die dem Europa von heute neue Hoffnung gibt.

Europa neue Hoffnung geben

37. Die Synode will verkündigen, daß die Hoffnung Europas das Kreuz Christi ist, das "Zeichen der versöhnenden, Leid und Tod überwindenden Liebe Gottes zu uns Menschen, Verheißung der Brüderlichkeit aller Menschen und Völker, göttliche Kraftquelle für die beginnende Erneuerung der ganzen Schöpfung",(56) und daß die Hoffnung ein festes Fundament hat, wenn wir versuchen, dem Willen Gottes durch eine "persönliche Glaubensbereitschaft" zu entsprechen.(57)

Dabei stützt und leitet uns die Gewißheit, daß "Christus, der Herr, der Weg ist; er heilt unsere inneren und äußeren Wunden, stellt in uns das göttliche Bild wieder her, das wir durch die Sünde verdunkelt haben";(58) des weiteren die Gewißheit, daß die christlichen Wurzeln Europas, wenn sie wiederentdeckt und wiederbelebt werden, in allen lebendige Hoffnung und neue Dynamik wecken können, die zur Überwindung der gegenwärtiggen Schwierigkeiten beitragen und eine geistige und menschliche Weiterentwicklung für die Zukunft sicherstellen.(59)

Heute, an der Schwelle des neuen Jahrtausends, ist es notwendig, diese Überzeugungen zu hegen, um Europa neue Hoffnung anzubieten. Tatsächlich wird sich "die Heilige Tür des Jahres 2000 für eine Gesellschaft öffnen, die der Erleuchtung durch das Licht Christi bedarf. Das 'alte Europa' hat das Geschenk des Evangeliums empfangen, ruft aber jetzt nach einer neuen christlichen Verkündigung, die den Menschen und Völkern hilft, die Freiheit mit der Wahrheit zu verbinden, und die geistigen und ethischen Fundamente für die wirtschaftliche und politische Vereinigung des Kontinents sicherstellt".(60)

Es besteht kein Zweifel, daß sich auch die soziale Erneuerung Europas nur auf den auferstandenen Christus stützen kann und daß die Kirchen mit ihren Hirten zu dieser Erneuerung beitragen können, indem sie sich um Christus scharen, ihr Vertrauen auf ihn setzen und ihre apostolischen und missionarischen Pläne auf ihn und einzig auf ihn gründen, der unter uns bis zum Ende der Zeiten gegenwärtig ist und lebt.(61) Trotz aller Probleme und Schwierigkeiten darf ebensowenig die Zuversicht schwinden, daß - wie der Papst trotz pessimistischer Stimmen wiederholt bekräftigt - "unmittelbar vor Anbruch des 3. Jahrtausends der Erlösung Gott dabei ist, einen großen christlichen Frühling zu bereiten, dessen Morgenröte man schon ahnend erkennen kann (Redemptoris missio, 86)".(62)

38. Wenn wir unter diesem Gesichtspunkt auf die Wirklichkeit unserer Kirchen schauen und ihre Ansicht über sie selbst hören, bringen sie die Überzeugung zum Ausdruck, daß Jesus Christus, der in seiner Kirche lebt, weiterhin Quelle der Hoffnung für Europa ist. Aber zugleich wird hervorgehoben, daß das gewiß nicht automatisch geschieht, sondern in dem Maß, in dem sich die Kirchen heute mit ihren vielfältigen Gliederungen konkret bemühen, die von Jesus von Nazaret in seiner geschichtlichen Existenz angewandte Evangelisierung neu zu leben und zu verwirklichen: d. h. seine Menschlichkeit und Demut, seine Beziehung als Sohn zum Vater des Lebens, sein Gefühl, vom Geist gesalbt und in die Welt gesandt zu sein; sein tätiges Mitleid mit den Armen, seine vielen Gesten der Befreiung von so vielen Formen der Unterdrückung; die Gesten, Gesundheit, Leben und Freude zu schenken; seine Wahrheitsliebe, sein Zeugnis vom Reich der Gerechtigkeit und des Friedens bis zum totalen Selbstopfer.

Zusammenfassend ist die Notwendigkeit zu unterstreichen, dem Leben des europäischen Menschen von heute einen Sinn zu geben und gewisse Voraussetzungen zu schaffen, damit die Person Jesu als Hoffnung für Europa dargestellt werden kann. Das heißt, in der Treue zum Herrn und seiner Auferstehung die Quelle und Stütze der eigenen Hoffnung zu erkennen; die Notwendigkeit, in verständlicher, aber auch anregender Weise die Person Christi und die christlichen Werte vorzustellen; die Personen und Kulturen für das Übernatürliche zu sensibilisieren; die Erfahrung der heilsamen Kraft des göttlichen Erbarmens anzubieten; den Glauben in Wort und Tat und in einer Sprache zu verkündigen, die insbesondere vom heutigen jungen Menschen verstanden wird; das Zeugnis einer Gemeinschaft in Vielfalt auch im sozialen Bereich in besonderen Fällen anzubieten.

Im einzelnen kann der Beitrag der Kirche zum Wachstum der Hoffnung in Europa so beschrieben werden: Die Spiritualität kann eine Antwort auf die Leere und Frustration der Konsumgesellschaft sein. Der Sinn für Gemeinschaft kann die Schranken der Voreingenommenheit und der Nationalismen durchbrechen sowie den drohenden Zerfall der Gesellschaft aufhalten. Das missionarische Zeugnis ist Ausdruck der Sorge um das Wohl des Einzelnen, damit er den Sinn seines Lebens findet.

Im Grund handelt es sich darum, vor allem in der Zeit des Pluralismus von heute zu glauben und zu verkündigen, daß die Dreifaltigkeit Ursprung und Quelle des Lebens des ganzen Menschen und für alle Menschen ist und daß in der Offenbarung der Dreifaltigkeit die Würde aller Menschen als Kinder Gottes des Vaters wurzelt, die zur Teilhabe berufen sind und dazu, mit dem Heiligen Geist eine Liebesgemeinschaft aufzubauen.

Es handelt sich darum, eine Kirche zu sein, die in Treue zu den im Credo aufgezählten theologischen Eigenschaften - Einheit, Heiligkeit, Katholizität, Apostolizität - fähig ist, Zeugnis abzulegen durch einen wahrhaften Glauben, durch brüderliche Liebe, durch ein Leben gemäß den Seligpreisungen, deren Modell Jesus ist; durch ein menschliches, einfaches Leben; durch die Vergebung in brüderlicher Gemeinschaft; durch die Bereitschaft, mit den Menschen guten Willens zum Wohl aller und besonders der Notleidenden wirksam zusammenzuarbeiten.

In einer solchen Kirche können die Gläubigen, vereint mit dem Vater und gesalbt im Geist der Wahrheit, Hoffnung vermitteln, indem sie das Leben Jesu nachleben, das heißt mit ihm zum Haus des Vaters pilgern. So kann in ihnen seine Menschlichkeit und Einfachheit durchscheinen, sie können außer der Befreiung und Freude Mitleid und Vergebung schenken, Gerechtigkeit und Frieden stiften und privat und in der Liturgie ein Gebetsleben als persönliche Begegnung mit dem Herrn führen.

39. Es gibt aber auch von manchen Seiten den Einwand, daß die Verbindung zwischen Jesus Christus, der Kirche und der Hoffnung im konkreten Geflecht vieler Gemeinschaften nicht so deutlich hervortritt. Erkennbar sind in manchen Kirchen verschiedentlich anzutreffende Haltungen und Verhaltensweisen, die die Hoffnung verdunkeln. Darunter sind zu nennen: die Versuchung zu weltlicher Macht und dazu, sich auf die Macht des Geldes und einer gut funktionierenden Einrichtung zu stützen; eine wenn auch latente neue Form von Klerikalismus; der unterschwellige Anreiz, beim Angebot stärkeren Druck auszuüben auf die Gefahr hin, das Gewissen zu manipulieren und eine Evangelisierungstätigkeit zu verhindern; die Gefahr, bei der Ausübung vieler caritativer und pflegerischer Dienste verfeinerten Formen von Paternalismus nachzugeben.

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit zur Gewissenprüfung; die Notwendigkeit, einer neuen Anstrengung zur "Umkehr" Raum zu geben zu dem Zweck, die mehr oder weniger tiefe Kluft zwischen einem nur mit den Lippen verkündeten Evangelium und einem in der Tat gelebten Evangelium zu verringern; die Dringlichkeit, in den einzelnen Kirchen zu Arm und Reich, aber auch zu den außereuropäischen Kirchen Beziehungen wahrer Solidarität durch eine echte Öffnung zur Welt aufzubauen.

Es wird auch unterstrichen, daß, um Hoffnung zu vermitteln, es notwendig ist, die christliche Bildung der freien Berufe, der Politiker und der verschiedenen Vertreter des öffentlichen Lebens zu fördern; durch die Medien eine öffentliche Meinung zu bilden, die sich an den christlichen Werten inspiriert; zum Sinn für Europa und zur Weltweite als Glaubensanspruch heranzubilden.

Aber vor allem gibt es einige Grundvoraussetzungen, damit unsere Kirchen Hoffnungsträger für das Europa von heute sein können. Es sind Bedingungen, die das Antlitz der Kirche und ihre Seins- und Lebensweise betreffen. Auf sie will die Synode die Aufmerksamkeit lenken und die Gewissensprüfung konzentrieren.

Eine Kirche, die die Gegenwart und das Handeln Christi und seines Geistes erkennt und annimmt

40. Die Hoffnung erlahmt und schwindet, wenn die Gewißheit erlahmt und schwindet, daß in den Ereignissen des persönlichen, familiären, sozialen und kirchlichen Lebens der Herr und sein Geist gegenwärtig sind, dagegen die Überzeugung überhand nimmt, daß alles dem Zufall überlassen und ohne Sinn ist.

Wenn das, wie es scheint, ein charakteristischer Zug der schweren derzeitigen Krise ist, dann ist die unerläßliche Aufgabe der Kirche, zu glauben und zu bezeugen, daß Jesus Christus und das Geschenk seines Geistes auch heute in der Geschichte präsent sind. Es handelt sich also darum, die Überzeugung zu stärken, daß der Geist Christi präsent ist und handelt, daß er uns zuvorkommt, daß er mehr als wir und besser als wir handelt. Er führt wirklich unsichtbar und oft unscheinbar und verborgen seinen siegreichen Wettkampf. Er setzt in Zeit und Raum die Sendung Christi, unseres Herrn, fort und formt die Kirche zum Strom neuen Lebens, der die Menschheitsgeschichte als Zeichen der Hoffnung für alle durchfließt.

In ihrem Leben und in ihrer Sendung ist die Kirche deshalb gerufen zu glauben und zu bezeugen, daß der Heilige Geist imstande ist, die Spaltung und Zersplitterung zu überwinden, den Herzen Frieden zu geben und sie in der Freude der Gemeinschaft mit dem Vater und mit dem Sohn in ihm zu vereinigen; daß er die Seele der Einheit der Kirche ist und die christliche Gemeinschaft zum Zeichen, zum Werkzeug und zur Prophetie der Einheit der Welt macht. Es geht darum, zu glauben und damit zu bekennen, daß Jesus im Heiligen Geist heute die Herzen in Besitz nimmt, die sich ihm öffnen im Hören des Wortes und in der Teilhabe an den Sakramenten sowie allgemein in der Annahme des Geheimnisses des Lebens und des Todes und in der Erfahrung von Liebe, Solidarität und Gerechtigkeit. Es handelt sich darum, eine Kirche zu sein, die glaubt und durch ihren Lebensstil bezeugt, daß der Heilige Geist der Herr ist, der das Leben schenkt, weil er hier und jetzt den Lebendigen gegenwärtig macht über alle sozialen, rassischen, kulturellen und religiösen Schranken hinweg. Eine Kirche die glaubt und bezeugt, daß derselbe Heilige Geist im Herzen jedes Menschen, im Herzen der Städte und der Geschichte Europas und der Welt wirkt, um in ihnen heute wie gestern Personen und Gruppen zu erwecken, die Jesus ähnlich sind, die wie er denken und handeln, die als wahre Kinder Gottes leiden und wie er das Leben für die Brüder hingeben. Zeichen dieser Seins- und Lebensweise sind unter anderem die Fähigkeit realistischer Unterscheidung zwischen den positiven und negativen Glaubensbedingungen in unserer Zeit, ohne einem leeren Optimismus oder sterilem Pessimismus nachzugeben, und das Netz der Liebesbeziehungen wahrzunehmen und zu stützen, die der Heilige Geist auch heute in Europa knüpft und die ein Widerschein des Netzes der Liebesbeziehung der Heiligsten Dreifaltigkeit sind.

Geschieht das nicht, könnten auch unsere kirchlichen Gemeinschaften einer der stärksten und heimtückischsten Versuchungen erliegen, die eben darin besteht, die Gegenwart des Heiligen Geistes außer Acht zu lassen. Und das würde unweigerlich zu Müdigkeit, Enttäuschung, Bedeutungslosigkeit und reiner pastoralen Wiederholbarkeit führen. Es wäre das Zeichen für mangelndes Vertrauen, typisch für den, der meint, Gott habe uns allein gelassen in einer bösen Welt, gegen die man mit ungleichen Waffen kämpft, weil Gleichgültigkeit, Egoismus und die Abkehr von Gott nach und nach unweigerlich überhand nehmen. So würde die Kirche, anstatt Hoffnungsträger zu sein, zur Traurigkeit, die in Europa zu herrschen scheint, noch beitragen.

Zu den Zeichen und Gaben der Gegenwart und des Handelns des Heiligen Geistes in unserer Zeit, die zugleich wichtige Weisungen für unseren Weg sind, gehören das II. Vatikanische Konzil, der Katechismus der Katholischen Kirche, die Feier und die Anleitungen der Synode für Europa von 1991.(63) Heute ist es notwendig, diese drei großen Geschenke der Wegweisung gegenwärtig zu halten, die der Heilige Geist auf den Weg der Kirche gestellt hat, und sich zu fragen, inwieweit wir uns diese Geschenke zu eigen gemacht haben und uns von diesen Weisungen in den vergangenen Jahren haben leiten lassen; des weiteren nach den Ausblicken zu fragen, die diese geschenkten Wegweisungen für die Zukunft enthalten können.

Eine Kirche, in der Christus durchscheint und die ihm gleichgestaltet ist.

41. Wenn, wie gesagt, die Kirche ganz auf Christus bezogen ist, wenn sie Frucht seiner Liebe und vollen Hingabe ist (vgl. Eph 5, 25), und wenn diese Liebe in der Geschichte gegenwärtig und wirksam ist, ist es notwendig, daß ihre Pastoral nicht auf Menschenkraft gründet und vertraut, sondern auf der Gnade Gottes, auf seiner liebevollen und allmächtigen Vorsehung, auf den Kräften, die von Christus und von seinem Geist geschenkt werden. Die lebendige und lebenspendende Wurzel des Handelns der Kirche soll also in ihrer Gemeinschaft mit Christus, in der wachsenden Liebe zu ihm und in der Lebensvertrautheit mit ihm verhaftet sein.

Um klarer Widerschein Christi zu sein, muß die Kirche Christus, ihren Bräutigam, mit unermüdlicher Liebe betrachten. Ihn bitten, sein Wort hören, seine Gesten erwägen, sein Geheimnis aufnehmen und an seiner Gnade teilhaben sind die wesentlichen unauslöschlichen Voraussetzungen, um Christus, die Quelle der Zuversicht und Hoffnung, aufscheinen zu lassen.

Folglich ist die vorrangige Aufgabe, das Gesicht unserer Kirchen zu prüfen und es dem Antlitz Christi immer gleichförmigr zu machen. Denn wenn die Kirche ganz vom Wort des Herrn, aus dem sie hervorgeht, abhängig ist, müssen wir, wenn wir von ihr sprechen, uns bewußt sein, daß wir von Jesus sprechen, und wenn wir ihr Antlitz beschreiben, müssen wir uns auf das Antlitz Jesu beziehen, so daß die Kontemplation ihres Antlitzes sich in Handlungen, Strukturen und Regeln in der Freude und im Frieden des Heiligen Geistes umsetzt.

Wenn wir imstande sein wollen, Hoffnung zu bezeugen und zu verbreiten, müssen unsere Kirchen den Willen haben, Leib des in der Geschichte gekreuzigten Christus, die Neuerscheinung seines Antlitzes in der Zeit zu sein im Vertrauen auf die Gnade des Heiligen Geistes und auf das Erbarmen dessen, der die Verfehlungen vergibt, durch die wir täglich dieses heilige und gütige Antlitz verunstalten. Heute geht es vor allem darum, bei der Betrachtung des Schmerzensmannes, vor dem man gewöhnlich die Augen verschließt, zu begreifen, daß unser Antlitz sich von seinem nicht unterscheiden darf; daß unsere Schwachheit Kraft und Sieg bedeutet, wenn sie die Neuerscheinung des Geheimnisses der Schwachheit, der Demut und der Milde unseres Gottes ist. Diese kirchliche Mystik der "imitatio Christi" hat das Konzil inspiriert und kehrt am Anfang und in anderen Abschnitten der Konstitution über die Kirche wieder: "Christus ist das Licht", um "alle Menschen durch seine Herrlichkeit, die auf dem Antlitz der Kirche widerscheint, zu erleuchten".(64) Die Kirche wird "von der Kraft des auferstandenen Herrn gestärkt, um ihre Trübsale und Mühen, innere gleichermaßen wie äußere, durch Geduld und Liebe zu besiegen und sein Mysterium, wenn auch schattenhaft, so doch getreu in der Welt zu enthüllen".(65)

Darauf soll die Synode hinweisen, dazu soll sie Anstöße geben, und darüber soll sie eine mutige und heilsame Gewissenprüfung anregen.

42. In derselben Richtung soll man sich fragen, ob man in der Pastoralarbeit jenseits der notwendigen Planung und Programmierung nicht Gefahr läuft, ihren Erfolg an der Anzahl der Initiativen und der Beteiligten oder an den verfügbaren Mitteln und Kräften zu messen.

Um die Hoffnung zu erneuern und zu stärken, ist es notwendig, nicht der Versuchung zu übersteigertem Aktivismus nachzugeben, sondern in der Pastoral den Primat der Spiritualität um jeden Preis zu retten, vor allem durch ständige Zuhilfenahme des Gebets in der Gewißheit, daß "letzteres immer eine Art 'Bekenntnis' bedeutet, eine Anerkennung der Gegenwart Gottes in der Geschichte und seines Wirkens zum Wohl der Menschen und der Völker", und daß "das Gebet gleichzeitig eine engere Verbundenheit mit ihm und eine gegenseitige Annäherung unter den Menschen fördert".(66) Außerdem in der Überzeugung, daß es keine wahre soziale Erneuerung gibt, die nicht von der Kontemplation ausgeht: "Die Begegnung mit Gott im Gebet läßt in die Geschichte eine geheimnisvolle Kraft einfließen, die die Herzen rührt, sie zur Umkehr und zur Erneuerung bewegt und gerade dadurch auch eine gewaltige geschichtliche Umwälzung der sozialen Strukturen bewirkt".(67)

In dieser Sicht wird die Synode sehen müssen, ob die Kirchen in Europa Kirchen sind, die, bevor sie etwas "tun", Gott loben, sein absolutes Primat anerkennen und vor ihm in schweigender Anbetung stehen.

