Dominik Schwaderlapp, Erfüllung durch Hingabe

Die Ehe in ihrer personalistischen, sakramentalen und ethischen Dimension nach der Lehre und Verkündigung Karol Wojtylas / Johannes Pauls II. (Moratheologische Studien, Neue Folge, Bd. 2), St. Ottilien 2002, 258 S., 34 EUR

 

Zitiervorschlag: Matthias Pulte, Rezension zu: Dominik Schwaderlapp, Erfüllung durch Hingabe, NomoK@non-Webdokument: http://www.nomokanon.de/rezensionen/114.htm, Rdnr. 1-2.

 

 

Die hier zu besprechende Arbeit wurde im Jahr 2002 an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Augsburg im Fach Moraltheologie als Dissertation angenommen. Der Titel der Arbeit umreißt das Programm. Der Verfasser geht in drei Schritten vor. Im ersten Teil, wo es um die personalistische Dimension der Ehe geht, legt der Verfasser das Verständnis des Papstes von der menschlichen Person dar. Mit Rückgriff auf die Quellen des Hl. Thomas von Aquin und Max Schelers und dem darauf aufbauenden eigenständigen philosophischen Ansatz Karol Wojtylas beschreibt der Verfasser die Schwerpunkte des Personenbegriffs in ihrer geistigen unter leiblichen Dimension. Nachdem herausgestellt ist, dass sich personale Gemeinschaft immer aus der interpersonalen Bezugnahme zwischen Ich und Du in einem sozialen Bezug des "Wir" konkretisiert, wendet sich der Autor der Ehelehre des Papstes zu. In vier Abschnitten werden in diesem Kapitel über Sinn und Ziel der ehelichen Personengemeinschaft, die eheliche Liebe, das unwiderrufliche Bündnis der Partner aneinander durch das Jawort und die Hinordnung der ehelichen Liebe auf Elternschaft gesprochen. Im zweiten Teil seiner Arbeit wendet sich der Verfasser der sakramentalen Dimension der Ehe zu. Ausgehend von der Rechtslage im CIC/1917 beschreibt er die Entwicklungen bis in die zeitgenössische Theologie. Vor diesem Hintergrund werden dann die wesentlichen Aussagen Johannes Pauls II. referiert, die in einen Abschnitt münden, der die sakramentale Dimension der Ehe als Erfüllung ihrer personalistischen Grundlagen herausstellt. Der dritte Teil befasst sich mit der ethischen Dimension der Ehe. In diesem Abschnitt weist der Autor nach, dass diese Dimension der Ehe nicht unverbunden neben den beiden anderen steht, sondern letztlich die Konsequenz der Grundlagen ist, die in den vorstehenden Teilen entfaltet worden ist. Die Hingabe Christi ist Vorbild und Motivation für die Hingabe der Ehegatten aneinander. Die Unwiderruflichkeit der Hingabe des Herrn enthält als Auftrag die Unwiderruflichkeit des Bündnisses der Eheleute in ihrem Jawort. Die Hingabe Christi ist aber auch das Abbild und Vorbild für die Hinordnung der Ehegatten zur Nachkommenschaft. Indem die gegenseitige Hingabe der Ehegatten in der Fruchtbarkeit Gestalt gewinnt, erfolgt die Mitarbeit der Menschen am Schöpfungsauftrag. Dieses Eheverständnis enthält eine missionarische Dimension, weil sich an ihr zeigt, dass die im Glauben gelebte Ehe zugleich erlöste und erlösende Gemeinschaft darstellt. Vor diesem Befund aus der Lehre des gegenwärtigen Papstes ausgehend, zieht der Verfasser in seiner Schlussbetrachtung die Konsequenz, dass eine derart Freiheit schenkende Lehre eine offensive Verkündigung verdient hat. Die Arbeit schließt mit einer Bibliographie der Werke Karol Wojtylas / Johannes Pauls II.

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Das Verdienst dieser Dissertation besteht darin, dass sowohl für Theologen als auch Kanonisten erstmals in einem überschaubaren Rahmen die Ehelehre des Papstes zusammengestellt und auf ihr Ziel hin fokussiert wird. Der Verfasser ist bei seiner Arbeit stets ganz eng bei dem Autor geblieben, über den er geschrieben hat. Es zeigt sich, dass sich Schwaderlapp von der Gedankenführung des Papstes hat faszinieren lassen und dass er sich mit diesen Gedanken identifiziert. Die Anschaffung dieses Bandes lohnt sich für alle, die ein Kompendium der Ehelehre des Papstes lesen möchten, ohne in den Bibliotheken langwierig auf die Suche zu gehen, oder das ganze wissenschaftliche Oevre des Papstes zu durchforsten. Der Sprachstil des Verfassers ist eingängig. Vorgängige theologische Studien sind für eine gewinnbringende Lektüre nicht unbedingt Voraussetzung. Es genügt, sich mit Interesse und Wohlwollen mit der Lehre des Papstes über die Lehre der Kirche von der Ehe auseinander zu setzen.

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Matthias Pulte