PONTIFICIUM CONSILIUM DE LEGUM TEXTIBUS

Vatikanstadt, 13. März 2006

Prot. N. 10279/2006

 

S. E. 
HH William S. Skylstad
Bischof von Spokane
Vorsitzender der Bischofskonferenz der USA
3211 Fourth Street
Washington, D.C. 20017-1194 USA

 

Euer Exzellenz,

Seit einiger Zeit haben eine beträchtliche Anzahl von Bischöfen, Offizialen und andere, die im Bereich des Kirchenrechts arbeiten, Fragen und Gesuche um Klärung an diesen Päpstlichen Rat gerichtet, die den sog. actus formalis defectionis ab Ecclesia catholica betreffen, wie er in den cann. 1086 § 1, 1117 und 1124 des CIC erwähnt wird. Das dort dargebotene Konzept ist in der kirchenrechtlichen Gesetzgebung neu und unterschieden von den anderen - ziemlich virtuellen (das heißt vom Verhalten abgeleiteten) - Formen des "notorischen" oder "öffentlichen" Abfalls vom Glauben (vgl. cann. 171 § 1 n. 4, 194 § 1 n. 2, 316 § 1, 694 § 1 n. 1, 1071 § 1 n. 4 und § 2). Unter den zuletzt genannten Umständen bleiben die, die getauft oder in die katholische Kirche aufgenommen wurden, durch rein kirchliche Gesetze gebunden (vgl. can. 11). Die Angelegenheit wurde von den zuständigen Dikasterien des Heiligen Stuhls sorgfältig untersucht, um zunächst die logischen und dogmatischen Komponenten eines actus formalis defectionis ab Ecclesia catholica festzustellen und dann umgekehrt auch die Erfordernisse oder juristischen Formalitäten, die nötig wären, um solch eine Handlung zu einem wahren "formalen Akt" des Abfalls zu machen. Nach Eingang der Entscheidung der Kongregation für die Glaubenslehre bezüglich der theologischen und dogmatischen Elemente und nach nachfolgender Behandlung der gesamten Angelegenheit in der Plenaria teilt dieser Päpstliche Rat den Vorsitzenden der Bischofskonferenzen folgendes mit:

1. Damit das Verlassen der katholischen Kirche gültig als ein wahrer actus formalis qualifiziert wird, so dass die Ausnahmen zutreffen, die in den vorher angeführten Canones enthalten sind, ist es notwendig, dass ganz konkret vorliegen:

a) die innere Entscheidung, die katholische Kirche zu verlassen,

b) die Umsetzung und äußere Manifestation dieser Entscheidung und

c) die Annahme dieser Entscheidung durch die zuständige kirchliche Autorität.

2. Der wesentliche Inhalt dieses Willensaktes muss das Zerreißen derjenigen Bande der Communio - Glaube, Sakramente und Hirtensorge - sein, die es den Gläubigen erlauben, innerhalb der Kirche ein Leben der Gnade zu erlangen. Das bedeutet, dass der formale Akt des Abfalls mehr als einen rechtlich-verwaltungsmäßigen Charakter (das Löschen des eigenen Namens aus einem Mitgliederverzeichnis der Kirche, das von der Regierung für gewisse bürgerlich-rechtliche Folgen geführt wird) haben muss; er muss vielmehr als eine wahre Trennung von den konstitutiven Elementen des Lebens der Kirche qualifiziert sein und setzt daher einen Akt der Apostasie, Häresie oder des Schismas voraus.

3. Der rechtlich-verwaltungsmäßige Akt des Abfalls von der Kirche stellt nicht per se einen formalen Akt des Abfalls nach dem Verständnis des Codex dar, da immer noch der Wille gegeben sein könnte, in der Communio des Glaubens zu verbleiben. Andererseits sind Häresie (sei sie formell oder materiell), Schisma und Apostasie in sich auch kein formaler Akt des Abfalls, wenn sie nicht nach außen hin konkretisiert und gegenüber der kirchlichen Autorität in der geforderten Art und Weise manifestiert werden.

4. Der Abfall muss eine gültige Rechtshandlung sein, ausgeführt von einer Person, die rechtlich dazu fähig ist, und in Übereinstimmung mit den kirchenrechtlichen Normen, die solche Angelegenheiten regeln (vgl. cann. 124-126). Eine solche Handlung muss daher persönlich, bewusst und frei erfolgen.

5. Überdies ist erforderlich, dass die Rechtshandlung von demjenigen, der ein Interesse daran hat, in schriftlicher Form vor der zuständigen Autorität der katholischen Kirche vorgenommen wird: vor dem Ortsordinarius oder dem Ortspfarrer, der alleine fähig ist, die Entscheidung über die Existenz oder Nichtexistenz des Willensaktes zu treffen, der in Nr. 2 beschrieben ist. Demzufolge stellt nur das Zusammentreffen zweier Elemente - des theologischen Inhaltes des inneren Willensaktes und seiner oben beschriebenen Manifestation - einen actus formalis defectionis ab Ecclesia catholica dar, der die entsprechenden kirchenrechtlichen Strafen nach sich zieht (vgl. can. 1364 § 1).

6. In solchen Fällen hat die zuständige kirchliche Autorität, die oben angeführt wurde, dafür zu sorgen, dass diese Handlung ins Taufregister eingetragen wird (vgl. can. 535 § 2) mit dem ausdrücklichen Bemerken der Existenz einer "defectio ab Ecclesia catholica actu formali".

7. Jedenfalls bleibt klar, dass das sakramentale Band der Zugehörigkeit zum Leib Christi, der die Kirche ist, das durch das Prägemal der Taufe übertragen wurde, ein ontologisches und dauerhaftes ist, das durch keinen Akt und durch keine Tatsache des Abfalls verloren geht.

In der Gewissheit, dass die Bischöfe Ihrer Konferenz angesichts der heilsgeschichtlichen Dimension der kirchlichen Communio die pastoralen Beweggründe, die diesen Normen zugrunde liegen, sehr gut verstehen werden, begrüße ich diese Gelegenheit, den Ausdruck meiner brüderlichen Wertschätzung zu erneuern.

Ihr in Christus ergebener

Julián Kard. Herranz
Präsident

+ Bruno Bertagna
Sekretär

 

Diese Notifikation wurde vom Heiligen Vater, Benedikt XIV., approbiert, der den Auftrag erteilte, sie an die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen zu übersenden.