Anspruch und Verlangen nach Spiritualität müssen geprüft werden

43. In Bezug auf diese wesentlichen Bedingungen, die den Kirchen Europas erlauben, Träger der Freude und Hoffnung zu sein, wird von vielen Seiten festgestellt, daß trotz des umfassenden Säkularisierungsprozesses in Europa vor allem unter den Jugendlichen Zeichen des Verlangens und der Suche nach Spiritualität zu erkennen sind. Diese Suche zeigt sich manchmal ganz allgemein und vielfach "spontan", sie will verstanden und gesteuert werden, indem man auf die Grunddimensionen einer wahrhaft christlichen Spiritualität hinweist, die als persönliche Umkehr, als Erfahrung von Kirche, als Nachfolge des Herrn und Dienst an den Brüdern zu leben ist. Das Ideal der Selbstverwirklichung, begleitet von einem Klima des Individualismus, Subjektivismus, Pragmatismus und Hedonismus, kann einerseits eine Art Abbau der religösen Symbolwelt hervorrufen und die Krise der traditionellen religiösen Ausdrucksweise verstärken. Anderseits kann es zur Suche nach anderen religiösen Erfahrungen anregen, die dem Bedürfnis nach Aufnahme, nach mehr Wärme in den zwischenmenschlichen Beziehungen, nach persönlicher Belohnung, nach Unterstützung, nach Sicherheit abhelfen möchten. Auf dieser Linie und in der Sicht einer Suche nach eigener Identität, um im derzeitigen Zerfall der Gesellschaft nicht unterzugehen, sind der Erfolg neuer religiöser Ausdrucksformen und das Auftreten neuer religiöser außerkirchlicher Gruppen, paralleler Bekenntnisse, der "Sekten", neuer Integrierungsformen, des Zulaufs zu den fernöstlichen Religionen, des "New Age" und sogar der Hinwendung zu manchen Formen von Satanismus zu erklären.

Zusammenfassend könnte man sagen, daß die Auflistung des religiösen Verhaltens der Europäer und insbesondere der jungen Generationen Wesenszüge zeigen, die einerseits von der Auflösung des traditionellen Modells der Religiosität und dem Abbau der verschiedenen religiösen Bekenntnisse gekennzeichnet sind und andererseits ein wachsendes Verlangen nach religiösen Bezügen, nach Sicherheit und nach Spiritualität deutlich machen, die aber oftmals ganz allgemein und verschwommen, ohne unmittelbare Auswirkungen auf das ethische Verhalten und die persönlichen Entscheidungen bleiben.

Etwas günstiger vollzieht sich in vielen Gemeinschaften Ost- und Westeuropas der Übergang von einer traditionellen Religiosität zu einer persönlichen überzeugten religiösen Lebensform. Dieses Ziel - Frucht der freien Entscheidung und überzeugten Zugehörigkeit zur Kirche, die sich in fruchtbare Verhaltensweisen, in echte Spiritualität und in wirksamen apostolischen Einsatz umsetzen - scheint in vielen Ländern nur von kleineren oder größeren Minderheiten der Christen angestrebt zu werden, zu denen die Gemeinschaften des geweihten Lebens und die mit ihnen verbundenen Laienvereinigungen, die Mitglieder der kirchlichen Gruppen und Bewegungen und auch Einzelpersonen sowie Familien aus verschiedenen Pfarreien gezählt werden können.

44. Dennoch fehlt es nicht an besorgnisserregenden Zeichen, die in den christlichen Gemeinschaften zutage treten, z.B. das Nachlassen oder der Schwund des Gebets im privaten und Familienbereich; eine gewisse Erschlaffung des Sakramentes der Versöhnung; die Suche nach außerordentlichen und wunderbaren Ereignissen; die Flucht in esoterische Religionserfahrungen und Sekten.

Daraus folgt die Dringlichkeit und Notwendigkeit einer gründlichen Unterscheidung, die hilft, wachsam zu sein angesichts einer gefährlichen selektiven synkretistischen Spiritualität, die unter den verschiedenen "Sinnangeboten für das Leben" die der Person angemessenen Bruchstücke auswählt, aber weder bereit noch imstande ist, eine Glaubensüberzeugung konkret zu leben. Hervorzuheben ist besonders, daß in einer echten kirchlichen Spiritualität die verschiedenen Elemente und Wege sich keineswegs in schädliche Polarisierungen verwandeln, sondern sich integrieren und gegenseitig vervollkommnen sollen und daß es notwendig ist, unter ihnen die persönliche Dimension mit der gemeinschaftlichen Dimension zu verbinden, um die Spirtualität nicht zu einer allgemeinen Art von "Privatfrömmigkeit" zu machen.

Was schließlich die Wege betrifft, die zu einer gesunden christlichen Spiritualität hinführen, geht man oft von eifrigen kleinen charismatischen Gemeinschaften und Gebetsgruppen aus; man eröffnet neue Spiritualitätszentren und sorgt für das Aggiornamento der alten; man fördert Wallfahrten zu Heiligtümern und heiligen Stätten, wo ein intensives Gebetsleben gepflegt wird (besonders in Klöstern und Ordensgemeinschaften). Angeboten werden auch geistliche Einkehrtage für Ehepaare und Jugendliche sowie neue Arten des Katechumenats für Erwachsene, des weiteren neue Literatur, die Themen der Spiritualität behandelt und vertieft. Man bietet ein reicheres Gebetsleben in den Pfarreien an, indem man das Wort Gottes und das Nachdenken darüber, insbesondere durch die regelmäßige "lectio divina" in den Mittelpunkt stellt. Nicht zu vergessen ist auch wegen ihrer Bedeutung in ganz Europa eine rechte christlich ausgerichtete Marienverehrung und Volksfrömmigkeit.

Eine Kirche als wahrer Ort der Gemeinschaft

45. Damit die Kirche sich wirklich als lebendiger Leib Christi vorstellen kann, als glaubwürdiges Zeichen der Gegenwart des Vaters durch Christus, den Erlöser, in der Kraft des Heiligen Geistes, als Zufluß neuen Lebens zur Geschichte der Menschen, ist es notwendig, daß die Jünger Christi eins werden in der Liebe. Nur so sind sie der strahlende Widerschein der Dreifaltigkeit: "Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, daß du mich gesandt hast" (Joh 17, 21). Denn wenn die Eucharistie die höchste Gegenwart des auferstandenen Herrn ist, ist die dem Evangelium entsprechend gelebte gegenseitige Liebe der klarste Widerschein dieser Gegenwart, der stärkste Anruf, der zum Glauben führt.

Es stellt sich also die Frage, wie sich die christliche Gemeinschaft darstellen soll, damit sie das "Evangelium der Hoffnung" durch die Verkündigung, den Gottesdienst und den Dienst am Nächsten verbreitet.

Die Antwort kann nur in einem Modell brüderlicher und missionarischer Gemeinschaft gesucht werden, das in jeder einzelnen Kirche mit größerer Entschlossenheit und Kohärenz aufzubauen ist.

Dazu gehören ein Klima freundschaftlicher Beziehungen, der Kommunikation, des Dienstes, der Mitverantwortung und Teilhabe, des verstärkten missionarischen Bewußtseins, der Aufmerksamkeit für die verschiedenen Armutsformen.; eine Kultur der Gegenseitigkeit, wie sie aus den Briefen des Apostels Paulus hervorgeht: gegenseitige Achtung, einander annehmen und aufbauen, dienen und stützen, zurechtweisen und trösten (Vgl. z.B. Röm 12, 10, 15, 7.14; Gal 5, 13; 6, 2; Kol 3, 13; 1 Thess 5, 11); die vielfältigen Charismen, Berufungen und Verantwortlichkeiten, die so zu nutzen sind, daß sie der Einheit und der Gemeinschaft zugute kommen (vgl. 1 Kor 12); eine herzliche Zusammenarbeit unter den verschiedenen Vereinigungen der Gläubigen; eine Vielfalt von spirituell, theologisch und pastoral ausgebildeten seelsorglichen Mitarbeitern soll in affektiver und effektiver Gemeinschaft mit dem Bischof und dem Presbyterium für besondere kirchliche Angebote verantwortlich sein; eine Verstärkung der diözesanen und pfarrlichen Pastoralräte, verstanden als Zeichen und wirksame Mittel für das Wachstum der Gemeinschaft und die Förderung einer gemeinsamen missionarischen Tätigkeit; eine einheitliche, aufgegliederte kirchliche Pastoral; eine erzieherische und missionarische Pastoral am Ort, die offen ist für die universale Mission "ad gentes". Das sind die Wesenszüge einer lebendigen kirchlichen Gemeinschaft, die fähig ist, heute Glauben zu erwecken und zum Glauben hinzuführen.

Die Gemeinschaft in der Kirche muß geprüft werden

46. Im allgemeinen ist zu sagen, daß zwar bemerkenswerte Fortschritte in der Entwicklung einer Theologie der "koinonia" gemacht wurden, aber immer noch keine gemeinschaftliche Praxis in der Kirche gepflegt wird. Daher die Notwendigkeit, in einer offenen gegenseitigen Aussprache die Folgerungen der communio-Theologie zu vertiefen, die sich ergeben für die Beziehung zwischen der Kirche, die der universalen Gemeinschaft und den Teilkirchen vorsteht, für die Beziehung der Teilkirchen untereinander, für den Lebensalltag der Ortskirchen und insbesondere für die kirchlichen Entscheidungsmechanismen.

Unter den deutlichen und konkreten Zeichen, durch die die Gemeinschaft in den europäischen Kirchen zum Ausdruck kommt, werden normalerweise genannt: das Vereinsleben in den Gruppen und Bewegungen; der sich ausbreitende Freiwilligendienst; die zahllosen Initiativen der Solidarität für die Bedürftigen im eigenen Land und in den ärmeren Ländern, besonders in der südlichen Hemisphäre und im Orient.

Als Schwerpunkte der Einheit innerhalb der christlichen Gemeinschaft werden genannt: die Pfarrgemeinde als unumgänglicher grundlegender Ort der Gemeinschaft; die Gemeinschaft im Presbyterium und unter den verschiedenen Kommunitäten auch durch Neugliederung derselben (wie die sogenannten Pastoraleinheiten); die Zusammenarbeit unter den Kirchen in der Mission "ad gentes" sowohl bei der Verkündigung als auch durch konkrete Formen der Solidarität mit den ärmeren Kirchen, wie es zum Beispiel durch die "Partnerschaften" unter den Gemeinden geschieht.

47. Hervorzuheben ist, daß für eine rechte Sicht und Erfahrung der Kirche als wirkliche Gemeinschaft die Rolle der Pfarrei außerordentlich wichtig ist, das heißt als Wirklichkeit, in der man trotz all ihrer Schwächen den Wert der Gemeinschaft und Mitverantwortung greifbar und ausnahmslos erleben kann. Es geht darum, die Pfarrei als bevorzugten Ort der allgemeinen Pastoral zu verstehen und zu leben (in der der Glaube im Alltagsleben allen zugänglich gemacht wird), als Ort der pastoralen Mitverantwortung und missionarischen Dynamik. Denn die Pfarrgemeinde bleibt der Ort, "wo Gläubige mit unterschiedlicher Sensibilität sich in derselben Liturgie verständigen, wo die Katechese, die Bildung, die Vorbereitung auf die Sakramente, das Apostolat und die Hilfsdienste gemeinsam koordiniert werden".(68) Man betont, wie wichtig es sei, eine rechte Koordinierung und gute Integration innerhalb der Pfarrgemeinde und der verschiedenen kirchlichen Vereinigungen herzustellen. Denn unter diesen Bedingungen können letztere dem Sendungsauftrag einen wertvollen Impuls geben, zu einem reiferen geistlichen Leben beitragen, die Jugendlichen heranbilden, die apostolische Sorge in den verschiedenen Lebensbereichen teilen und die Aufnahme und den Dienst für die Notleidenden wirksamer und dauerhafter gestalten.(69)

Weil die Beziehungen zwischen den konkreten christlichen Gemeinschaften mehr oder weniger von Haltungen und Verhaltensweisen aufrichtiger Annahme oder einfacher Toleranz, gegenseitiger Distanzierung, polemischer Gegenüberstellung oder sogar Ablehnung gekennzeichnet sind, wird von manchen Seiten der gemeinschaftliche Wert all dieser Initiativen hervorgehoben, die auf pfarrlicher oder höherer Ebene Wege anbieten wollen, die besonders auf die Lebensbedingungen und wirklichen Lebenslagen der einzelnen Menschen achten.

48. Es fehlt auch nicht an Stimmen, die laut werden und fordern, die Frauenfrage in der Gesellschaft und Kirche anzugehen, wobei zu betonen ist, daß in den kirchlichen Gemeinschaften mehr oder weniger große und mutige Fortschritte gemacht wurden. Es sind aber noch einseitige Sichtweisen abzubauen in Bezug auf die Anerkennung der gleichen Würde und der gleichen Rechte und Pflichten der Männer und der Frauen in den Lebensbereichen von Familie und Gesellschaft und des besonderen Beitrags der christlichen Frauen zum Leben und zur Evangelisierungsarbeit der Kirche. Man muß ehrlich zugeben, daß vor allem in einigen Kirchen diesbezüglich noch ein weiter Weg zurückzulegen ist.

Ein weiterer Bereich, in dem - so heißt es - die Glaubwürdigkeit der Kirche als Förderin der Gemeinschaft auf eine harte Probe gestellt wird, ist ihre Haltung und ihr Verhalten gegenüber den Menschen in ungeordneten ehelichen Verhältnissen. Hier besteht die Aufgabe darin, die moralischen Werte in Treue zum Evangelium zu verkündigen und gleichzeitig Hilfe zu leisten.

Auch die Dringlichkeit und Bedeutung der Gemeinschaft zwischen den europäischen und außereuropäischen Kirchen werden unterstrichen, die durch Kontakte und einen wahren gegenseitigen "Austausch von Gaben" verwirklicht werden soll.

49. Besonders herausgestellt wird das Thema Beziehung und Zusammenarbeit zwischen Priestern und Laien. Hier sind sehr unterschiedliche, manchmal auch widersprüchliche Situationen anzutreffen, wobei aber eine gute Zusammenarbeit allgemein wünschenswert scheint. Sie soll - so heißt es - nicht nur den durch Priestermangel entstandenen Notsituationen abhelfen, sondern immer mehr auf der Überzeugung gründen, daß das Weiheamt und das gemeinsame Priestertum sich zwar dem Wesen und nicht bloß dem Grad nach unterscheiden, aber einander zugeordnet sind und vervollkommenen(70)

Unter denen, die mit Überzeugung und aktiv am Leben der kirchlichen Gemeinschaft teilhaben, auch dank so vieler Beiräte und Organismen pfarrlicher und übergeordneter Ebene, ist eine positive Entfaltung der Zusammenarbeit und oft auch der Mitverantwortung auf der Ebene anerkannter Gleichheit und unter Achtung der Rolle und Zuständigkeit jedes einzelnen festzustellen. Außer im Pfarrleben zeigt sich das auch im Bereich der neuen Bewegungen und in den Gemeinschaften des geweihten Lebens.

Dennoch gibt es weiterhin viele Situationen, in denen die Priester eine ziemlich dominierende und autoritäre Mentalität beibehalten, die die Reife der Laien und ihren Stand als erwachsene und verantwortliche Personen in vielen Lebensbereichen von Familie und Gesellschaft nicht genügend anerkennt; ebensowenig weiß eine solche Mentalität den wertvollen Beitrag zu schätzen, den sie der kirchlichen Gemeinschaft leisten können. Obwohl diese Situation sich nach und nach zu ändern scheint, ist man noch weit entfernt davon, in der gemeinsamen Sendung wirksam zusammenzuarbeiten.

Es mangelt auch nicht an Kirchen, in denen die Zusammenarbeit zwischen Priestern und Laien als vordringlich empfunden wird.

In Bezug auf Mittel- und Osteuropa stellt man einerseits fest, daß die Schwierigkeit, eine lebendige Zusammenarbeit zwischen Priestern und Laien festzulegen und zu formalisieren, manchmal auch darauf beruht, daß unter den kommunistischen Regimen jede Verantwortung und Initiative oft verboten und unterdrückt und deshalb weder begünstigt noch gestaltet wurde. Aber andererseits darf man nicht verschweigen, daß gerade während der Jahre der Diktatur nicht wenige Laien eine wirkliche, wenn auch verborgene und nach außen hin unansehnliche kirchliche Mitverantwortung getragen haben, die oft bis zum heroischen Zeugnis des Glaubens und der Liebe zur Kirche führte, das heißt die wesentlichen und wertvollen Voraussetzungen für eine verstärkte strukturelle Zusammenarbeit mit den Priestern bildete.

Was in jedem Fall und in den unterschiedlichsten Situationen der Laien notwendig ist, ist ein tiefer Mentalitätswandel, der von allen Beteiligten zu vollziehen ist und Zeit, Geduld und Formung erfordert.

50. Ein weiterer spezieller Aufgabenbereich der Gemeinschaft, der den Kirchen gestellt ist, ist der der Aufmerksamkeit und Sorge für die am Rand der christlichen Gemeinschaft Stehenden und insbesondere die "Fernstehenden", ohne letztere irgendwie moralisch beurteilen zu wollen.

Im allgemeinen wird betont, daß unter den Ausdrucksformen des gemeinschaftlichen Wesenszuges der Kirche vor allem die Beziehungen genannt werden, die man bei besonderen und vereinzelten Gelegenheiten anknüpft, wie bei der Vorbereitung und Feier des Sakramentenempfangs für die Kinder, bei der Eheschließung oder bei einem Begräbnis; in Zeiten der Lebenskrise; bei bestimmten liturgischen oder Volksfesten; im religiösen Tourismus oder bei Wallfahrten; bei der jährlichen Segnung der Familien und bei der Volksmissionen.

Es fehlen auch nicht die von einigen Kirchen geförderten Initiativen wie Gesprächsforen für Vertreter der Humanismen mit qualifizierten katholischen Sprechern; kulturelle Diskussionsrunden in Radio- und Fernsehsendungen; die Eingliederung des katholischen Denkens in die weltliche Presse und Gastbeiträge des Denkens weltlicher Autoren in der katholischen Presse; Dialogforen auf verschiedenen Ebenen.

Sehr geschätzt werden auch die Möglichkeiten, die sich der Pastoralarbeit in bestimmten Kategorien bieten, zum Beispiel die Militärseelsorge. Hervorzuheben ist sodann die Rolle der katholischen Schulen, die oft auch bei den der Kirche nicht besonders nahe Stehenden beliebt sind, sowie die des Religionsunterrichts in den staatlichen Schulen. Ein weiteres Angebot wird vom künstlerischen und kulturellen Erbe geliefert, das für die der Kirche fern Stehenden ein Bezugspunkt werden kann.

Nicht unterzubewerten, aber schwer wahrzunehmen ist das enge Netz der Beziehungen, die in der Familie, am Arbeitsplatz, im gesellschaftlichen Bereich, in der Freizeit zwischen sogenannten praktizierenden, aktiven, für Religion aufgeschlossenen Christen und den Gläubigen geknüpft werden, die jenem Teil des Christentums angehören, der der Kirche nur teilweise und schwankend gegenübersteht; Lebensbereiche, in denen mehr ein "gelebtes" als ein "verkündetes" Evangelium spontan und eindrucksvoll vermittelt wird.

Das "Evangelium der Hoffnung" verkündigen

Martyria

Eine "Mehr an Seele" für Europa

51. In einer Zeit wie der heutigen, die eine große geschichtliche Wende bedeutet, während Europa und die Welt neue Gestalt annehmen, wird der erneute Drang zu evangelisieren geweckt: "Heute fühlt sich die Kirche vom Meister angespornt, die Evangelisierungsarbeit 'nach innen' und 'nach außen' zu verstärken. Sie sieht sich unablässig als missionarische Kirche, die ausgesendet ist, den Samen des Wortes Gottes in das Terrain der heutigen Welt einzupflanzen".(71) Wenn das die Aufgabe der Kirche von heute ist, genügt sicher nicht ein Aufruf mit dem nostalgischen oder romantischen Hinweis auf das wenn auch sehr reiche europäische Erbe und auf seine Wurzeln und seine christliche Seele.

Denn hier zeigt sich unter anderem, daß nicht wenige meinen, man könne noch behaupten, Europa habe eine christliche Seele. Diese Behauptung wirft notwendigerweise ernste Fragen auf, wenn man die europäische Geschichte dieses Jahrhunderts mit ihren Dramen, Konflikten, Unterdrückungen des Menschen und den sie begleitenden Ideologien berücksichtigt und auf die verschiedenen teils negativen und teils problematischen kulturellen Phänomene schaut, die die heutige Situation in Europa kennzeichnen. Vielleicht wäre es besser zu sagen, daß immer noch tiefe christliche Wurzeln in der Geschichte und im Leben Europas festzustellen sind, und daß vor allem diese Wurzeln nicht unwiderbringlich vom Säkularisierungsprozeß geschädigt sind und daß ein großes Verlangen nach dem Heiligen und eine vielversprechende Rückkehr auf religiösgeartete Bezüge besteht. Nicht zu vergessen ist, daß das heutige Europa und noch mehr das zukünftige als eine weitgehend multikulturelle und multireligöse Wirklichkeit erscheint, in der die Präsenz des Islams neben einer weitverbreiteten religiösen Gleichgültigkeit wächst.

Es handelt sich also nicht darum - wie schon aus der ersten Sonderversammlung der Bischofssynode für Europa hervorging -, eine niemals vorhandene und noch weniger anzubietende Übereinstimmung zwischen Europa und dem Christentum vorauszusetzen. Denn zweifellos sind Europa und die europäische Kultur aus vielen Wurzeln erwachsen. Aber niemand kann leugnen, daß der christliche Glaube entscheidend und wesentlich zu den Grundlagen der europäischen Identität gehört. Das heißt, man kann bekräftigen, daß das Christentum Europa geformt hat, indem es ihm einige Grundwerte einprägte: den Glauben an einen transzendenten Gott, der aus Liebe in das Leben der Menschen eingetreten ist; den neuen und wichtigen Begriff der menschlichen Person und ihrer Würde, so daß man sagen kann, die ethische Mitte der menschlichen Person bildet den vorrangigen Bezug und das Unterscheidungsmerkmal der europäischen Identität; die Brüderlichkeit unter den Menschen als Prinzip solidarischen Zusammenlebens in der Unterschiedlichkeit der Menschen und der Völker.(72)

Es geht darum, durch Anerkennung und Neubelebung dieses wertvollen Erbes dem heute neu entstehenden Europa "ein Mehr an Seele" zu geben.

Das ist außerdem eine Forderung, die auch von den Verantwortlichen und aufmerksamen Beobachtern Europas erhoben wird.

Um das zu tun, hat die Kirche keine andere Kraft und keinen anderen Weg als den des Evangeliums. Daher wieder die Dringlichkeit und Bedeutung, die "Neuevangelisierung" zu entwickeln, von der Johannes Paul II. unermüdlich und mit besonderem Bezug auf Europa spricht. Sie beginnt sicher nicht von Grund auf, muß aber dennoch als vordringliche Aufgabe betrachtet werden. Sie muß sich erneut mit dem Fundament, das heißt mit Jesus Christus und dem Gott Jesu Christi befassen und folglich auch mit der transzendenten Dimension der menschlichen Person in der Überzeugung, daß deren ethische Mitte nicht mehr lange bestehen kann, wenn sie ihrer ontologischen Grundlage beraubt wird. Es genügt also nicht, Werte anzubieten, die als dem Evangelium entsprechend und humanistisch bezeichnet werden, wie Gerechtigkeit, Frieden, Freiheit. Nicht weil sie nicht wesentlich wären, sondern weil etwas Ursprünglicheres und Grundlegenderes auf dem Spiel steht.(73)

Die Neuevangelisierung

52. Wenn man heute - wie weitgehend zugegeben wird - eine gewisse übereinstimmende Meinung darüber antrifft, daß die Neuevangelisierung eine vorrangige Verpflichtung im Leben und Wirken der Kirche sei, muß man feststellen, daß sich das alles auf eine ständige verbale Wiederholung im Reden und Denken zu beschränken scheint, dem die Wirklichkeit nicht entspricht. Deshalb ist noch ein weiter Weg zurückzulegen bis zu dem Ziel, der Neuevangelisierung tatsächlich den ersten Platz in der ganzen pastoralen Tätigkeit der Kirche einzuräumen.

Es fehlt nicht an Hinweisen, daß die Neuevangelisierung nicht als vorrangige Verpflichtung betrachtet werde oder sogar auf Widerstand stoße auf Grund einer gewissen konservativen Mentalität oder eines gewissen Unverständnisses für die Wirklichkeit der Neuevangelisierung und deren Bedeutung.

Dabei wird empfohlen, die Wortformulierung zu überdenken, um zu sehen, ob nicht die Bezeichnung "neue Evangelisierung" geeigneter sei als "Neuevangelisierung", um herauszustellen, daß es sich nicht um die Verkündigung eines neuen Evangeliums gehe, sondern darum, den einzelnen Generationen das immerwährende Evangelium Jesus Christi, der lebt in seiner Kirche, in einem neuen Kontext, mit neuer Kraft und neuen Methoden und Mitteln anzubieten in der Überzeugung: "Jesus Christus ist derselbe gestern heute und in Ewigkeit" (Hebr 13, 8).

53. Wie bereits gesagt, ist das Hauptziel der Neuevangelisierung und ihr wesentlicher Inhalt, Jesus Christus als einzige Quelle des Heils für alle Menschen anzubieten. Die Methoden können verschieden sein: Jesus und der Glaube an ihn kann bei öffentlichen Anlässen und im freundschaftlichen und brüderlichen Dailog verkündet werden. Er kann konkret verkündet werden durch die Bewältigung persönlicher, familiärer und gemeinschaftlicher Lebenssituationen, die das Evangelium widerspiegeln und so andere zum Glauben an den Herrn hinführen. Wie das Licht auf dem Leuchter oder die Stadt auf dem Berg, gilt es Freude, Liebe und Hoffnung "auszustrahlen", damit viele unsere guten Werke sehen und den Vater im Himmel preisen (vgl. Mt 5, 16), so daß sie "angesteckt" und erobert werden , wenn sie die untadelige und von der Liebe inspirierte Lebensführung der Einzelnen, Gruppen und Gemeinschaften sehen (vgl. 1 Petr 3, 1-2), und als "Sauerteig" wirken, der umwandelt, belebt und von innen her jede kulturelle Ausdrucksform anregt. Das sind Methoden, die nicht immer klar voneinander zu trennen sind und oft ineinander übergehen. In jedem Fall bemühen sich alle, eine "Neuevangelisierung" in Gang zu setzen.

Daraus ergibt sich wiederum die Verpflichtung zur Evangelisierung, denn neu sind die Barrieren und Widerstände gegen die Kraft und die Wahrheit des Evangeliums. Der heutige Mensch neigt besonders dazu, auf die Wissenschaft und die Vernunft zu vertrauen, so daß er sie für die einzigen Faktoren hält, aus denen Sinn und Maßstäbe für das menschliche Leben erwachsen. Auf dieser Grundlage wird der Freiheit ein absoluter und unbestreitbarer Wert zugebilligt. Der Glaube wird als eine Schranke gegen die wissenschaftliche und technologische Macht und als eine unannehmbare Fessel für die Freiheit empfunden. Es handelt sich also darum, durch Wort und Zeugnis - wobei jede Flucht in Spiritualismus zu vermeiden ist -, die Vernünftigkeit des Glaubens aufzuzeigen und zu verstehen zu geben, daß Vernunft und Freiheit ohne das Licht des Glaubens nicht nur nicht die erhofften Resultate bringen, sondern sich in eine Gefahr für den Menschen und die Gesellschaft umkehren.

Die tragischen Ereignisse dieses Jahrhunderts sollen eine ständige Mahnung angesichts der wiederholten Verabsolutierungen der Rechte des Einzelnen oder der Ethnien darstellen. Die Botschaft und das Zeugnis des Evangeliums bilden die große Kraftquelle, die Europa die unerläßliche und oft zitierte Seele wiedergeben, die fähig ist, die Wirtschaft in den Dienst des Gemeinwohls zu stellen, die Politik zu einem Ort verantwortlicher und weitblickender Entscheidungen zu machen, das soziale Leben zum Raum für die Förderung der Institutionen von der Familie bis zu den Vereinigungen zu machen, die das lebendige Gewebe der neuen europäischen Gemeinschaft darstellen.

54. In vielen Fällen ist die Neuevangelisierung tatsächlich auf die Verkündigung der Person Jesu ausgerichtet, und das in zunehmendem Maß in der Predigt und Katechese. Es ist außerdem ein Erfordernis, das aus dem heutigen soziokulturellen Kontext erwächst, in dem die Gestalt Jesu eine große Anziehungskraft auf unsere Zeitgenossen und besonders auf die Jugendlichen ausübt und die persönliche Beziehung zu ihm als sehr wichtig und wertvoll erachtet wird. Es ist aber darauf zu achten, daß Jesus der Herr nicht nur als ethisches Muster oder als vorbildlicher Mensch dargestellt wird, sondern auch und vor allem als Sohn des lebendigen Gottes und als einziger und notwendiger Erlöser. Daher das Erfordernis einer systematischen Katechese, einer ständigen und rechten Bezugnahme auf das Wort Gottes und eines Neuaufschwungs des Ostergeheimnisses.

Schwieriger hingegen scheint in vielen Fällen zu sein, den Herrn Jesus, der "in unserer Kirche lebt", wahrzunehmen. Denn nicht wenige Christen spüren zwar, wie wichtig die Beziehung zu Jesus ist, halten aber die Beziehung zur Kirche keineswegs für ebenso wichtig. Das mag davon kommen, daß die konkrete Erfahrung von Kirche, die einige gemacht haben, nicht immer den Herrn durchscheinen läßt. Oft geht es darum - auch unter dem Einfluß der Medien -, daß die Kirche als am Rand der Gesellschaft stehende Wirklichkeit erscheint oder daß ihre Rolle oft auf die sozialen und caritativen Dienste beschränkt wird, während ihre Führungsrolle verschwiegen, ja sogar verneint oder belächelt wird.

Daraus ergibt sich für die Kirche - wie schon gesehen - die Notwendigkeit und Dringlichkeit, ihr Antlitz in Treue zu ihrem Herrn zu erneuern, wirklich Gemeinschaft des Glaubens und der Liebe zu sein und sich als solche darzustellen, die Begegnung der heutigen Menschen mit dem Auferstandenen zu begünstigen und zu unterstützen und authentischer Ort des Zeugnisses für das Evangelium nicht nur von einzelnen Gliedern, sondern als lebendige Gemeinschaft zu sein.

55. Besondere Aufmerksamkeit verdient dann die Beziehung zwischen Freiheit und Evangelisierung. Hier stimmt man in der Meinung überein, daß die neue Atmosphäre der Freiheit , die in allen europäischen Ländern zu spüren ist, gewiß einen vom Evangelium geprägten Wert darstellt, aber es gibt auch Anzeichen dafür, daß er nicht immer als solcher empfunden und gelebt wird. Zweifellos erlaubt er es, ein enges Netz von Beziehungen, von Kommunikation und Solidarität unter den Völkern, den Kulturen, den sozialen und politischen Systemen sowie unterschiedlichen religiösen Bekenntnissen zu knüpfen. Das ist ein wichtiger, sichtbarer Baustein der Neuevangelisierung Europas, das in der jüngsten Vergangenheit Schauplatz so vieler tiefer Spaltungen, schmerzlicher Konflikte und tragischer Kriege gewesen ist.

Einige bitten um Klarstellung, worin Freiheit wirklich besteht, weil der heute in Europa verbreitete Freiheitsbegriff auf eine neuliberale, individualistische und utilitaristische Sicht der Wirklichkeit zurückgeht und als solche das Werk der Evangelisierung nicht begünstigt, sondern eher behindert.

Zu berücksichtigen ist auch, daß das Christentum und damit besonders die Kirche oft als Hindernis und Feind der Freiheit betrachtet werden und man den Menschen und die Gesellschaften davon zu überzeugen versucht, daß Gott ein Hindernis auf dem Weg zur Freiheit sei. Hier ist es notwendig, das wahre Bild des Gottes Jesu Christi darzustellen, der kein Hindernis für die Freiheit, sondern Garant der wahren Freiheit ist. Zugleich ist es wichtig, daß die Kirche sich selbst darzustellen weiß mit der Bereitschaft, die Fragen und Probleme der Menschen anzunehmen und daß sie ihnen die Antwort des Evangeliums in der Wahrheit und Nächstenliebe anbietet in einer - wie betont wird - dem synodalen Prinzip entsprechenden Atmosphäre wahrhafter Brüderlichkeit innerhalb der Kirche und der einzelnen Bischofskonferenzen sowie zwischen den einzelnen Ortskirchen und regionalen oder universalen kirchlichen Instanzen.

56. Verschieden sind auch die Hindernisse und Schwierigkeiten, denen die Neuevangelisierung heute in Europa begegnet.

In vielen Ländern sind sie auf einige soziale und kulturelle Phänomene zurückzuführen, die da sind: die vielen Formen religiöser Gleichgültigkeit, eine Art undifferenzierter und skeptisch oder agnostisch gefärbter Pluralismus, der ethische Relativismus, das Gewicht eines schrankenlosen Liberalismus im Westen und sein wachsender Einfluß auf Osteuropa; eine verbreitete Abflachung auf materielle Interessen mit dem daraus folgenden Klima des praktischen Materialismus und individualisten Hedonismus; eine gewisse Oberflächlichkeit in den zwischenmenschlichen Beziehungen; der Indivualismus und die Uninteressiertheit angesichts aufkommender Notwendigkeiten und Anforderungen in vielen Bereichen des zivilen und sozialen Lebens; die wachsende verführerische Rolle der sozialen Kommunikationsmittel; ein gewisser sektiererischer Fundamentalismus und Fanatismus, der vor allem in einigen Ländern anzutreffen ist; ein gewisses Gefühl der Gewöhnung, das manchmal den befällt, der meint, das Evangelium schon genügend zu kennen.

Es gibt auch manche kirchliche Situationen, die gleichfalls die Evangelisierung erschweren. Darunter werden von vielen Seiten genannt: die Überalterung der in der Evangelisierung tätigen Personen, die Unwirksamkeit so vieler religiöser sprachlicher Ausdrucksweisen und die mangelnde Bewährtheit in der Ausübung der Autorität.

Besonders in den Kirchen und Gemeinschaften Westeuropas bietet die Überalterung des Klerus, der Angehörigen der Institute des geweihten Lebens und der im Pfarrleben aktiven Laien ein ziemlich veraltetes und wenig dynamisches Bild der Kirche, wodurch der Zufluß von Berufungen behindert und eine kreative Evangelisierungsarbeit erschwert werden.

Man spricht auch von der Unwirksamkeit und Unverständlichkeit der Sprache und der Aussagen des Lehramtes. In der Tat ist die in den offiziellen Texten der Kirche, in der Predigt und Katechese angewandte sprachliche Ausdrucksweise des Glaubens scheinbar weit entfernt von der allgemeinen menschlichen Erfahrung. Daher das Bedürfnis, eine neue Ausdrucksweise zu finden, in der man eindringlich und überzeugend vom heiligen und unerforschlichen Geheimnis Gottes spricht. Eine Sprache, die aus dem schweigenden Hören der Schriften und der Personen erwächst, indem man sich von ihren Problemen und ihren Sichtweisen in Frage stellen läßt. Nicht zu vergessen ist, daß die Krise der Bewährtheit in den Aussagen der Kirche auch darauf zurückzuführen ist, daß die Weisungen des Lehramtes als wiederholte Bekräftigungen im Bereich des Glaubens und der Moral wahrgenommen werden und daß es ihnen nicht gelingt, die Beweggründe überzeugend darzulegen und sich ernsthaft mit den verschiedenen Standpunkten und Begründungen auseinanderzusetzen.

57. Entscheidend für die Evangelisierung im heutigen europäischen kulturellen Kontext scheint jedenfalls die Präsenz lebendiger und transparenter Zeichen zu sein, die die Gegenwart des Herrn deutlich machen können, so daß sie Staunen erwecken und die Gewissen wachrütteln. Denn "der heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind" [...] und daß, "um zu evangelisieren, die Einzelnen und die gesamte Kirche vor allem das gelebte Zeugnis der Treue zu Jesus dem Herrn, das gelebte Zeugnis der Armut und inneren Loslösung und der Freiheit gegenüber den Mächten dieser Welt, kurz, der Heiligkeit, bieten müssen".(74)

Entscheidend ist also die Präsenz und das Zeugnis von Heiligen. Die Heiligkeit ist wesentliche Vorassetzung für eine authentische Evangelisierung, um Hoffnung geben zu können. Erforderlich ist das glaubwürdige, persönliche und gemeinschaftliche Zeugnis des neuen Lebens in Christus. Es genügt nicht, daß die Wahrheit und die Gnade durch die Verkündigung des Wortes und die Feier der Eucharistie und der Sakramente angeboten werden. Sie müssen aufgenommen, gelebt und bezeugt werden in allen Beziehungen und Tätigkeiten des konkreten Lebens, in der Weise, Christ, kirchliche Gemeinschaft zu sein. Ansprachen und Riten, so schön sie sein mögen, genügen nicht. Erforderlich sind sinnvolle, anziehende, schöne Lebensformen. In dem Maß, in dem sie die Liebe Gottes annehmen, leben und manifestieren, nehmen die Christen und kirchlichen Gemeinschaften Christus an, der in ihnen gegenwärtig ist, leben und manifestieren ihn, geben ihm die Möglichkeit zur Begegnung mit den Gleichgültigen und Nichtglaubenden und zum wirksamen Anruf ihrer Gewissen.

58. Unterschiedlich und vielfältig sind die Bereiche und der Verlauf der Neuevangelisierung. Darunter sind zu nennen und besonders zu beachten: die Jugendlichen, die Armen, der soziale und politische Einsatz, die soziale Kommunikation.

Die Jugendlichen sind die Zukunft Europas, auf dem im übrigen die schwere Hypothek des unzureichenden Generationenwechsels lastet. Hauptsächlich um sie muß man sich bemühen, ihnen muß man die Möglichkeit zum Wachstum im Glauben geben, und ihnen muß man helfen, im Evangelium die Antwort auf ihre Suche nach Glück, Wahrheit und Gerechtigkeit zu finden, so daß sie ihrerseits Verkünder des Evangeliums sein können.

In einem Europa, wo alles nach wirtschaftlichen Maßstäben bemessen wird, bleibt die Kirche eines der festesten Bollwerke der Aufmerksamkeit für die Ärmsten und für die Achtung der Menschenwürde. Diese Grundwerte erfordern es, daß angemessene kulturelle und soziale Wege gefunden werden für den Beitrag der Kirche, der sich in diesem entscheidenden Augenblick, in dem die Fundamente für die Zukunft Europas gelegt werden, nicht im religiösen Bereich erschöpft.

Die in Europa entstandenen "res novae" - will man nicht in neue Formen der Nichtanerkennung und der Leugnung der geistigen Werte zurückfallen - fordern von den Christen ein Mehr an moralischem Gewissen und dem Evangelium entsprechender Inspiration. Daher die Notwendigkeit und Dringlichkeit einer angemessenen Bildung von Laien, die sich im sozialen und politischen Bereich engagieren.

Eine Kirche, die nicht kommunikativ ist, evangelisiert weder, noch schafft sie Kultur. Daher die Notwendigkeit und Dringlichkeit für die Kirche, im neuen Kontext der Kommunikation präsent zu sein, sowohl durch ihre Aufmerksamkeit für die Medien und ihre kluge Anwendung als auch durch eine wirksame Pastoral der sozialen Kommunikation.

59. In dieser Hinsicht ist hervorzuheben, daß die wichtigsten Initiativen der Neuevangelisierung, die bisher in den verschiedenen Kirchen Europas anzutreffen sind, gerade die Initiativen der Neuevangelisierung sind, die auf die heute besonders spürbaren Erfordernisse und Herausforderungen antworten wollen.

So können beispielsweise genannt werden: verstärkte Bildungsangebote, Katechese und kulturelle Begegnungen zur Vertiefung des Glaubens als Antwort auf die Suche nach Wahrhaftigkeit; persönliche oder vereinsmäßige Formen der Evangelisierung mit dem Ziel, im Dialog Beziehungen der Versöhnung, des gegenseitigen Annehmens und hochherzigen Begleitens aufzubauen als Antwort auf das Bedürfnis nach Beziehung und Nähe, das in nicht wenigen menschlichen und sozialen Situationen auftaucht; Initiativen der Evangelisierung mit dem Ziel, die unveräußerliche Würde jeder menschlichen Person und den Sinn des Lebens wiederzuentdecken als Antwort auf die verbreitete anthropologische Suche; ein alternativer Lebensstil in Pfarrgemeinden, in Vereinigungen, in Bildungseinrich-tungen für soziale Berufe, im Bildungsweg für Politik und öffentliches Leben als Antwort auf die ethische und zivile Anfrage; Angebote der Jugendpastoral, die auf eine wahre und freudige Wiederentdeckung und Nachfolge des Herrn ausgerichtet sind, um Berufe in der Kirche und Gesellschaft reifen zu lassen als Antwort auf die heute von den Jugendlichen selbst vorgebrachten Anfragen.

Evangelisierung und Ökumene

60. Zu den wichtigen Merkmalen einer echten Evangelisierung gehört gewiß die Ökumene. Denn die Einheit der an Christus Glaubenden wäre besonders in Europa eine günstige Gelegenheit, um dem Glauben und seinem Einfluß auf das kulturelle und soziale Leben neuen Schwung zu geben. Deshalb muß die ökumenische Frage - auch im Hinblick auf den Weg, der in den vergangenen Jahren gemäß den Weisungen der ersten Sonderversammlung der Bischofssynode für Europa zurückgelegt wurde(75) - von der Synode eingehend geprüft werden.

Trotz da und dort fortdauernder ablehnender Haltungen dem ökumenischen Dialog gegenüber, scheint die übereinstimmende Überzeugung zu herrschen, daß der Mangel an Einheit unter den Christen das gemeinsame Glaubenszeugnis schwächt und deshalb eine enge Zusammenarbeit mit den anderen Kirchen oder kirchlichen Gemeinschaften notwendig und dringlich ist. In dieser Hinsicht wurden beachtliche Fortschritte gemacht. Aktiv beteiligt sind die örtlichen Gemeinden, die Gemeinschaften des geweihten Lebens und kirchlichen Vertreter bei Treffen und Gesprächen auf Diözesan-, Regional- und ortskirchlicher Ebene. Obwohl das alles dort, wo die anderen Kirchen oder kirchlichen Gemeinschaften in Minderheit sind, etwas mühevoll vorangeht, darf man doch sagen, daß auch in diesen Ländern langsam das Bewußtsein der unumgänglichen ökumenischen Dimension im Leben und in der Sendung der Kirche wächst.

Zu den Faktoren, die diese verbreitete ökumenische Sensibilität verstärken, zählt man auch die erfolgreichen Begegnungen wie die in Graz und jene, die im "Geist von Assisi" stattfanden, sowie eine "praktische Ökumene" im Lebensalltag vieler Gläubigen und besonders im caritativen und sozialen Bereich. Nicht zu vergessen ist im ökumenischen Dialog die Bedeutung des Mönchstums in Ost- und Westeuropa und die Rolle der Kunst und Kultur.

Was die Lehre betrifft - wobei die Bereitschaft erkennbar ist, Wege der theologischen Gegenüberstellung und Annäherung zu suchen, die bereits positive Ergebnisse brachten, die sich in einigen gemeinsamen Erklärungen deutlich niedergeschlagen haben -,(76) wird hervorgehoben, daß das Bemühen, zur Einheit zu gelangen, nicht auf Kosten der Wahrheit gehen dürfe und daß eine "Ökumene der Oberfläche" im Widerspruch stünde zu einer im Glauben und in der "versöhnten Verschiedenheit" festgefügten Einheit.

61. Aber zugleich ist allgemein zu sagen, daß man sich im Augenblick in einer schwierigen Phase, wenn nicht sogar in einer Krise befindet.

Durch den Fall der Berliner Mauer und der europäischen Erweiterung wurden die Beziehungen zu den orthodoxen Kirchen zu einer großen Herausforderung, vor allem weil eine Art gegenseitigen Mißtrauens wuchs, auch durch Probleme hinsichtlich der Rückgabe der Gotteshäuser und des Kirchenbesitzes, der rechtlichen Anerkennung der einzelnen katholischen Institutionen, der Möglichkeiten, Grenzen und Methoden der Evangelisierungsarbeit sowie der Möglichkeit und Praxis der "Interkommunion".

Starke Spannungen sind vor allem mit den katholischen orientalischen Kirchen entstanden, und die gegenseitigen Beziehungen sind manchmal sehr schwierig und durch Konflikte erschwert. Aber es fehlt nicht an Anzeichen dafür, daß die Spannungen nachlassen und manche Schwierigkeiten überwunden werden. Man versucht, freundschaftliche Beziehungen zum besseren gegenseitigen Verständnis anzuknüpfen und die Kontaktnahme unter den Verantwortlichen aufzubauen. Man gibt Gelegenheit zu kulturellen Begegnungen, zum Austausch von Hochschullehrern in einigen Institutionen und zur Teilnahme an den jeweiligen liturgischen Festen.

In den Ländern mit mehrheitlich protestantischer Bevölkerung erwachsen nicht selten Probleme auf Grund der unterschiedlichen Bewertung einiger ethischer Fragen.

Der Dialog mit dem Judentum und den anderen Religionen

62. Bereits in der ersten Sonderversammlung der Bischofssynode für Europa hat man im Hinblick auf das, was mit der Neuevangelisierung verbunden ist und von ihr gefordert wird, den Akzent auf die Notwendigkeit gelegt, eine besondere Beziehung zu unseren "älteren Brüdern", den Juden, anzuknüpfen. Und das soll in der Überzeugung geschehen, "daß die Zusammenarbeit zwischen Christen und Juden auf vielen Ebenen und in Achtung der Verschiedenheit und der besonderen Inhalte der jeweiligen Religionen eine außerordentlich große Bedeutung für die religiöse und gesellschaftliche Zukunft Europas und für seine Aufgabe gegenüber der übrigen Welt haben kann".(77) Und das nicht nur aus dem Grund, weil der Glaube und die Kultur des Judentums einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der europäischen Gesellschaft darstellen, sondern auch auf Grund der gemeinsamen Wurzeln, die zwischen dem Christentum und dem jüdischen Volk bestehen. Denn die Kirche hat, von ihrem Ursprung her, eine ganz besonders enge, ständige Beziehung zum jüdischen Volk. Deshalb ist der Dialog mit dem Judentum von grundlegender Bedeutung für das christliche Selbstbewußtsein und damit für die Ökumene selbst.

Es handelt sich also darum, festzustellen, was in diesen Jahren getan wurde, und diesen Weg weiterzugehen. Es geht im einzelnen nicht nur darum, alle Formen von Antisemitismus auf allen Ebenen zu verurteilen und abzulehnen. Positiver und entscheidender ist es, "dahin zu wirken, daß ein neuer Frühling in den gegenseitigen Beziehungen zwischen den beiden Religionen erblüht".(78) Das kann unter anderem bedeuten, zu lernen, die einzigartige Rolle Israels in der Heilsgeschichte anzuerkennen, das Neue Testament zu lesen, wobei man es aber nicht als Gegensatz und Berichtigung des Alten Testaments, sondern als kontinuierlich mit ihm sehen sollte; das Geheimnis des jüdischen Volkes zu ehren, seine Geschichte und religiösen Traditionen, die Kultur und die geistigen Reichtümer kennenzulernen sowie echt brüderliche und freundschaftliche Beziehungen und eine Zusammenarbeit mit den Angehörigen der jüdischen Gemeinden aufzubauen mit dem Ziel, eine gemeinsame Verantwortlichkeit angesichts der Probleme der Gesellschaft in Europa und in den einzelnen Ländern zu schaffen.

63. Der wachsende Einwandererstrom, durch den ein verstärkter Kontakt mit Menschen anderer religiöser Traditionen entsteht, bringt notwendigerweise die Frage mit sich, wie die Kirche ihre Verpflichtung, das Evangelium zu verkünden, im multikulturellen und multireligösen Kontext wahrnehmen soll. Weder die Synode noch die christlichen Kirchen in Europa dürfen sich dieser Aufgabe entziehen.

Wie schon bei der ersten Sonderversammlung der Bischofssynode für Europa vor acht Jahren bekräftigt wurde, ist es notwendig, daß man "die anderen Religionen besser kennenlernt, um ein brüderliches Gespräch mit den unter uns lebenden Anhängern anzuknüpfen".(79) Es genügt nicht, die pastorale Aufmerksamkeit für die verschiedenen religiösen Traditionen durch caritativen Einsatz und Hilfswerke deutlich zu machen. Ebensowenig genügt ein gemeinsamer Einsatz der Christen und Anhänger anderer Religionen in Bezug auf Gerechtigkeit, Frieden, Freiheit, Bewahrung der Schöpfung. Vielmehr ist eine Gegenüberstellung dringend notwendig, die zur Wiedererlangung und Vertiefung der Grundwerte der christlichen Tradition anregt. Und zwar deshalb, weil "die Achtung der Freiheit und das rechte Bewußtsein von Werten, die sich auch in den anderen religiösen Traditionen finden, nicht zum Relativismus führen noch das Wissen um die Notwendigkeit und Dringlichkeit des Gebotes, Christus zu verkündigen, schwächen dürfen",(80) und weil ein aufrichtiger und vorsichtiger Dialog den Glauben keineswegs schwächen, sondern ihn festigen und vertiefen soll.(81)

64. Notwendiger denn je ist auf Grund der wachsenden Präsenz des Islams in Europa der Dialog mit den Muslimen. Aber dieser Dialog "muß mit Klugheit und mit der klaren Vorstellung seiner Möglichkeiten und seiner Grenzen sowie im Vertrauen auf den Heilsplan Gottes für alle seine Kinder geführt werden. Damit die gegenseitige Solidarität aufrichtig ist, ist die Wechselseitigkeit in den Beziehungen, vor allem im Bereich der Religionsfreiheit erforderlich, die ein in der Würde der menschlichen Person gründendes Grundrecht ist und deshalb an jedem Ort der Welt Gültigkeit haben muß".(82) Es ist also notwendig, den aus dieser Situation entstandenen Herausforderungen ernsthaft und weitblickend zu begegnen, dadurch daß die verschiedenen Strömungen des Islams analysiert und genau unterschieden werden und der Dialog mit den Muslimen mit ganzer Klarheit weitergeführt wird. "Es geht darum, ihre geistigen und moralischen Werte besser kennenzulernen und ihnen zugleich ein rechtes Verständnis des Glaubens und des Lebens der Kirche zu ermöglichen, mit der sie ein Gespräch führen. Deshalb ist es nützlich, daß Priester und Laien ausgebildet werden, um diesen Dialog zu führen oder den stärker interessierten Gemeinschaften beratend beistehen".(83)

Das Sektenproblem

65. Die Verkündigung des "Evangeliums der Hoffnung" muß heute auch das komplexe und vielfarbige Phänomen der Sekten berücksichtigen. Sie unterscheiden sich schon im Hinblick auf ihr Entstehen sehr deutlich voneinander. Es ist also notwendig, die Sekten christlichen Ursprungs von denen mit anderen religiösen Wurzeln oder von einem bestimmten Humanismus zu unterscheiden. Die Sekten christlichen Ursprungs sind dann auch noch von den Kirchen, den kirchlichen Gemeinschaften oder den rechtmäßigen innerkirchlichen Bewegungen zu unterscheiden. Unterschiedlich sind die Sekten auch in Bezug auf Größe, Bekenntnis, Haltung und Verhaltensweise gegenüber anderen religiösen Gruppen und der Gesellschaft. Im allgemeinen treten sie in verhältnismäßig kleinen religiösen Gruppen auf, die in ihren Anhängern eine starke Identität fördern, was bis zur vollkommenen Abhängigkeit führen kann. Oft suchen sie die Konfrontation mit dem religiösen und sozialen Umfeld, wobei sie auch sehr aggressive Propagandamethoden benutzen. Sie begünstigen sehr die herzliche Atmosphäre der Aufnahme unter den Einzelpersonen, die sie aus ihrer Isolierung herausholen. Sie verbreiten apokalyptische Botschaften und solche aus dem Jenseits sowie über die Ankunft einer "neuen Welt".

Unterschiedlich wenn auch nicht gegensätzlich sind die Auslegungen dieses Phänomens. Einige halten es für einen Beweis der derzeitigen Säkularisierung. Andere meinen, es sei die Auswirkung der Krise des wissenschaftlich-technischen Rationalismus mit dem Verlangen nach etwas "anderem" und Beglückendem. Für andere wiederum bedeutet es eine Reaktion auf die Bürokratisierung und Anonymität mancher religiöser Erfahrungen bei der Suche nach Gemeinschaft, die eine integrative und therapeutische Rolle übernehme. Mancher hält es für einen Ausdruck des religösen Hungers und damit für ein untrügliches positives oder negatives Zeichen der religiösen Lebenskraft des ausgehenden Jahrhunderts.

66. In jedem Fall handelt es sich um ein Phänomen, das die Kirchen herausfordert und an ihre Verantwortung erinnert. In Ost- wie in Westeuropa suchen die Kirchen diesem Phänomen durch Initiativen zu begegnen, die ihre Gemeinschaften vor Ort zu einer liebevolleren und herzlicheren Aufnahmestätte machen sollen, wo die Menschen ihre Erwartungen erfüllt sehen, auf die die Sekten nur teilweise und nicht selten menschenunwürdige Antworten geben. Zugleich sucht man der Verbreitung dieses Phänomens allgemein vorzubeugen durch eine gefestigte Bildung der Gläubigen. In vielen Ländern gibt es auch auf diözesaner oder überdiözesaner Ebene Institutionen, die das Phänomen durch eine angemessene Informations- und Beratungstätigkeit angehen.

Genau besehen, sieht sich die Kirche zur ernsthaften Gewissensprüfung über sich selbst und zur tiefgehenden Erneuerung aufgerufen angesichts der eventuellen Verlangsamung, der Leere oder der Verzerrungen ihrer Pastoraltätigkeit, aber auch und vor allem angesichts der obersten Pflicht, allen Völkern Jesus Christus, den einzigen Erlöser des Menschen, zu verkündigen. Die Antwort der Kirche - im Lebensgeflecht der einzelnen Gläubigen (Laien, Ordensleuten, Priestern), der Familien, der Pfarreien, der Vereinigungen und der verschiedenen kirchlichen Gruppen und Bewegungen - muß "global" sein. Sie muß den Christen mit freiem und überzeugtem Glauben die Freude, die Begeisterung und den Stolz auf ihre Identität als Jünger Jesu in der Kirche wiedergeben. Sie muß den Primat der Spirtualität stützen und verstärken. Wie der Papst sagte: "Auf das besorgniserregende Phänomen der Sekten müssen wir mit einer Pastoral antworten, die das Ganze der Person in den Mittelpunkt stellt, ihre gemeinschaftliche Dimension und ihr Verlangen nach einem persönlichen Verhältnis zu Gott. Es ist eine Tatsache: Dort, wo die Kirche dynamisch präsent ist wie in den Pfarreien, wo eine ständige Einführung in das Wort Gottes stattfindet, wo man eine aktive Liturgie mit der Beteiligung aller feiert, eine gediegene Marienverehrung und wirksame Solidarität auf sozialem Gebiet pflegt, sich in der Seelsorge nachdrücklich um die Familien, die Jugendlichen und Kranken kümmert, da sehen wir, daß die Sekten und para-religiösen Bewegungen keinen Fuß fassen oder vordringen können".(84)

Das "Evangelium der Hoffnung" durch den Gottesdienst feiern

Leitourgia

Die Gegenwart des Auferstandenen in den heiligen Geheimnissen

67. Das "Evangelium der Hoffnung" durch den Gottesdienst verbreiten bedeutet für die Kirche heute mehr denn je, die lebendige und handelnde Gegenwart des auferstandenen Herrn in den "heiligen Geheimnissen" zu erkennen und in ihnen die Kraft und Nahrung für die eigene pastorale Tätigkeit zu suchen und zu finden. So bezeugt sie auch die eigene Identität als Gemeinschaft von Jüngern, die sich um Christus versammeln und auf ihn ihre Zuversicht und Hoffnung setzen.

Das war außerdem die tiefe Absicht der wunderbaren Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils. Denn diese Reform drückt nicht nur "das für unsere Zeit scheinbar kennzeichnende starke Streben nach Veränderung oder den berechtigten Wunsch aus, die Feier der heiligen Geheimnisse der heutigen Sensibilität und Kultur anzupassen. Hinter diesem Phänomen steckt in Wirklichkeit das Bestreben der Gläubigen, ihre tiefste und wahrste Identität als Jünger zum Ausdruck zu bringen, die um Christus versammelt sind, der unter ihnen in seinem Wort und in den Sakramenten, besonders in der Eucharistie in unvergleichlicher Weise gegenwärtig ist (vgl. Sacrosanctum Concilium, 7)".(85) In der Gewißheit - so bekräftigt der Papst -, daß "auf diese Weise nicht nur ein festes und dauerhaftes Glaubensfundament aufgebaut wird (vgl. Lk 6, 48), sondern daß die ganze christliche Gemeinschaft sich der Pflicht bewußt wird, das Geheimnis Christi, des Erlösers der Menschheit, zu feiern und ihn zu verkündigen und den Menschen von heute freimütig bekanntzumachen. Dabei ist die manchmal von außen und auch von innen kommende Versuchung zu überwinden, der Kirche andere Identitäten und andere Interessen zuzuschreiben.Tatsächlich lebt die Kirche mehr von dem, was sie von ihrem Herrn empfängt, als von dem was sie aus eigenen Kräften tun kann".(86)

Das liturgische Leben braucht eine Prüfung

68. Betrachtet man die konkrete Wirklichkeit unserer Kirchen, dann sieht man, daß die Begegnung mit dem großen und heiligen Geheimnis des von Jesus offenbarten dreifaltigen Gottes in der Liturgie und in anderen Gottesdienstformen ein weitgefächertes Spektrum von Situationen und Erfahrungen zeigt.

In den Gemeinschaften, in denen eine angemessene Katechese und liturgische Bildung die Vorbereitung der liturgischen Feiern ermöglichen, werden diese zu entscheidenden Augenblicken der überzeugten und tiefgehenden Begegnung mit dem göttlichen Geheimnis und wahrer Gemeinschaft mit den Brüdern und Schwestern im Glauben durch den Lobpreis, die Gebete und die Gesten gegenseitiger froher Annahme. Abgesehen von den Pfarrgemeinden in Ost- und Westeuropa, sind diese Erfahrungen auch in den erneuerten religiösen Gemeinschaften, in den Neugründungen des geweihten Lebens und in den neuen kirchlichen Bewegungen sehr verbreitet.

Es fehlt nicht an Gemeinschaften, die eine lange Tradition des Gottesdienstbesuches an Sonn- und auch an Werktagen sowie eine große Beteiligung an Anbetungstunden des Allerheiligsten und an Marienandachten verzeichnen können. Nicht zu vergessen ist, daß viele vorzugsweise dem Geheimnis des lebendigen Gottes in Gottesdiensten begegnen, die in der traditionellen Volksfrömmigkeit wurzeln. Daher die Bedeutung der sogenannten Volksreligiosität und -frömmigkeit, die es zu reinigen und zu leiten gilt.

Im allgemeinen ist jedoch zuzugeben, daß man eine wahrhafte Anwendung der Liturgiereform vor sich hat, auch wenn sie nicht immer zur wirklich tiefen liturgischen Erneuerung geführt hat und noch viel zu tun bleibt, um jene "participatio actuosa" aller Gläubigen zu verstärken, die vom Konzil so sehr erhofft und angeregt worden war. Jedenfalls bleibt die Liturgie der Brennpunkt in Bezug auf das Wachstum des Glaubens.

69. Auch auf manche problematische Situationen ist hinzuweisen.

In vielen westlichen Ländern werden Gottesdienste fast ausschließlich von älteren Leuten, hauptsächlich Frauen, und von Kindern besucht, während die jüngendlichen und die mittlere Altersstufe fern bleibt. Daraus ergibt sich auch das Bild einer alten, femininen und infantilen Kirche.

Sowohl in Ost- wie in Westeuropa gibt es Erfahrungen, in denen das Bemühen, anziehend zu sein, die Dimension des Geheimnisses, der Anbetung und des Lobes in den Schatten stellt und die Formelhaftigkeit, die Beteiligung und ein gewisses Geltungsbedürfnis des Zelebranten und/oder der aktiv bei der Versammlung Mitwirkenden in den Vordergrund rückt. Daraus folgt unter anderem ein zweifellos lebendiges und lebhaftes Kirchenbild, das aber mehr auf Äußerlichkeit und Emotivität als auf Vertiefung in die Begegnung mit dem heiligen Geheimnis Gottes achtet.

Es fehlt auch nicht an Erfahrungen mit Gottesdiensten und Andachten, die sehr streng auf die Formelhaftigkeit achten, was sie für manche Personen in der Tat trocken und entmutigend macht. Im Gegensatz dazu gibt es Erfahrungen, in denen man zur Förderung der Religiosität Gottesdienste und Gebetstreffen veranstaltet und improvisiert, die die geltenden Regeln mißachten und eine Art unannehmbarer ungezügelter liturgischer Kreativität hervorrufen.

Ein weiteres Problem erwächst aus der Haltung traditionalistischer Gruppen, die einige äußerliche liturgische Formeln hervorheben und diese zum Kriterium des rechten Glaubens machen. In dieser Richtung fordern manche, die daraus folgenden Schwierigkeiten auch in Bezug auf die kirchliche Gemeinschaft zu betrachten.

Es besteht kein Zweifel, daß diese verschiedenen manchmal sich widersprechenden Weisen, die Gottesdienste zu gestalten und zu leben, oft zu Polarisierungen führen, zu denen noch andere Aspekte kommen, die dazu beitragen, ein Bild deutlich zu machen, nach dem in Wirklichkeit zwei verschiedene Seins- und Lebensweisen von Kirche sich gegenüber stehen und leider gegeneinander prallen.

Vielerorts sind zwei Probleme besonders offensichtlich: das erste innerhalb des kirchlichen Lebens, das zweite vom kulturellen Kontext hervorgerufen. Einerseits spürt man in der konkreten Gottesdienstpraxis Ermüdung, Wiederholung, Langeweile und einen immer wiederkehrenden gewohnten Stil, der Resignation hervorruft, auf der anderen Seite führt die Kultur der Modernität dazu, daß der Ritus vom Glaubensfundament losgelöst wird.

70. Deshalb wird das dringende Erfordernis einer angemessenen Bildung deutlich, die eine Anleitung zur Kunst des Feierns sein sollte. Daraus erwächst die Notwendigkeit, in Verkündigung und Katechese eine verstärkte "liturgische Mystagogie" anzubieten. Dazu erscheint es nützlich: Glaubenswege zu entwickeln, in denen Verkündigung, Liturgie und Dienst am Nächsten immer miteinander verbunden sind und in Beziehung zueinander stehen; für eine rechtzeitige liturgische Ausbildung der zukünftigen Priester und der verschiedenen pastoralen Mitarbeiter, der Gottesdiensthelfer und all derer, die darin einen Dienst ausüben, zu sorgen; die Eucharistiefeier als "Höhepunkt und Quelle" der ganzen Liturgie zu betrachten, ohne aber das gemeinsame Stundengebet außer Acht zu lassen und eine rechte Integration zwischen liturgischem Leben und Volksreligiosität zu fördern; die Riten an die verschiedenen und neuen Situationen anzupassen, in denen die Gläubigen leben. All das muß in der Überzeugung geschehen, daß, wenn man im Geist und in der Wahrheit feiert, wenn die Feier eine Handlung ist, an der die Versammlung teilhat, wenn Texte und Gesten alle Gläubigen miteinbeziehen, die Liturgie zu einer wirklich gelebten Erfahrung des Geheimnisses wird, weil sie Teilhabe am österlichen Ereignis und damit Quelle und Ausdruck wahrhaften geistlichen Lebens ist.

Hinzuweisen ist auch auf die Opportunität eines fruchtbaren Austausches zwischen der orientalischen Tradition, die in der liturgischen Handlung hauptsächlich die Dimension des Geheimnisses hervorhebt und nutzt, und der westlichen lateinischen, die mehr dazu neigt, die Dimensionen der Gemeinschaft und Sendung ins Licht zu stellen.

Das "Evangelium der Hoffnung" durch den Dienst am Nächsten verbreiten

Diakonia

71. Um wirklich das "Evangelium der Hoffnung" durch den Dienst am Nächsten zu verbreiten, gibt es nur den längst bewährten Weg. Er besteht in der Liebe, die zum authentischen Liebeszeugnis wird, das bedeutet: Förderung der Gemeinschaft in und außerhalb der Kirche, Erneuerung und Ansporn einiger pastoraler Prioritäten sowie Einsatz für den Aufbau eines neuen Europas. Die Aufgabe besteht darin, in der Geschichte Europas die Liebe wirksam zu machen.

Zeugnis der Liebe zum Nächsten

72. Vor allem geht es darum, daß die Menschen der Liebe Gottes und Christi im Heiligen Geist begegnen. Auf diese Weise kann man dem Hoffnung geben, der sie bedroht sieht oder verloren hat, denn nur wer sich geliebt weiß und geliebt fühlt, kann dem eigenen Dasein Sinn geben und weiter Hoffnung haben, auch unter Mühen und Schwierigkeiten.

Um das alles zu verwirklichen, ist das gelebte Zeugnis der Liebe unerläßlich.

Das führt dazu, daß die Christen und die Kirchen in Europa nicht einfach damit zufrieden sind, Gesten - wenn auch wichtige und notwendige - der Liebe zu vollbringen, sondern daß sie "Liebe sind", indem sie dieses Geschenk und diese Kraft aus der unversiegbaren Quelle schöpfen, die Gott selbst ist. In diesem Sinn darf sich das Liebeszeugnis nicht auf einen Pragmatismus ohne Wurzeln beschränken, sondern muß die Liebe Gottes, ja Gott, der Liebe ist, aussagen und verkünden. Es geht darum, dem heutigen europäischen Menschen wie den Menschen aller Zeiten die beseligende Nachricht mitzuteilen, daß Gott uns zuerst geliebt hat, daß Jesus uns bis zur Vollendung geliebt hat, indem er den Kreuzestod auf sich nahm und uns den Vater offenbart hat, der mit den Menschen solidarisch ist und ihnen entgegenkommt, dadurch daß er ihnen den Heiligen Geist mitteilt.

Die Synode will deshalb im Bewußtsein der Christen und der Kirche die Gewißheit erneuern, daß uns die Liebe des Vaters, die sich in Christus allen zuwendet, durch die Ausgießung des Heiligen Geistes mitgeteilt wird. Diese Liebe des Vaters, die einmal für immer in Jesus Christus gekommen ist und mit dem immer neuen Geschenk des Geistes ständig kommt, kann nur in der gelebten Erfahrung der Liebe, vor allem der gegenseitigen Liebe voll angenommen und erkannt werden. Es geht also darum, gerade durch das glaubwürdige, wenn auch immer unzureichende Zeichen der gelebten Liebe die Menschen mit der Liebe Gottes und Christi, der sie sucht, in Berührung zu bingen. Das ist die schwierige Aufgabe, die unseren Kirchen gestellt ist und die sie erfüllen müssen, wollen sie noch Träger der Hoffnung sein.

Es geht in dieser Hinsicht darum, daß in unseren Kirchen im Gewebe des täglichen Lebens und der Geschichte unserer Länder Einzelpersonen, Familien und Gemeinschaften sind, die das Evangelium der Liebe intensiv zu leben wissen.

Gefragt sind also Personen und Gemeinschaften, die im engen Dialog mit den göttlichen Personen leben, der mit dem Hören des Wortes, dem Gebet und den Sakramenten beginnt und sich im Dialog mit den anderen Menschen in allen Beziehungen und Tätigkeiten und in jedem Umfeld fortsetzt. Diese Personen und Gemeinschaften sollen sich von der Kraft und Weisheit der Liebe formen lassen und jeden Menschen und jedes Ereignis als Geschenk und Gelegenheit zum Guten annehmen. Sie sollen sich selbst zum Geschenk für andere machen durch ihre Aufmerksamkeit, ihren Dienst, ihre Anteilnahme, ihren ethischen und zivilen Einsatz und in der Vergebung erlittenen Unrechts. So kann ihr Liebeszeugnis zu einem wirksamen Mittel gegen die Krankheiten unserer Zeit werden und viele Herzen für die Freude und Hoffnung öffnen.

Baumeister der Gemeinschaft und Solidarität

73. Zweifelsohne bedeutet das Zeugnis der Liebe leben gleichzeitig Baumeister der communio in der christlichen Gemeinschaft zu sein. Wie schon gesagt, ist das eine der Grundbedingungen dafür, daß die Kirchen Träger der Hoffnung für das Europa von heute sein können.(87)

Aber das Zeugnis der Liebe geht auch über die Grenzen der kirchlichen Gemeinschaft hinaus. Hier, in der ganzen bürgerlichen Gesellschaft, wird die gegenseitige Liebe, die die Kirche zur brüderlichen und missionarischen Gemeinschaft aufbaut, Faktor der Solidarität. Baumeister der Gemeinschaft sein heißt also auch, den Aufbau einer solidarischen Gesellschaft zu fördern, die gemäß dem Prinzip der Subsidiarität geordnet ist. Die Kirche ist gerufen, in diesem Sinn auch in sozialer Hinsicht primärer Faktor der Stabilität und der Gemeinschaft zu sein. Und zwar ausgehend von jenem tiefen und theologischen "Geheimnis der Gemeinschaft", auf dem sie gründet: Aus der Gemeinschaft in der Kirche, die ihren Mittelpunkt in der Eucharistie hat, dem bevorzugten Ort der Begegnung mit Christus und mit den Brüdern, und aus der Begegnung am Tisch des Herrn erwächst jene typische Brüderlichkeit der christlichen Gemeinschaft, die ihren wohltuenden Einfluß auf die bürgerliche Gesellschaft ausübt. In dieser Hinsicht und dieser Denkweise entsprechend bleiben die Werte der Solidarität, der Versöhnung, der Vergebung, der Zuwendung zu den Ärmsten, des Dienstes am Nächsten auch in Form des Freiwilligendienstes - Werte, die zur wesentlichen christlichen Erfahrung gehören - nicht ausschließlich Güter der Gläubigen, sondern werden zur Kraftquelle für die ganze Gesellschaft. Ohne Zweifel geht es darum, diese Überzeugungen erneut anzubieten und auf ihre Verwirklichung zu achten.

74. Besonders in jenem Kontext, der die Werte Freiheit und Gleichheit herausgestellt, aber die Brüderlichkeit beiseite gelassen hat, muß die Kultur der Freiheit und Gleichheit mit der Kultur der Solidarität verschmolzen werden, einer nicht nur als Hilfeleistung verstandenen Solidarität, sondern als Aufwertung der einzelnen Kategorien.

In diesem Sinn muß die Solidarität bei dem wachsenden Zustrom von Einwanderern in Formen des Zusammenlebens zum Ausdruck kommen, die den verschiedenen Präsenzen in der Gesellschaft entsprechenden Raum geben. Mit der zunehmenden Globalisierung wollen die Einforderungen der Staatsangehörigkeit, der vollen Anerkennung ihrer Identität und Verschiedenheit seitens Gruppen und Minderheiten im Rahmen der Werte und gemeinsamen Normen anerkannt und geschützt werden. Im Zusammenhang der Globalisierung darf die Verantwortlichkeit Europas und seiner Kirchen gegenüber den Ärmsten und die daraus folgende Gewissensprüfung hinsichtlich der Beziehungen zwischen den reicheren und den ärmeren Kirchen in Europa und in der übrigen Welt nicht vergessen werden. Angesichts der schweren Mängel des freien Marktes und der Unwirksamkeit und der Kosten des bürokratischen und sozialen Staates sollte die Rolle der zivilen Wirtschaft und allgemein der zivilen Gesellschaft, die fähig ist, Solidarität und Verantwortlichkeit miteinander zu verbinden, immer mehr Anerkennung finden.

Das sind alles deutliche Anzeichen für die Dringlichkeit und Notwendigkeit, jede Form von privatisierter Ethik zu überwinden, wie die in Europa weitverbreitete, die kein angemessenes Fundament für das Zusammenleben sein kann, weil der Verlust und die Aushöhlung der Werte den Aufbau einer solidarischen Gesellschaft erschweren. In der Solidarität, verstanden als Nutzung der sozialen Subjektivität, ist der Schlüssel zu finden für einen alternativen und fruchtbaren Lösungsversuch der sozialen Spannungen, die die europäische Gesellschaft kennzeichnen, die aber alle Gesellschaften der Welt erfaßt haben. Dafür kann Europa ein ganz entscheidendes Zeichen friedlichen Zusammenlebens setzen. Dieser Versuch nach christlichem Muster sollte auf europäischer Ebene verbreitet werden. In Europa ist Einheit nötig, die den Pluralismus zu nutzen weiß, nicht nur den Pluralismus der Staaten, sondern auch den der kulturellen und religiösen Gemeinschaften, der sozialen Institutionen und der Familien. Die Politik muß all diesen Wirklichkeiten das Heimatrecht einräumen. Im Rahmen der allgemein anerkannten Werte und der gemeinsamen Normen muß die Vielfalt zum menschlichen und auch wirtschaftlichen Reichtum werden.

Dazu können und müssen die Christen sehr viel beitragen. Denn durch den Glauben an Gott, den Vater aller, hat das Christentum das Bewußtsein der Würde der Person und der Brüderlichkeit in die Geschichte eingepflanzt. Dadurch daß die Christen die gegenseitige Liebe auch in der bürgerlichen Gesellschaft als Baumeister und Anwälte der Solidarität leben und bezeugen, verdeutlichen sie die Gegenwart Christi, des Erlösers aller Menschen und des ganzen Menschen. Von Ihm allein kann die Hoffnung kommen, die nicht trügt.

Einige pastorale Aufgaben und Prioritäten müssen gefördert werden

75. Im heutigen Europa, das von neuen und alten Problemen bedrängt und von neuen Hoffnungen und Möglichkeiten erfaßt wird, soll das gelebte Zeugnis der Liebe als Dienst am "Evangelium der Hoffnung" auch heißen, einem pastoralen Wirken Raum zu geben, das von einem tiefen missionarischen Antrieb ausgeht und belebt wird. Sie ist nicht nur als mutige Verkündigung des Evangeliums zu verstehen, sondern auch als Bereitschaft, aus den engen kirchlichen Bereichen herauszugehen. Der christliche missionarische Stil ist geprägt von der "Sympathie" für die Menschen, vom Anhören ihrer Fragen, von der Begleitung in den Leiden und vom frohen und befreienden Angebot der Botschaft Christi. Dieser Stil erfordert heute mehr denn je, neue Formen der Suche nach dem Menschen zu finden durch eine missionarische Präsenz der Kirche und der Christen unter den Jugendlichen, unter den Kulturschaffenden, unter den Arbeitnehmern, unter den Leidenden und unter den Suchenden. Die missionarische Tätigkeit muß sich also in eine Präsenz in der Welt und in eine Denkweise umsetzen, die eine Alternative zur weltlichen Denkweise darstellt, aber für die Menschen unserer Zeit verständlich ist. Die entscheidende Frage an unsere Kirchen könnte also bei den Beratungen der Synode so lauten: Wie können wir heute in Europa Zeugen eines Gottes sein, der den Menschen weiterhin sucht? Wie können wir gleichzeitig bereit sein, Überzeugungen aufzugeben, die uns vorspiegeln, daß unsere Länder noch christlich sind, während wir aber fest entschlossen sind, die große Hoffnung zu bezeugen, die in uns ist?

In dieser Hinsicht handelt es sich darum, jene grundlegende Gleichung unseres Glaubens anzubieten, nach der die Rechte Gottes die Rechte des Menschen sind, und die Rechte des Menschen die Rechte Gottes sind. Das führt dazu, in der Pastoralarbeit den Schutz des Menschen, vor allem der Schwächsten und der Ärmsten, in den Mittelpunkt zu stellen, aber nicht in der Sicht reiner Fürsorge und Hilfeleistung, sondern als Förderung und Wachstum der Person. Das ist gewiß ein weiteres Zeichen von Hoffnung, das die Christen in Europa als Sauerteig in einer Gesellschaft setzen können, die den Menschen mit seinen Problemen und seinen Bestrebungen in den Mittelpunkt rückt.

So wird verständlich, daß in unseren Kirchen weitgehende Übereinstimmung darüber herrscht, folgende Aufgaben und Prioritäten für ein wirksames Zeugnis der Liebe herauszustellen: das Angebot eines individuellen, familiären und sozialen Lebens, das dem eigenen Glaubensbekenntnis entspricht; den Schutz der menschlichen Person und des Lebens, verdeutlicht in öffentlichen Erklärungen und vielfältigen Initiativen von Solidarität, wobei besonders auf die wachsende Gruppe von Menschen in Not zu achten ist, die dem materiellen und moralischen Elend und der Ausbeutung stärker ausgesetzt ist; die Förderung einer angemessenen pastoralen und sozialen Aufmerksamkeit für die komplexe Welt des Gesundheitswesens mit seinen heutigen Problemen; die Aufmersamkeit und Hilfe für die Ärmsten; den Schutz für die Schwächsten; eine Atmosphäre der Achtung und Aufnahme für die Einwanderer zu schaffen, um so die kulturelle Integration und den interreligiösen Dialog zu fördern; Zeichen der Hoffnung zu setzen in Bereichen, wo Mutlosigkeit überhand zu nehmen scheint.

Hier ist Raum für eine besondere Betonung der pastoralen Präsenz und Tätigkeit in manchen Bereichen, die heute mehr Aufmerksamkeit von den Kirchen erfordern, damit das "Evangelium der Hoffnung" noch angemessener und wirklichkeitsnäher angeboten werden kann.

76. Von vielen Seiten wird die grundlegende Bedeutung einer angemessenen und wirksamen Familienpastoral unterstrichen, die mit den Familien und für die Familie auszuüben ist. Sie ist eine Aufgabe und Verpflichtung, die unserer Kirche mit aller Dringlichkeit obliegt im Hinblick auf nicht wenige kulturelle, soziale und politische Faktoren, die in verschiedener Weise, aber in allen Ländern zu der immer stärker hervortretenden Krise der Familie beitragen.

Und gerade diese Krise der Ehe und Familie bewegt die europäischen Kirchen dazu, "die Wahrheit über die Ehe und die Familie, wie Gott sie festgelegt hat, als einen wahren Dienst an der Familie und der Gesellschaft mit Festigkeit zu verkünden. Das zu unterlassen, wäre eine schwere Verfehlung der Hirtenaufgabe, die die Gläubigen und alle diejenigen irreführte, die die schwere Verantwortung haben, Entscheidungen über das Gemeinwohl der Nation zu treffen".(88)

In der Überzeugung, daß der Dienst an der Familie letztlich ein wahrhafter Dienst am Menschen und an der ganzen Gesellschaft werden kann, geht es um die entsprechende Erziehung und Bildung, Vorbereitung, Begleitung und Hilfe wie auch um das Engagement, so daß eine wirklich angemessene Familienpolitik gefördert wird und die Familien diese Politik selbst gestalten und die Verpflichtung übernehmen, die Gesellschaft umzuwandeln.

77. In Bezug auf das menschliche Leben wird von mehreren Seiten unterstrichen, daß man oftmals eine ganz inkohärente Kultur vorfindet, die einerseits die Würde des menschlichen Lebens bekräftigt, andererseits Haltungen der Bedrohung oder Verweigerung des Lebens akzeptiert oder sogar begünstigt. Besonders bei dem Problem der Abtreibung zeigt sich ein klarer Unterschied zwischen den Ländern, in denen Abtreibungen sehr häufig sind, und denen mit einer geringeren Abtreibungszahl.

Immer dringlicher und notwendiger wird in diesem Zusammenhang eine umfassende und allgemeine kulturelle, pastorale und soziale Initiative im Dienst des menschlichen Lebens und zur Förderung einer authentischen Kultur des Lebens. Bedeutsam ist diesbezüglich die Übereinstimmung, die hinsichtlich der aufgezeigten Angebote und zum Teil schon verwirklichten Initiativen herrscht. Das gilt für vorhandene Strukturen (Häuser für alleinstehende Mütter, Krankenhäuser und Altenheime, Hilfs- und Beratungsstellen); für die Förderung von Vereinigungen und Bewegungen, die für das Leben arbeiten; es gilt für die Bedeutung des Freiwilligendienstes, für die Notwendigkeit eines verstärkten Einsatzes im Erziehungs- und Bildungswesen und in der Verkündigung der Lehre der Kirche, auch durch Bekämpfung der Propaganda der sozialen Kommunikationsmittel; es gilt, Einfluß im kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Bereich zu gewinnen auch durch das direkte und verantwortliche Engagement der Christen in diesem Umfeld.

78. "Die Jugendlichen sind die Hoffnung der Kirche, die ins dritte Jahrtausend eintritt. Sie dürfen im kritischen Augenblick ihrer Lebensentscheidungen nicht ohne Hilfe und Führung gelassen werden. Man muß die Anstrengungen vervielfachen, damit die Kirche unter den Jugendlichen präsent ist".(89) Diese Worte Johannes Pauls II. weisen genau und zweifelsohne auf eine weitere pastorale Priorität für die europäischen Kirchen von heute hin. Es handelt sich darum, die Jugendpastoral zu erneuern und in Schwung zu bringen, sie wirksam und harmonisch zu gestalten im Rahmen eines umfassenden Programms, das die Kreativität und Geisteskraft der Jugendlichen anregt und ihre Erwartungen prüft und unterstützt, so daß sie persönlich die Evangelisierung und den Aufbau der Gesellschaft gestalten helfen.

Die Treffen, an denen viele Jugendliche teilnehmen - wie die Weltjugendtreffen, die von der Gemeinschaft von Taizé veranstalteten Treffen, die Tagungen und Wallfahrten auf Orts- und nationaler Ebene -, manifestieren ihren Hunger nach dem Absoluten, ihren versteckten Glauben, der nur gereinigt und entfaltet werden will, und ihre Sehnsucht nach Gemeinschaft, um aus der Isolierung herauszukommen. Diese Treffen sind auch der erste absichtliche Schritt zur Christusnachfolge.(90) All das will erkannt, aufgenommen, begleitet, unterstützt und geleitet werden. Es ist also notwendig, sich einbezogen zu fühlen und den neuen Generationen die Möglichkeit zur persönlichen Begegnung mit Christus im Bereich einer brüderlichen Gemeinschaft zu geben, wo jedem geholfen wird, die eigene Identität zu entwickeln und die eigene Berufung zu entdecken und zu entfalten. Dabei gilt es, nicht nur intelligente, eifrige Erzieher und Lehrer auszubilden, die wirklich fähig sind, den Jugendlichen entgegenzukommen und ihnen unterschiedliche, anspruchvolle und gestufte Wege menschlichen und christlichen Wachstums anzubieten, sondern auch dahin zu wirken, daß die kirchlichen Gemeinschaften sie tatsächlich annehmen. Denn dort sollen die Jugendlichen vor allem in den Erwachsenen dialogfähige Zeugen und Personen finden, so daß sie als selbständige Menschen ihre eigene Bildung und missionarische Tätigkeit bewerkstelligen.

79. Auf Grund der heute ständig wachsenden Bedeutung der sozialen Kommunikationsmittel müssen die Kirchen in Europa, wenn sie durch die Evangelisierung und Förderung von Kultur neue Hoffnung geben wollen, ein besonderes Augenmerk auf die vielschichtige und komplexe Welt der Massenmedien richten.

Es geht vor allem darum, sich in die Prozesse der sozialen Kommunikation einzuschalten, um sie authentischer und achtungsvoller gegenüber der Wahrheit der Information und der Würde der menschlichen Person zu machen. Einfaches Verwalten von noch so fortschrittlichen Mitteln reicht aber nicht aus. Unerläßlich ist es vielmehr, die kulturelle Herausforderung des neuen Kommunikationshorizonts anzunehmen, vor die seine Protagonisten gestellt sind. Die sogenannte "Medienkultur" erfordert deshalb von der Kirche ein Überdenken und eine Überprüfung ihres Glaubens, ihrer Botschaft und ihres Lebens.

Das alles scheint die Gemeinschaft der Gläubigen aufzurufen, sich auch auf europäischer Ebene noch mehr zu strukturieren. Denn um den heutigen Anforderungen zu entsprechen, genügen improvisierte und bahnbrechende Initiativen nicht. Man muß wirksam und der Situation entsprechend methodisch vorgehen. Es ist wichtig und notwendig, eine gezielte Strategie zu entwickeln, die für alle Kirchen Europas gilt, damit man in der Medienkultur einen Weg der Evangelisierung und des Dienstes am Menschen aufzeigt, der die neuen Ausdrucksmittel und neuen Technologien berücksichtigt.

80. Im heutigen Kontext, der vor allem eines tiefgehenden kulturellen und nicht so sehr wirtschaftlichen, sozialen und politischen Wandels bedarf, scheint es wichtig - will man Europa neue Hoffnung geben -, eine neue Pastoral der Kultur anzuwenden.

Durch die Schule wie auch durch die Förderung und Entwicklung des intellektuellen und akademischen Lebens soll diese Pastoral darauf zielen, die zur Zeit verstreuten Aspekte der europäischen Kultur zu einer wirklich auf menschliche Bildung ausgerichteten Synthese zusammenzufassen, die für die geistigen Werte offen ist und die Würde der Person achtet.

Und das soll auf der Linie jener europäischen kulturellen Tradition geschehen, die ihre Wurzeln im Evangelisierungswerk der Kirche und in der Christus-Begegnung möglichst vieler Menschen aller Stände und Kulturen hat. Die Grundwerte, die Europa entwickelt und der Menschheit vermittelt hat, sind tatsächlich das greifbare Zeichen einer vollzogenen Inkulturation des Glaubens, die eine Synthese der Präsenz und des Zeugnisses hervorgebracht hat, die zur Entwicklung des ganzen Menschengeschlechtes beigetragen haben. Aus der Begegnung der Griechen, der Latiner, der Barbaren, der Slawen mit Christus ist "eine europäische und christliche Lebens- und Denkweise" entstanden, die eines der bedeutendsten Modelle der Inkulturation des Glaubens und eine der reichhaltigsten Synthesen zwischen Glaube und Vernunft, zwischen Christusnachfolge und Zugehörigkeit zu einem Volk oder einer Tradition darstellt.

Die Aufgabe, die Europa bevorsteht, wobei die Bedeutung seiner Identität und seiner Urtümlichkeit im Gesamten der Menschheit auf dem Spiel steht, liegt in der Fähigkeit der Christen, zu den Wurzeln ihres Glaubens an den Auferstandenen zurückzukehren, um eine neue Ära zu beginnen mit einer Inkulturation, die die neuen Probleme in Europa anzupacken weiß.

81. Angesichts eines heute verbreiteten anthropologischen Modells, das sich auf den Begriff der Person "ohne Berufung" bezieht, und angesichts des Problems der Anzahl und Qualität von Berufungen, das in fast allen europäischen Kirchen deutlich hervortritt und Besorgnis erregt, scheint allen eine angemessene Pflege der Berufungen vordringlich und wichtig zu sein. Unerläßliche Voraussetzung für die Kirche ist auch, daß sie ihre umfassende Pastoraltätigkeit ausüben kann. Die Pflege der Berufungen ist eine Schlüsselaufgabe für die Zukunft des christlichen Glaubens in Europa und zugleich für die religiöse Erneuerung der europäischen Völker. Somit ist die Förderung geistlicher Berufe ein obligatorischer Schritt für die Kirche, wenn sie dem heutigen Europa neue Hoffnung geben will.

In dieser Hinsicht und in der Gewißheit, daß der Geist auch heute wirksam ist und ruft und daß die Zeichen dieser Gegenwart nicht fehlen, geht es darum, den Berufsaufruf in die allgemeine Pastoral einzugliedern und der Berufungspastoral den Anstrich der Gemeinsamkeit, der Popularität und der Kontinuität zu geben. Wie Johannes Paul II. betonte, ist es notwendig, "vor allem in den Jugendlichen eine tiefe Sehnsucht nach Gott zu wecken und damit das Terrain für hochherzige Berufsentscheidungen zu bereiten". Es ist dringlich, daß "eine ausgedehnte Gebetsbewegung die kirchlichen Gemeinschaften Europas erfaßt und sich dem Ansturm des Säkularismus entgegenstellt, der dazu drängt, die menschlichen Mittel, die Leistungsfähigkeit und das pragmatische Lebensmodell vorzuziehen". Es ist notwendig, "einen Qualitätssprung in der Berufungspastoral der europäischen Kirchen zu vollziehen", weil "die veränderten geschichtlichen und kulturellen Bedingungen es erfordern, daß die Berufungspastoral als eine der vorrangigsten Zielsetzungen der ganzen christlichen Gemeinschaft gesehen werden". Es geht darum, "eine neue Kultur der Berufung unter den Jugendlichen und den Familien zu fördern".(91)

Nicht vernachlässigen darf man in diesem Bereich diejenigen, die bereits in das geweihte Amt oder in das geweihte Leben eingegliedert sind und gestützt und ermutigt werden müssen. Angesichts ihrer zahlenmäßigen Verringerung in vielen Teilen Europas und der größeren pastoralen Last und damit verbundenen Ermüdung geht es darum, brüderlichen und aufmerksamen Trost zu spenden. Das möge ihnen helfen, den hohen Wert ihres Dienstes zu erkennen, ihre Arbeitsweise und ihr Pensum zu überdenken und die Freude eines ganz dem Herrn geschenkten Lebens wiederzufinden und zu manifestieren als konkretes Zeugnis der Sinngebung, das ansteckend wirkt auf andere und sie zur radikalen Nachfolge des Herrn einlädt.

82. Von außerordentlicher Bedeutung ist auch die Bildung engagierter christlicher Laien als Verantwortungsträger. Der soziale Kontext und das moralische, kulturelle und geistige Klima im heutigen Europa erfordern ganz dringend eine solche Bildung der Laien, und diese ist besonders notwendig auf Grund der aggressiven Rhythmen und des Alltagsstresses sowie des Drucks, der vom Erfolgsstreben, vom Konsumverhalten und insbesondere von einem massiv zur Schau gestellten Erotismus ausgeübt wird. Die vorgenannte Bildung der Laien ist auch notwendig auf Grund der Unsicherheit und des Skeptizismus, die einen großen Teil der Kultur beherrschen und sich sogar in die Suche nach Spiritualität und Religiosität einschleichen, die in den jüngsten Jahren in Formen aufgetaucht ist, die einer aufmerksamen Unterscheidung bedürfen.

Diese Bildung erfordert eine allgemeine Spiritualität als Ausgangspunkt für eine Präsenz als Christen in Europa, die in neuer Weise das christliche Menschenbild darzustellen weiß, das eines der schönsten kulturellen Erbteile unserer Geschichte ist. Diese ganzheitliche und durch strenge Übung im kirchlichen Leben gereifte Bildung und Formung soll darauf abzielen, daß die Laien den Lebensalltag als bevorzugten Ort entdecken, um den Glauben an den auferstandenen Christus zu bezeugen und zu verkündigen. Im Bewußtsein, daß die konkrete und komplexe Welt der Bereich ihrer Evangelisierungstätigkeit ist, sollen die Laien immer mehr selbständige und verantwortliche Mitwirkende an der Geschichte werden, die im Licht des Evangeliums gestaltet wird. So ausgebildet, "wird es den Christen noch mehr angelegen sein, die wahren, dem Evangelium entsprechenden Werte in allen Lebensbereichen und besonders im politischen, wirtschaftlichen und sozialen Leben, deren Evangelisatoren sie sind, zu manifestieren und zu schützen. Das wird noch wichtiger in den letzten Jahren dieses Jahrhunderts, in dem wir auf eine Neuordnung Europas zugehen, wo neue Bande zwischen den Mitgliedsstaaten, aber auch mit den anderen Kontinenten geknüpft werden. Eine Neuordnung, die der Förderung der moralischen Dimension der zwischenmenschlichen Beziehungen bedarf".(92)

In diesem weitgesteckten und gegliederten Rahmen scheint es dringend geboten, wertvolle Berufungen zu wecken und zu fördern, die dem Gemeinwohl dienen: Menschen, die nach dem Beispiel und dem Stil der sogenannten "Väter Europas" fähig sind, Baumeister der europäischen Gesellschaft von morgen zu sein, und sie auf die soliden Fundamente des Geistes gründen.

Der Einsatz für den Aufbau des neuen Europa

83. Wie bereits bei der ersten Sonderversammlung der Bischofssynode für Europa festgehalten wurde, "stellen der europäische Einigungsprozeß und besonders die europäischen Institutionen und die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa die Kirchen vor eine schwere, verantwortungsvolle Aufgabe. Das gemeinsame europäische Haus kann nur dann auf sichere Fundamente gebaut werden, wenn es nicht nur aus wirtschaftlichen Beweggründen erwächst. Ja, das neue Europa setzt für seinen Aufbau immer den Konsens und die Anerkennung der Grundwerte voraus und erfordert eine reine ideelle Inspiration. In dieser Hinsicht ist der Beitrag der Kirche für das neue Europa gewiß nicht zweitrangig und muß mit dem Einsatz der im sozialen und politischen Bereich tätigen Laienchristen einhergehen".(93)

Das ist eine Überzeugung, die die Synode auch heute zum Ausdruck bringen will in einem Augenblick, wo die europäische Situation neue Fragen aufwirft und ein Überdenken der kirchlichen Präsenz in Europa geboten scheint. Die europäische Einigung geht jetzt auf einem vorwiegend wirtschaftlichem Geleise voran, auf dem das politische Element den eiseren Regeln des Geldes unterworfen ist. In sozialer und kultureller Hinsicht ist der Weg noch ungewiß. Welche Rolle die Kirchen übernehmen können, ist noch unklar, und es besteht die große Gefahr, daß sie zu Untergruppen des Gesellschaftssystems zusammenschrumpfen. Die Lage würde sich noch verschlechtern, wenn man über die Ausgrenzung der Kirche in eine Randposition hinaus ein soziologisches Rollenverständnis der Gläubigen in der neuen europäischen Situation vorzöge.

Daraus erwächst eine geschichtliche Verantwortung, die die Kirchen und die Christen unbedingt mit großer Wachsamkeit und Engagement wahrnehmen müssen.

In diesem Sinn sind die Präsenz und der Einsatz von Christen, Männern und Frauen, entscheidend, die in das Leben Europas und in seine Einigung die Achtung jeder Person und der verschiedenen menschlichen Gemeinschaften einzubringen wissen, indem sie deren geistige, kulturelle und soziale Dimension anerkennen und so denjenigen neue Hoffnung geben, die sie verloren haben, und die soziale Integration derer begünstigen, die in Europa leben oder ihren Wohnsitz nehmen.(94)

84. Einen Beitrag, den die Kirche zum Aufbau Europas leisten soll, bildet auch die soziale Lehre der Kirche. Die in diesem Jahrhundert entwickelte Soziallehre wurde im Lehramt Johannes Pauls II. vollendet, der in Centesimus annus eine universale Lehre mit den europäischen Ereignissen von 1989 verbinden wollte. Aus diesem Weg erwächst auch die Aufgabe, die den Kirchen beim Aufbau der europäischen Einheit gestellt ist.

Es geht wirklich darum, die Würde des europäischen Menschen von heute und von morgen zu festigen, zu schützen und zu fördern, wobei man sich von der kirchlichen Soziallehre leiten und ausrichten läßt, die sich schon mit den heutigen Problemen auseinandersetzt, die Europa hauptsächlich kennzeichnen. Darunter sind zusammenfassend zu nennen: das Problem und die Bedeutung der Arbeit im Zusammenhang mit der Globalisierung; das Phänomen der Wanderung als Schwierigkeit, die es zu überwinden gilt, wobei aber nicht nur die Gefahren, sondern auch die damit verbundenen Kapazitäten zu sehen sind; die Beziehungen zwischen den Staaten und den Nationen und die Art und Weise, "Politik zu betreiben" im Hinblick auf ein allmähliches Überdenken der absoluten nationalen Souveränität; die Verantwortung gegenüber den ärmeren Ländern in der Welt mit dem ernsten Problem der internationalen Verschuldung; der Einsatz für den Frieden, der in der Wahrheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Überzeugung aufzubauen ist, daß Europa angesichts der Tragödien und Kriege, die weiterhin Völker und Nationen treffen, nicht fernstehen, tatenlos, gespalten oder ständig hinterher sein darf, sondern seine tatsächliche Fähigkeit beweisen muß, allen Völkern des Kontinents und auch darüber hinaus die Bedingungen für eine freie Entwicklung und eine authentische Demokratie sicherzustellen.

85. Gemäß der Soziallehre der Kirche ist es die besondere Aufgabe der Christen, die mit den in Europa wiederauflebenden Formen von Nationalismus verbundene Problematik anzugehen. Die Problematik erwächst manchmal aus einer unverschuldeten und unannehmbaren Überbewertung und Verabsolutierung der nationalen Zugehörigkeit und der Rolle der Nation. Indem man an das in der vergangenen Synode Gesagte anknüpft und jede Überlappung von "nationaler Identität" und "religiöser Identität" vermeidet, ist es notwendig, ein aufnahmebereites und solidarisches Zusammenleben anzustreben, das durch ein angemessenes Verständnis der "Katholizität" der Kirche herbeigeführt und gefördert wird.

In dieser Beziehung könnte auch von der Synode ein starker Anstoß kommen, die Vorstellung von Nation neu zu überdenken mit der Überzeugung einerseits, daß die nationalen Unterschiede als Fundament der europäischen Solidarität beibehalten und gepflegt werden müssen, und anderseits, daß die nationale Identität nur durch die Öffnung zu anderen Völkern und durch die Solidarität mit ihnen verwirklicht werden kann. Daher ist es dringend notwendig, sich vom Begriff der "Familie der Nationen" inspirieren und leiten zu lassen, der noch vor dem einfachen Recht die Beziehungen zwischen den Völkern kennzeichnen muß.(95) Dabei können die Religionen und unter ihnen vor allem die katholische Kirche - weit entfernt davon, unrechte nationalistische Tendenzen zu unterstützen, in die sie manchmal verwickelt waren - eine entscheidende Rolle spielen, ausgehend von der grundlegenden Anerkennung des göttlichen Primats und der damit verbundenen universalen Brüderlichkeit.

In dieser Richtung geht es darum, in angemessener Weise zwischen Nationalismus und Patriotismus zu unterscheiden; zwischen positiven und negativen nationalen Gefühlen auszuwählen; die Rechte der Minderheiten gegen die Tendenz der Einförmigkeit anzuerkennen und zu schützen; das Recht jeder Nation zu achten und zu fördern, die eigene nationale Souveränität zu bewahren; Formeln zu finden, die, indem sie die Identifizierung zwischen "Staat" und "Nation" überwinden, den verschiedenen Völkern erlauben, in einer einzigen Staatseinheit zu leben, weil sie die eigenen Rechte und die eigene Identität weitgehend geschützt sehen.

Ein Leitbild für dieses dringend notwendige Überdenken dürfte das der "Kultur der Nation" sein, gesehen als Ort, wo die fundamentale Souveränität der Gesellschaft zum Ausdruck kommt; dabei werden der Begriff und die Wirklichkeit der Nation in der vitalen Spannung zwischen Universalität und Partikularität, die für die menschliche Befindlichkeit charakteristisch ist, bewahrt und interpretiert; in einer unvermeidlichen, aber außerordentlich fruchtbaren Spannung, wenn sie ausgewogen gelebt wird.

All das erfordert natürlich Intelligenz und Weitblick für entsprechende juridische Formulierungen, aber auch für den Erfolg, zu dem die Christen einen nicht unbedeutenden Beitrag leisten können.

Partikularität und Universalität aufeinander abstimmen in einer positiven Sicht, die die Reichtümer der Singularitäten und die Notwendigkeit der gemeinsamen Synthese anerkennt, ist ein Zeichen der Hoffnung, das die Kirche von ihrem Wesen her in Europa setzen kann. Ihre Aufgabe besteht darin, die Entwicklung der nationalen, partikulären und ethnischen Gesellschaften zu begleiten und zu stärken, indem sie den Glauben an Christus in die neuen Kontexte durch den Einsatz der Gläubigen in den verschiedenen Lebensbereichen einpflanzt, aber auch dadurch, daß sie das Entstehen einer national übergeordneten Gesellschaft begünstigt, das von der Katholizität des christlichen Glaubens geprägt ist.

Um wahrhaft Hoffnungsträger auf einer Bühne der nationalistischen Gegensätze zu sein - d.h. der historischen Erfahrung des Faschismus, des Nazismus und des Kommunismus mit den von ihnen verursachten Übeln und mit der schweren Erblast, die sie in den Herzen der Menschen, in der Kultur und im Zusammenleben hinterlassen haben,- ist es notwendig, der Vergebung und Versöhnung Raum zu geben. Von der Synode könnte eine machtvolles Wort und eine dringende Einladung hierzu kommen mit der Überzeugung, daß "Vergebung und Versöhnung bedeuten, das Gedächtnis von Haß, Groll und Rachegelüsten zu reinigen; sie bedeuten, auch den, der uns Böses angetan hat, als Bruder anzunehmen; sie bedeuten, sich nicht vom Bösen zu besiegen zu lassen, sondern das Böse durch das Gute zu besiegen (vgl. Röm 12, 21)".(96)

86. Nicht zu vergessen ist, daß der Beitrag der Kirchen zum Aufbau der Einheit eines neuen nach den Werten des Geistes geformten Europas auch durch den Lebensalltag der Kirchen verwirklicht wird. In dieser Richtung zum Beispiel gilt es: einen tatsächlichen und fruchtbaren "Gabenaustausch" zwischen allen Kirchen und allen kirchlichen Gemeinschaften in Europa fortzusetzen, der Voraussetzung und Beitrag für die Überwindung der Distanz zwischen Ost- und Westeuropa ist; die Präsenz und das Wirken des geweihten Lebens zu nutzen, wobei man das gemeinschaftliche Zeugnis, das von ihm ausgeht, in den Vordergrund rückt; Gelegenheiten zu Begegnung und zum Austausch auch unter den Laien zu fördern, etwa durch besondere Initiativen, die sie weitgehend miteinbeziehen; den Formen der "Volksökumene" Raum zu geben, die schon bedeutsame Erfahrungen in den Tagungen von Basel und Graz gebracht hat.

Eine Sonderrolle können und müssen in dieser Beziehung die europäischen Strukturen und Organismen der kirchlichen Gemeinschaft spielen, angefangen vom Rat der Europäischen Bischofskonferenzen. Er hat die Aufgabe, "zwischen den Diözesen und den nationalen Bischofskonferenzen eine immer intensivere Gemeinschaft aufzubauen, ferner die ökumenische Zusammenarbeit unter den Christen und die Überwindung der Hindernisse zu fördern, die die Zukunft des Friedens und des Fortschritts der Völker bedrohen; endlich auch die affektive und effektive Kollegialität und die hierarchische communio zu verstärken".(97) Indem er sich bei seiner Tätigkeit von der communio und Solidarität inspirieren läßt, kann der Rat die Planung und Verwirklichung gemeinsamer pastoraler Strategien fördern, die von allen Kirchen Europas geteilt werden. Dank seines Bemühens "wird die Kirche versuchen müssen, der kontinentalen Gemeinschaft ein 'Mehr an Seele' einzuflößen, um in ihr das neu lebendig zu machen, was man die 'Seele Europas' nennen könnte".(98) Nicht zu vergessen ist die Notwendigkeit, die Aktivität dieses Rates und die der Bischöflichen Kommision der Europäischen Gemeinschaft auszubauen und enger miteinander zu verbinden mit Rücksicht auf die notwendige Präsenz der Kirchen in den europäischen zivilen Institutionen.(99)

87. Wenn dann, wie es sein soll, das neue Europa ein für die universale Solidarität offenes Europa ist, können und sollen die europäischen Kirchen ihren Beitrag leisten, indem sie zu einer wahren und universalen "Kultur der Solidarität" anregen, der Mission "ad gentes" neuen Antrieb und Schwung geben, den eigenen Horizont erweitern und auch mit den Kirchen der anderen Erdteile Kontakt aufnehmen und Vereinbarungen treffen. "Es geht darum, die starke Solidarität hervorzuheben, die zwischen Europa und den Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas besteht. Der europäische Kontinent und die auf ihm wirkenden Kirchen besitzen hier Verdienste, haben aber auch Pflichten zu erfüllen. In diesem Bewußtsein zu wachsen und in der solidarischen Überzeugung zu reifen, daß die einen für die anderen verantwortlich sind, vor allem für die Ärmsten und weniger vom Glück Begünstigten", wird ein ständiges Anliegen der Christen und der Kirchen sein, wenn sie das "Evangelium der Hoffnung" durch das Zeugnis der Liebe und den Dienst am Nächsten verbreiten wollen.(100) Das ständige Bestreben der Christen und der Kirchen, das Zeugnis der Liebe zu leben, wird ein weiterer Beitrag zur Verbreitung des "Evangeliums der Hoffnung" sein.


Schluß

Das Gedächtnis der Märtyrer

88. Höchste Inkarnation des "Evangeliums der Hoffnung" ist das Martyrium. Tatsächlich verkünden die Märtyrer dieses Evangelium und legen dafür Zeugnis ab durch die Hingabe ihres Lebens bis zum Blutvergießen, denn sie sind sicher, daß sie ohne Christus nicht leben können, und bereit, für ihn zu sterben in der Überzeugung, daß Jesus der Herr und der Erlöser des Menschen ist und daß also der Mensch nur in ihm die wahre Fülle des Lebens findet. Auf diese Weise sind sie bereit, der Mahnung des Apostels Petrus entsprechend, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die sie erfüllt (vgl. 1 Petr 3, 15). Die Märtyrer bezeugen "das Evangelium der Hoffnung" auch, weil die Hingabe ihres Lebens die äußerste und größte Manifestation jenes lebendigen und heiligen Opfers darstellt, das Gott gefällt und das der wahre und angemessene Gottesdienst ist (vgl. Röm 12, 1), Ursprung, Seele und Höhepunkt jedes christlichen Gottesdienstes. Sie verbreiten das "Evangelium der Hoffnung", indem sie durch ihr Martyrium in höchstem Grad die Liebe und den Dienst am Menschen ausdrücken, insofern sie zeigen, daß der Gehorsam gegenüber dem Gesetz des Evangeliums ein moralisches Leben und ein soziales Zusammenleben bewirkt, das die Würde und die Freiheit jeder Person hochschätzt und fördert.

Von diesen Gewißheiten angeregt, weiß die Synode, daß sie dem Europa von heute ein "großes Zeichen der Hoffnung" anbieten kann, wenn sie das Gedächtnis der "großen Erfahrung des Martyriums" ehrt, "in welcher Orthodoxe und Katholiken in den Ländern Osteuropas in diesem unseren Jahrhundert verbunden wurden".(101) Diese besondere Ernte von Märtyrern des 20. Jahrhunderts, vielleicht die größte seit den ersten Jahrhunderten des Christentums,(102) erstrahlt als Zeichen der Hoffnung, weil es für heute und für morgen die Lebenskraft der Kirche deutlich macht, die aus der Ernte des Evangeliums erwächst, denn - wie Tertullian sagte - "das Blut der Märtyrer ist der Samen für neue Christen".(103) "Die wirklichen Märtyrer des 20. Jahrhunderts [...] sind Licht für die Kirche und die Menschheit: 'Die Christen Europas und der Welt, die an der Schwelle der ehemaligen Konzentrationslager und Gefängnisse im Gebet ihr Haupt senken, müssen ihnen für jenes Licht dankbar sein; es war das Licht Christi, das sie in der Finsternis zum Leuchten gebracht haben' (Apostolisches Schreiben zur Vierhundertjahrfeier der Union von Brest, 12. November 1995, 4)".(104) Gerade weil sie verschiedenen christlichen Konfessionen angehörten, erstrahlen diese neuen Märtyrer auch als Zeichen der Hoffnung für den ökumenischen Weg mit der Gewißheit, daß ihr Blut auch Lebenssaft für die Einheit der Kirche ist. "Wenn am Ende des zweiten Jahrtausends 'die Kirche erneut zur Märtyrerkirche geworden' ist (Tertio millennio adveniente, 37), dürfen wir hoffen, daß ihr Zeugnis - mit Sorgfalt in den neuen Martyrologien gesammelt - und vor allem ihre Fürsprache den Zeitraum bis zur vollen Gemeinschaft zwischen Christen aller Konfessionen [...] verkürzen mögen".(105)

Die Gegenwart Marias, Mutter der Hoffnung

89. Aber es gibt ein anderes "Zeichen der Hoffnung", das die Kirchen Europa anbieten können. Es ist die Gegenwart Marias, der Mutter der Hoffnung, eine lebendige und wahre Gegenwart, an die die christlichen Völker Europas immer geglaubt haben, wie es die zahlreichen Marienheiligtümer bezeugen, die als deutliches Zeichen der innigen Verehrung ihr gegenüber in allen Nationen und in allen Ländern über ganz Europa verstreut sind.

Die heiligste Jungfrau, die "Frau der Hoffnung, die wie Abraham den Willen Gottes anzunehmen wußte 'voll Hoffnung gegen alle Hoffnung' (Röm 4, 18)",(106) hat sich mehrmals als Mutter gezeigt, fähig, in schwierigen Augenblicken der Geschichte Europas Hoffnung zu geben. Sie hat durch ihren ständigen Schutz ungeheure Schäden und Zerstörungen vermieden, den Fortschritt und die modernen sozialen Errungenschaften begünstigt und die Wiedergeburt von Völkern unterstützt, die lange Zeit unterdrückt und gedemütigt waren.(107) Heute wie gestern ist sie unterwegs mit den Menschen jeden Alters und jeden Standes, mit den Völkern, die auf Solidarität und Liebe zielen, mit den Jugendlichen, den Baumeistern der kommenden Tage des Friedens, mit allen in West- und Osteuropa, die ihre wahre Identität suchen, mit denen, die noch von so vielen gewalttätigen Konflikten bedroht sind.

Um Europa neue Hoffnung zu geben, müssen die Kirchen auf Maria schauen und sie anrufen, damit sie sich weiterhin als Mutter der Hoffnung zeigt und ganz Europa auf dem Weg des Erbarmens zur erneuernden Begegnung mit "Jesus Christus, unsere Hoffnung" (1 Tim 1, 1) führt. Denn Maria lehrt uns, für die Eingebungen Gottes offen zu sein, das Wort Gottes aufzunehmen und zu befolgen. Wie sie am Pfingstmorgen mit ihrem Gebet unter dem Wirken des Heiligen Geistes den Beginn der Evangelisierung einleitete, so ist Maria auch heute, am Vorabend des dritten Jahrtausends, der "Leitstern der Evangelisierung" und schützt und stützt die Kirche weiterhin bei ihrer Aufgabe, das "Evangelium der Hoffnung" durch die Verkündigung, den Gottesdienst und den Dienst am Nächsten zu verbreiten.(108)

Von der Synode zum Jubiläum

90. Begleitet und beschützt von dieser Schar von Märtyrern und der mütterlichen Gegenwart Marias sicher, bereiten sich die europäischen Kirchen auf das Große Jubiläum des Jahres 2000 vor. Die Synode - die letzte der Synoden mit kontinentalem Charakter, die in diesen Jahren der Vorbereitung abgehalten wurden - stellt die offene Tür zum Jubiläum dar.

Gerade weil sie als letzte in der Reihe der anderen Sonderversammlungen der Bischofssynode stattfindet - die über die Sendung der Kirche heute in Afrika, in Amerika, in Asien und in Ozeanien beraten haben, wobei sie geschichtliche, kulturelle und religiöse Besonderheiten der einzelnen Erdteile herausstellten -, kann sie eine günstige Gelegenheit sein, um an das Band zu erinnern, das Europa mit den anderen Erdteilen auf Grund des Evangeliums und seiner Verkündigung verbindet, aber auch um die Ursprünglichkeit der europäischen Erfahrung und seiner Kulturen wiederzufinden, die trotz der verschiedenen Strömungen, die sie bilden halfen, gemeinsam ist, und um die Verpflichtungen zu übernehmen, die Europa und seine Kirchen der Welt gegenüber haben.

Die Synode wird auch eine günstige Gelegenheit sein, um im Sinn eines Gabenaustausches das aufzunehmen, was die anderen Kirchen den europäischen Kirchen zu sagen haben, so daß sie zusammen im Zeichen der universalen Gemeinschaft in der Erkenntnis, der Begegnung und der Verkündigung Christi zum Wohl der Menschheit wachsen.

91. Gerade weil sie unmittelbar vor Beginn des Jubiläums stattfindet, kann und soll die Synode in enger Verbindung mit diesem außerordentlichen Ereignis der universalen Kirche gesehen werden. In diesem Sinn wirft das Jubiläum durch seine Inhalte und vielfältigen Schattierungen ein wohltuendes Licht der Interpretation auf die Synode und ihre Arbeiten, und die Synode ihrerseits bietet den europäischen Kirchen anspruchsvolle Aufgaben und konkrete Weisungen an, damit sie das Geschenk des Heiligen Jahres voll leben können.

Jubiläum und Synode verweisen also aufeinander, und das, was das Jubiläum in Erinnerung ruft, ist für die Arbeiten der Synode Antrieb und noch deutlicher Bild des heutigen Europas und seines Anspruchs auf Erneuerung.

Das Jubeljahr war von Anfang an (vgl. Lev 25) eine Zeit, die in besonderer Weise Gott gewidmet war, eine Gelegenheit, um das wahre Antlitz Gottes wiederzufinden und wiederzuerkennen und um zu ihm zurückzukehren.(109) So bot sich dem ganzen Volk die Möglichkeit eines neuen Lebens in Gerechtigkeit. Das ist auch die Aufgabe, die dem heutigen Europa gestellt ist: Es muß zu Gott zurückfinden und die festen Fundamente seines Hauses auf ihn stützen. Nur so wird es neue Hoffnung schöpfen und eine neue Zeit der Freiheit, der Einheit und des Friedens anbrechen sehen. Während die Kirche auf der Synode den Glauben an den Herrn Jesus, Gottes vollkommene Offenbarung, bekennt und vorstellt, leistet sie ihren unersetzlichen Beitrag zum Beginn einer neuen Ära für Europa.

Das Erkennen des wahren Antlitzes Gottes war mit der Verpflichtung zur Wiederherstellung der Gerechtigkeit verbunden.(110) Denn wer erkennt, daß der uns von Jesus offenbarte biblische Gott ein Gott ist, der auf der Seite derer ist, die Gerechtigkeit suchen und in Not sind, ein Gott, der aus Ägypten herausführt und Herrscher der Welt ist, der muß sich darum bemühen, Gerechtigkeit walten zu lassen. Das ist eine Aufgabe, die Europa heute gestellt wird, denn es soll innerhalb seiner Grenzen ein Zusammenleben verwirklichen, das Schranken, Konflikte und Teilungen überwindet und Einheit, Aufnahmebereitschaft, Solidarität und Frieden wachsen läßt, und durch konkrete, verantwortliche Entscheidungen auf den Schrei des Leidens antworten, der von so vielen Menschen kommt, die in der Welt in Ungerechtigkeit, im Krieg und im Elend leben. Auf der Synode macht sich die Kirche zur Bahnbrecherin eines so gestalteten Europas, indem sie Wege zeigt, die durch das Zeugnis der Liebe und der wachsenden Solidarität das "Evangelium der Hoffnung" verbreiten.

Das ausgehende zweite Jahrtausend ruft alle zur Gewissensprüfung auf, und die Kirche - will sie in das Jubiläum eintreten und es leben - kann die Schwelle des neuen Jahrtausends nicht überschreiten, ohne ihre Kinder anzuleiten, sich durch Reue von Irrungen, Treulosigkeiten, Inkonsequenzen und Verspätungen zu reinigen.(111) Wie die geschichtlichen Ereignisse dieses Jahrhunderts und der früheren Jahrhunderte von Europa den Mut und Weitblick einer ernsthaften Gewissensprüfung in Anerkennung von Schuld und Irrtümern erfordern, die im Laufe der Geschichte auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet gegenüber Nationen begangenen wurden,(112) so verlangt das geistige, kulturelle und soziale Klima von den heutigen Europäern, nach den tiefen Ursachen zu forschen und zu bekennen, daß sie die Inspiration und die Wurzeln oft außer Acht ließen, die den Weg Europas gestützt und gefördert haben. Die Kirche will auf der Synode diese Gewissensprüfung begünstigen und anregen, weil sie in der ethisch-anthropologischen Frage und in der Glaubensfrage die deutlichen Ursachen einer Situation und eines Lebensstils erkannt hat, die einer wegweisenden und sinngebenden Inspiration bedürfen.

Das Jubiläum "soll ein großes Lob- und Dankgebet vor allem für das Geschenk der Menchwerdung des Gottessohnes und der von ihm vollbrachten Erlösung sein"(113) sowie für die lebendige und heilbringende Gegenwart Christi in der Kirche und in der Welt. Indem die Gegenwart des Auferstandenen anerkannt und gefeiert wird, wird es auch ein intensiv eucharistisches Jahr sein.(114) Europa ist aufgerufen, für seine 2000 jährige Geschichte zu danken, die von der Begegnung mit dem Evangelium geprägt und beseelt wird, und für die Zeit voll Verantwortung und Gnade, die ihm heute zu leben gegeben ist. Indem sie eine neue Begegnung mit Christus begünstigt und anregt, hilft die Kirche auf der Synode mit dieser Wegweisung ihren Gliedern und allen Europäern, die Freude wiederzufinden und zu erneuern, die sich dem bietet, der verantwortlich durch die Straßen der Welt geht und andere mit dieser Freude ansteckt und sie miteinbezieht, wie es den Jüngern von Emmaus ergangen ist, nachdem sie Ihn beim Brotbrechen erkannt hatten (vgl. Lk 24, 30-31).

Dank dessen und durch das, was die Synode in das Leben der Kirchen und ganz Europas säen wird, wird die Hoffnung neu erblühen, und die europäischen Menschen werden voller Eifer ein neues Europa aufbauen, und ihre Herzen werden voll Freude sein.

Es geht darum, weitblickende Augen zu haben, um die Zeichen dieser Hoffnung zu erkennen, die schon da sind und die es zu erkennen und zu nutzen gilt. Dann wird das Jubiläum auch für Europa eine Einladung zum Fest und eine Quelle der Freude sein.

 


 

INHALT

 

Einführung

Einleitung: Zwei Synoden für Europa

Erster Teil: Europa auf dem Weg ins dritte Jahrtausend

Unterscheidung der "Zeichen der Zeit"

Die Zeichen der Zeit unterscheiden

Die "res novae" im Europa des letzten Jahrzehnts

Möglichkeiten und Gründe zur Hoffnung

Enttäuschungen, Gefahren und Besorgnisse

Kritische Untersuchung einiger Fragen und Probleme

Haltungen der Kirchen und Suche nach den kulturellen Wurzeln

Die zentrale Rolle der "Glaubensfrage"

Zweiter Teil: Jesus Christus lebt in seiner Kirche,

als Stütze der Wahrhaftigkeit und Lebenskraft des Glaubens

Der Glaube an den Auferstandenen, der die Herrlichkeit Gottes offenbart

Das Verlangen nach Jesus Christus

Jesus Christus, der Auferstandene, einziger Erlöser

Jesus Christus ist in der Kirche gegenwärtig

Die Kirche als "Geheimnis" und "Gemeinschaft"

Dritter Teil: Jesus Christus, Hoffnung für Europa

Eine Kirche, die das "Evangelium der Hoffnung" durch die Verkündigung, den Gottesdienst und den Dienst am Nächsten verbreitet

Aus der Begegnung mit Jesus geht die Sendung hervor

Europa neue Hoffnung geben

Eine Kirche, die die Gegenwart und das Handeln Christi und seines Geistes erkennt und annimmt

Eine Kirche, in der Christus durchscheint und die ihm gleichgestaltet ist

Anspruch und Verlangen nach Spiritualität müssen geprüft werden

Eine Kirche als wahrer Ort der Gemeinschaft

Die Gemeinschaft in der Kirche muß geprüft werden

Das "Evangelium der Hoffnung" verkündigen

Martyria

Ein "Mehr an Seele" für Europa

Die Neuevangelisierung

Evangelisierung und Ökumene

Dialog mit dem Judentum und den anderen Religionen

Das Sektenproblem

Das "Evangelium der Hoffnung" durch den Gottesdienst feiern

Leitourgia

Die Gegenwart des Auferstandenen in den heiligen Geheimnissen

Das liturgische Leben braucht eine Prüfung

Das "Evangelium der Hoffnung" durch den Dienst am Nächsten verbreiten

Diakonia

Das Zeugnis der Nächstenliebe

Baumeister der Gemeinschaft und Solidarität

Einige pastorale Aufgaben und Prioritäten müssen gefördert werden

Der Einsatz für den Aufbau des neuen Europa

Schluß

Das Gedächtnis der Märtyrer

Die Gegenwart Marias, Mutter der Hoffnung

Von der Synode zum Jubiläum

Inhalt

 


 

NOTEN

 

(1) Johannes Paul II., Ansprache an die Vollversammlung des Päpstlichen Rates für die Kultur (12. Januar 1990), 1-2, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 4/1990, S.9.

(2) Johannes Paul II., Ansprache an das beim Hl. Stuhl akkreditierte Diplomatische Corps beim Austausch der Neujahrsglückwünsche (13. Januar 1990), 9, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 5/1990, S. 7.

(3) Bischofssynode, erste Sonderversammlung für Europa, Schlußerklärung, 3.

(4) Johannes Paul II., Predigt bei der heiligen Messe in Gnesen [Polonien] (3. Juni 1997), 4, in "L'Osservatore Romano deutsch"Nr. 24/1997, S. 9-11.

(5) Ebd., 5.

(6) Ebd.

(7) Vgl. Johannes Paul II., Apost. Schreiben Tertio millennio adveniente, (10.XI.1994), 38: AAS 87(1995)30.

(8) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache beim Angelus in Berlin [Deutchland] (23. Juni 1996), 2, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 26/1996, S.8.

(9) Augustinus, Rede 235,2.3: PL 38, 1118.

(10) Vgl. II.Vatikanisches Ökumenisches Konzil, Const. past. de Ecclesia in mundo huius temporis Gaudium et spes, 4, 11.

(11) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache beim "Regina caeli" in Velehrad [Czech Republik] (22. April 1990), 2, in "L'Osservatore Romano deutsch " Nr. 17/1990, S. 3.

(12) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache an die Mitglieder der Tagung zur Vorbereitung der Sonderversammlung der Bischofssynode für Europa (5. Juni 1990), 9, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 26/1990, S. 10.

(13) Johannes Paul II., Ansprache an die Niederländische Bischofskonferenz beim "ad limina"-Besuch (11. Januar 1993), 2, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 4/1993, S. 11.

(14) Bischofssynode, erste Sonderversammlung für Europa, Schlußerklärung, 1.

(15) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache bei der Begegnung mit den kirchlichen Bewegungen und neuen Gemeinschaften (30. Mai 1998), 5-6, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 24/1998, S. 8.

(16) Ebd.

(17) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache zum Abschluß des vorsynodalen Symposions europäischer Wissenschaftler im Vatikan (31. Oktober 1991), 1, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 46/1991, S. 7; Ansprache an den neuen Botschafter Großbritanniens beim Hl. Stuhl, Andrew Eusace Palmer, bei der Überreichung des Beglaubigungsschreibens (26. September 1991), in "L'Osservatore Romano", 27. September 1991, S. 6; Brief an die Bischöfe Europas zum Beginn der Sonderversammlung der Synode (9. Oktober 1991), in "L'Osservatore Romano", 12. Oktober 1991, S. 1; Weihnachtsbotschaft "Urbi et Orbi" (25. Dezember 1991), 7, in "L'Osservatore Romano", 27./28. Dezember 1991, S.5.

(18) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache an die Vollversammlung des Päpstlichen Rates für die Kultur (12. Januar 1990), 2, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 4/1990, S. 9.

(19) Bischofssynode, erste Sonderversammlung für Europa, Schlußerklärung, 1.

(20) Ebd.

(21) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache an die Vollversammlung des Päpstlichen Rates für die Kultur (12. Januar 1990), 2, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 4/1990, S. 9.

(22) Johannes Paul II., Ansprache an die bayerischen Bischöfe anläßlich des "ad limina"-Besuches (4. Dezember 1992), 3, in "L'Osservatore Romano deutsch", Nr. 50/1992, S. 7.

(23) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache an das Europa-Parlament in Straßburg [Frankreich] (11. Oktober 1988), 7-8, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 46/1988, S. 9.

(24) Johannes Paul II., Ansprache an die Vertreter von Wissenschaft und Kultur in der Kathedrale von Maribor [Slovenien] (19. Mai 1996), 3, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 23/1996, S. 9.

(25) Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer des vorsynodalen Symposions über Europa (14. Januar 1999), 3, in "L'Osservatore Romano", 15. Januar 1999, S.5.

(26) Johannes Paul II., Ansprache beim 3. Treffen der Kirche Italiens in Palermo [Italien](23. November 1995), 2, in "L'Osservatore Romano", 24. November 1995, S. 5.

(27) Katechismus der Katholischen Kirche, 638.

(28) Paul VI., Ansprache zur Eröffnung der zweiten Sitzungsperiode des Konzils (29. September 1963), in AAS 55 (1963) 841-859.

(29)Bischofssynode, erste Sonderversammlung für Europa, Schlußerklärung, 1.

(30) Ebd., 2.

(31) Ebd., 3.

(32) Ebd.

(33) Johannes Paul II., Ansprache an die österreichischen Bischöfe anläßlich des "ad limina"-Besuches (25. April 1992), 3, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 18/1992, S. 1.

(34) Johannes Paul II., Apost. Schreiben Tertio millennio adveniente (10.XI.1994), 18: AAS 87 (1995) 16.

(35) Paul VI., Ansprache zur Eröffnung der zweiten Sitzungsperiode des Konzils (29. September 1963), in AAS 55 (1963) 841-859.

(36) Ebd.

(37) Paul VI., Ansprache bei der Generalaudienz (3. Februar 1963), in Insegnamenti di Paolo VI, III (1965) 849.

(38) Paul VI., Predigt bei der heiligen Messe im "Quezon Circle" in Manila [Philippinen] (29. November 1970), in Insegnamenti di Paolo VI, VIII (1970) 12-42.

(39) Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer des vorsynodalen Symposions über Europa (14. Januar 1999), 3, in "L'Osservatore Romano", 15. Januar 1999, S.5.

(40) Johannes Paul II., Predigt bei der Messe zur Seligsprechung von P. Rafal Chylinski in Warschau [Polonien] (9. Juni 1991), 6, in "L'Osservatore Romano deutsch", Nr. 35/1991, S. 14.

(41) Vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris missio: AAS 83 (1991) 249-340; Päpstlicher Rat für den interreligiösen Dialog, Kongregation für die Glaubensverbreitung, Instr. Dialogo e annuncio. Reflessioni e orientamenti sul dialogo interreligioso e l'annuncio del Vangelo di Gesœ Cristo (19. Mai 1991): AAS 84 (1992) 414-446.

(42) Johannes Paul II., Apost. Schreiben Tertio millennio adveniente (10. XI. 1994), 38: AAS 87 (1995) 30.

(43) Augustinus, Rede 235,2: PL 38, 1118.

(44) Katechismus der Katholischen Kirche, 788.

(45) II.Vatikanisches Ökumenisches Konzil, Const. de sacra liturgiaSacrosanctum Concilium, 7.

(46) Paul VI., Enzyklika Mysterium fidei (3. September 1965): AAS 57 (1965) 762-763; vgl. auch Ritenkongregation, Instr. Eucharisticum mysterium (25. Mai 1967) 9: AAS 59 (1967) 547.

(47) Katechismus der Katholischen Kirche, 1373, vgl. auch 1374.

(48) II.Vatikanisches Ökumenisches Konzil, Const. dogm. de Ecclesia Lumen gentium, 50.

(49) Ambrosius, Exameron, dies IV, ser. VI, c. 8,32: CSEL 32 / I,1 / 138.

(50) Johannes Paul II., Ansprache an den Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (16. April 1993), 9, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 17/1993, S. 8.

(51) Katechismus der Katholischen Kirche, 776.

(52) Vgl. ebd., 789.

(53) Ebd., 795, 807.

(54) Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Christifideles laici (30.XII.1989), 32: AAS 81 (1989) 451-452.

(55) Johannes Paul II., Ansprache an die Mitglieder des Zentralkomitees für das Große Jubiläum des Jahres 2000 (5. Juni 1996), 5, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 37/1996, S. 5.

(56) Johannes Paul II., Ansprache bei der Vesperfeier für Europa auf dem Heldenplatz in Wien [Österreich] (10. September 1983), 1, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 37/1983, S. 5.

(57) Vgl. Johannes Paul II., Botschaft an den 90. Katholikentag in Berlin [Deutchland] (23. Mai 1990), in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 22/1990, S. 8.

(58) Johannes Paul II., Ansprache an die bulgarischen Bischöfe anläßlich des "ad limina"-Besuches (7. November 1998), 3, in "L'Osservatore Romano", 8. November 1998, S. 5.

(59) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache an die spanischen Bischöfe der Kirchenprovinzen Granada, Sevilla und Valencia anläßlich des "ad limina"-Besuches (7. Juli 1998), 8, in "L'Osservatore Romano", 9. Juli 1998, S. 7.

(60) Johannes Paul II., Ansprache beim Angelus (14. Februar 1999), 1, in "L'Osservatore Romano deutsch", Nr. 8/1999, S. 1.

(61) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache an den Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (16. April 1993), 1, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 17/1993, S. 8.

(62) Johannes Paul II., Ansprache beim "ad limina"-Besuch einer Gruppe polnischer Bischöfe (12. Januar 1993), 2, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 5/1993, S. 10.

(63) Vgl. ebd.

(64) II.Vatikanisches Ökumenisches Konzil, Const. dogm. de Ecclesia Lumen gentium, 1.

(65) Ebd., 8.

(66) Johannes Paul II., Brief an die italienischen Bischöfe (6. Januar 1994), 8, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 3/1994, S. 11.

(67) Johannes Paul II., Ansprache beim 3. Treffen der Kirche Italiens in Palermo [Italien] (23. November 1995), 11, in "L'Osservatore Romano", 24. November 1995, S. 5.

(68) Johannes Paul II., Ansprache beim "ad limina"-Besuch der Bischöfe der apost. Region Nordfrankreich (18. Januar 1992), 5, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 7/1992, S. 8.

(69) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache beim "ad limina"-Besuch der Bischöfe der apost. Region Südwestfrankreich (25. Januar 1997), 5, in "L'Osservatore Romano", 29. Januar 1997, S. 5.

(70) Vgl. II.Vatikanisches Ökumenisches Konzil, Const. dogm. de Ecclesia Lumen gentium, 10.

(71) Johannes Paul II., Ansprache beim "ad limina"-Besuch einer Gruppe polnischer Bischöfe (12. Januar 1993), 2, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 5/1993, S. 10.

(72) Vgl. Bischofssynode, erste Sonderversammlung für Europa, Schlußerklärung, 2.

(73) Vgl. ebd., 3.

(74) Vgl. Paul VI., Apost. Schreiben Evangelii nuntiandi (8.XII.1975), 41: AAS 68 (1976) 31.

(75) Vgl. Bischofssynode, erste Sonderversammlung für Europa, Schlußerklärung, 7.

(76) Vgl. u.a. Gemischte internat. Kommission für den theologischen Dialog zwischen der römisch-kath. Kirche und der orthodoxen Kirche, Uniatism, Method of Union of the Past, and the Present Search for Full Communion (Balamand, 23. Juni 1993), in: Päpstlicher Rat für die Förderung der Einheit der Christen, Information Service, 83 (1993/II) 96-99; Internat. anglikanische/römisch-katholische Kommission, Clarifications of Certain Aspects of the Agreed Statements on Eucharist and Ministry (September 1993), in: Päpstlicher Rat für die Förderung der Einheit der Christen, Information Service 87 (1994/IV) 239-242; Lutheran-Catholic International Dialogue, Church and Justification: Understanding the Church in the Light of the Doctrine of Justification (11. September 1993), in: Päpstlicher Rat für die Förderung der Einheit der Christen, Information Service 86 (1994/II-III) 128-181; Päpstlicher Rat für die Einheit der Christen/Lutherischer Weltbund, The Joint Declaration on the Doctrine of Justification (1997), in: Päpstlicher Rat für die Einheit der Christen, Information Service 98 (1998/III) 81-86.

(77)Bischofssynode, erste Sonderversammlung für Europa, Schlußerklärung, 8.

(78) Ebd.

(79) Ebd., 9.

(80) Ebd.

(81) Vgl. Päpstlicher Rat für den interreligiösen Dialog - Kongregation für die Glaubensverbreitung, Dialogo e annuncio. Riflessioni e orientamenti sul dialogo interreligioso e l'annuncio del Vangelo di Gesœ Cristo (19.V.1991), 50: AAS 84 (1992) 431.

(82) Bischofssynode, erste Sonderversammlung für Europa, Schlußerklärung, 9.

(83) Johannes Paul II., Ansprache beim "ad limina"-Besuch der Bischöfe der apost. Region Nordfrankreich (18. Januar 1992), 4, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 7/1992, S. 8.

(84) Johannes Paul II., Ansprache an die IV. Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe (12. Oktober 1992), 12, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 43/1992, S. 7.

(85) Johannes Paul II., Ansprache beim "ad limina"-Besuch der Bischöfe der spanischen Kirchenprovinz Grenada, Sevilla und Valencia (7. Juli 1998), 4, in "L'Osservatore Romano", 9. Juli 1998, S. 7.

(86) Ebd.

(87) Vgl. oben § 45-50.

(88) Johannes Paul II., Ansprache an eine Gruppe spanischer Bischöfe (19. Februar 1998), 4, in "L'Osservatore Romano", 21. Februar 1998, S.4.

(89) Johannes Paul II., Ansprache beim "ad limina"-Besuch polnischer Bischöfe (2. Februar 1998), 5, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. /1998, S. 10.

(90) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache beim "ad limina"-Besuch der Bischöfe der apostol. Region Südfrankreich (7. März 1992), 3, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 25/1992, S. 16.

(91) Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer des Europa-Kongresses über die Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben (9. Mai 1997), in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 26/1997, S. 11.

(92) Johannes Paul II., Ansprache beim "ad limina"-Besuch der belgischen Bischöfe (3. Juli 1992), 4, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 31-32/1992, S. 11.

(93) Bischofssynode, erste Sonderversammlung für Europa, Schlußerklärung, 10.

(94) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache an die Abgeordneten der Europäischen Volkspartei des Europa-Parlaments (7. März 1997), in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 12/1997, S. 7.

(95) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache an die Vollversammlung der Vereinten Nationen (5. Oktober 1995), 14, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 41/1995, S. 1; Ansprache an den französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac (20. Januar 1996), 4, in "L'Osservatore Romano", 21. Januar 1996, S. 4.

(96) Johannes Paul II., Predigt bei der heiligen Messe zur Seligsprechung von Kard. Alojzije Stepinac in Marija Bistrica [Kroatien] (3. Oktober 1998), 5 in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 47/1998, S. 10.

(97) Johannes Paul II., Ansprache an den Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (16. April 1993), 5, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 17/1993, S. 8.

(98) Ebd., 6.

(99) Vgl. Bischofssynode, erste Sonderversammlung für Europa, Schlußerklärung, 6.

(100) Johannes Paul II., Ansprache an den Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (16. April 1993), 8, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 17/1993, S. 8.

(101) Johannes Paul II., Ansprache beim Angelus (25. August 1996), 2, in "L'Osservatore Romano", 26./27. August 1996, S. 1.

(102) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache an die Vorsitzenden der Europäischen Bischofskonferenzen (1. Dezember 1992), 2, in "L'Osservatore Romano deutsch" Nr. 50/1992, S. 7.

(103) Tertullian, Apologeticum, 50, 13: CCL I, 171.

(104) Johannes Paul II., Ansprache beim Angelus (25. August 1996), 2, in "L'Osservatore Romano", 26./27. August 1996, S. 1.

(105) Ebd.

(106) Johannes Paul II. Apost. Schreiben Tertio millennio adveniente (10.XI.1994), 48: AAS 87 (1995) 35.

(107) Vgl. Johannes Paul II. Weihegebet an die Gottesmutter Maria in Fatima [Portugal] (13. Mai 1991), 2, in "L'Osservatore Romano", 13./14. Mai 1991, S. 1.

(108) Vgl. Paul VI., Apost. Schreiben Evangelii nuntiandi (8.XII.1975), 82: AAS 68 (1976) 75-76; Bischofssynode, erste Sonderversammlung für Europa, Schlußerklärung, Abschluß.

(109) Vgl. Johannes Paul II., Apost. Schreiben Tertio millennio adveniente (10.XI.1994), 12: AAS 87 (1995) 12-13.

(110) Vgl. ebd., 13. 51.

(111) Vgl. ebd., 33.

(112) Vgl. ebd., 27.

(113) Ebd., 32.

(114) Vgl. ebd., 55.